«Wir wollen kein Geld auf Vorrat beschaffen»

Der Bundesrat will Benzin stärker besteuern, um damit Ausbau und Unterhalt der Strassen zu sichern. Anders als zunächst geplant, soll die Erhöhung aber vorerst moderat ausfallen.

«Kein Geld auf Vorrat beschaffen»: Verkehrsministerin Doris Leuthard. (19. September 2014)

«Kein Geld auf Vorrat beschaffen»: Verkehrsministerin Doris Leuthard. (19. September 2014) Bild: Marcel Bieri/Keystone

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Für die Finanzierung der Nationalstrassen und des Agglomerationsverkehrs will der Bundesrat einen unbefristeten Fonds einrichten und in der Verfassung verankern. Nach der Kritik in der Vernehmlassung vorläufig weniger stark erhöht wird der Mineralölsteuerzuschlag auf Benzin und Diesel.

Der Mineralölsteuerzuschlag auf Treibstoffen beträgt derzeit 30 Rappen pro Liter. In einem ersten Schritt will ihn der Bundesrat um 5 bis 7 Rappen pro Liter erhöhen. «Wir wollen in Etappen vorgehen und kein Geld auf Vorrat beschaffen», führte Verkehrsministerin Doris Leuthard vor den Medien in Bern dazu aus.

Kritik in der Vernehmlassung

Diese Erhöhung dürfte laut Leuthard für die in den ersten Jahren baureifen Projekte genügen. Spätere Erhöhungen des Zuschlags schloss sie ausdrücklich nicht aus. Zunächst hatte der Bundesrat den Mineralölsteuerzuschlag um 12 bis 15 Rappen pro Liter erhöhen wollen. Das war in der Vernehmlassung kritisiert worden.

Seit 1974 beträgt der Mineralölsteuerzuschlag 30 Rappen pro Liter Treibstoff - er wurde bisher nie der Teuerung angepasst. Teuerungsbereinigt seien das noch 13 Rappen, sagte Leuthard. Auch mit dem höheren Zuschlag werde die Schweiz tiefere Benzinpreise haben als die Nachbarländer.

Der Mineralölsteuerzuschlag fliesst heute in die Strassenkasse. Neu soll er eine Finanzierungsquelle des geplanten Nationalstrassen- und Agglomerationsverkehrsfonds (NAF) sein, den der Bundesrat unbefristet in der Verfassung verankern will. Der Zuschlag soll bei Bedarf der Teuerung angepasst werden können.

An den geplanten Fonds gehen auch die Einnahmen aus der Autobahnvignette (320 Millionen Franken pro Jahr) sowie eine geplante Abgabe für Elektrofahrzeuge. «Das ist gerecht. Alle Nutzer sollen einen Beitrag an die Strasse leisten», sagte Leuthard dazu.

Automobilsteuer an NAF

Doch auch die Automobilsteuer, die Importsteuer auf Autos (rund 375 Millionen Franken im Jahr), die heute der allgemeinen Bundeskasse zufliesst, soll neu an den NAF gehen. Leuthard sprach von einer Konzession an die «Milchkuh»-Initiative: «Wir sind bereit, diesen Betrag für einen Zweck zu binden.» Vorbehalten bleiben allerdings allfällige Sparpakete.

Mit der «Milchkuh«-Initiative verlangt die Vereinigung der Schweizer Automobil- und Nutzfahrzeug-Importeure, dass alle Einnahmen aus der Mineralölsteuer allein für die Strassen verwendet werden. Heute geht eine Hälfte dieser Einnahmen – rund 1,5 Milliarden Franken – an die allgemeine Bundeskasse und die andere an die Strassenkasse.

Dass der Mineralölsteuerzuschlag später nicht weiter erhöht wird, ist nicht ausgeschlossen. Der Bundesrat will dem Parlament ab 2018 alle vier Jahre das aktualisierte Strategische Entwicklungsprogramm Strasse (Step) vorlegen. Die erste Tranche bis 2030 umfasst Projekte für 6,6 Milliarden Franken. Falls nötig, könnte auch eine Anpassung des Mineralölsteuerzuschlags beantragt werden.

Neu in Step aufnehmen will der Bundesrat die Beseitigung von Engpässen im zürcherischen Glatttal sowie im Raum Lausanne-Morges im Kanton Waadt. Beide Projekte sind seit dem Nein zum höheren Vignettenpreis und zum so genannten Autobahn-Netzbeschluss im November 2013 blockiert.

«Gute Verkehrsbedingungen zentral»

Mit der Vorlage für den NAF will der Bundesrat eine neue Grundlage schaffen für die Finanzierung des Betriebs und Unterhaltes der Nationalstrassen sowie des Agglomerationsverkehrs. «Gute Verkehrsbedingungen sind zentral für den Standort Schweiz», sagte Leuthard, «und Staus verursachen der Volkswirtschaft hohe Kosten.»

Neben dem Fonds beibehalten wird die als Strassenkasse bekannte Spezialfinanzierung Strassenverkehr. Mit dieser Kasse will der Bund zum Beispiel den Kantonen Beiträge ausrichten. Anders als heute sollen Beiträge für Hauptstrassen in Bergregionen und Randgebieten unbefristet geleistet werden.

Der Bundesrat bestimmte am Freitag die Eckwerte für die NAF-Vorlage und beauftragte Leuthards Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation, bis Anfang 2015 eine Botschaft ans Parlament auszuarbeiten. Mindestens einer der Räte solle sie noch vor den eidgenössischen Wahlen im Herbst 2015 beraten können, sagte Leuthard. (mw/sda)

Erstellt: 19.09.2014, 13:34 Uhr

Neuer Amtschef

Der neue Direktor des Bundesamts für Strassen (Astra) heisst Jürg Röthlisberger. Der Bundesrat hat den 50-jährigen Ingenieur ernannt. Röthlisberger übernimmt die Nachfolge von Rudolf Dieterle, der per Ende Februar 2015 zurücktritt.

Röthlisberger wird seine neue Funktion am 1. März 2015 antreten, wie das Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (Uvek) mitteilte.

Jürg Röthlisberger liess sich nach einer Lehre als Tiefbauzeichner zum Bauingenieur HTL und ETH ausbilden. Danach arbeitete er für eine Baufirma und ein Ingenieur-Unternehmen. 1997 trat er in den Bundesdienst ein.

Ab 2004 leitete Röthlisberger im Astra als Vizedirektor die Abteilung Strasseninfrastruktur, die für Bau, Unterhalt und Betrieb der Nationalstrassen verantwortlich ist. 2012 wurde er zum stellvertretenden Direktor ernannt.

Der Bundesrat habe eine erfahrene und profilierte Persönlichkeit an die Spitze des Bundesamts für Strassen gewählt, schreibt das Uvek. Dem abtretenden Direktor Rudolf Dieterle danke der Bundesrat bereits jetzt für seine engagierte und erfolgreiche Leitung des Astra.

Dieterle, der im nächsten Jahr das Pensionsalter erreicht, hatte die Amtsdirektion 2003 übernommen. Seinen Rücktritt gab er im März bekannt. Zuletzt war er in die Kritik geraten, unter anderem wegen Unregelmässigkeiten bei Informatikprojekten.

Dabei ging es um das IT-Projekt zur zentralen Verwaltung aller Strassendaten (Mistra). Gemäss der Eidgenössischen Finanzkontrolle wurde das ursprüngliche Budget von 43 Millionen Franken bereits vor dem Projektabschluss um mehr als das Doppelte überschritten. (sda)

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