Wo E-Bikes auf dem Vormarsch sind

Der Anteil der Haushalte mit Elektrovelos hat sich innerhalb von nur fünf Jahren verdreifacht. Doch nicht überall sind diese gleich beliebt.

Werden immer häufiger produziert: Fahrräder mit elektrischer Tretunterstützung.

Werden immer häufiger produziert: Fahrräder mit elektrischer Tretunterstützung. Bild: Keystone

Das Auto ist immer noch das beliebteste Fortbewegungsmittel der Schweizerinnen und Schweizer. Doch der Anteil der Haushalte, die einen Personenwagen besitzen, nimmt ab: 2005 betrug er 81 Prozent, 2010 noch 79 Prozent, und gemäss der neusten Mobilitätsstudie des Bundes waren es 2015 nur noch 78 Prozent. Beim Velobesitz ist der Rückgang noch deutlicher: Seit 2000 schrumpfte er um beinahe 7 auf aktuell 65 Prozent.

Ganz anders sieht es bei den E-Bikes aus. Der Anteil der Haushalte mit Elektrofahrrädern hat sich innerhalb von nur fünf Jahren verdreifacht. 2015 verfügten schon 7 Prozent über ein solches Gefährt. Bei 3,63 Millionen Privathaushalten landesweit war also schon damals mindestens eine Viertelmillion (254’100) E-Bikes auf Schweizer Strassen unterwegs.

Das E-Bike liegt voll im Trend – allerdings nicht überall gleich stark. Bei den verschiedenen Sprachregionen gibt es Unterschiede, und auch der Urbanisierungsgrad der Haushalte spielt ein wichtige Rolle.

In der Deutschschweiz sind E-Bikes beliebter als in den anderen Sprachregionen. 8 Prozent der Haushalte besassen hier 2015 mindestens eines, in der Romandie (5 Prozent) und den italienischsprachigen Landesteilen (3 Prozent) waren es deutlich weniger. Zudem sind E-Bikes anscheinend eher etwas für Personen, die in Agglomerationen (9 Prozent) oder ländlichen Gebieten (8 Prozent) wohnen, als für Städter (6 Prozent).

An den Kosten kann es nicht liegen. Denn mit dem Einkommen der Schweizer Haushalte steigt grundsätzlich auch deren Fahrzeugbesitz, und zwar unabhängig davon, ob es sich um ein Auto, ein Velo oder ein E-Bike handelt. Nur 4 Prozent der Haushalte mit einem monatlichen Haushaltseinkommen bis 4000 Franken besassen 2015 ein Velo mit elektrischer Tretunterstützung. Bei der höchsten Einkommensklasse, die über mehr als 12’000 Franken verfügte, waren es mit 10 Prozent mehr als doppelt so viel.

Ein Grund für die tiefere Beliebtheit in Städten könnten die besonders gut ausgebauten Angebote des öffentlichen Verkehrs sein. In Gebieten mit schlechterer Anbindung greift man hingegen eher auf ein E-Bike zurück – auch, weil man damit im Schnitt (17 km/h) schneller unterwegs ist als per Tram (16,6 km/h) und fast gleich schnell wie mit dem Bus (18,9 km/h).

E-Bikes sind ein Viertel schneller unterwegs als herkömmliche Velos und werden für längere Einzelstrecken eingesetzt: Eine durchschnittliche E-Bike-Etappe mass 2015 rund 4,4 Kilometer und damit fast ein Drittel mehr als eine mittlere Velo-Etappe (3,3 km). Die beiden Fahrzeuge werden aber auch unterschiedlich verwendet.

Ihre Velos nutzen Schweizerinnen und Schweizer in erster Linie in der Freizeit: Die dabei zurückgelegten Strecken machten 54 Prozent der Tagesdistanz aus, gegenüber 39 Prozent beim E-Bike. Auch die Ausbildungswege fielen beim E-Bike weniger stark ins Gewicht, schliesslich sind von den Personen in Ausbildung viele noch zu jung, um überhaupt ein solches verwenden zu dürfen (Mindestalter 14 Jahre). Dafür werden E-Bikes öfter auf dem Arbeitsweg und zum Einkaufen eingesetzt als herkömmliche Fahrräder.

Gemäss dem Verkehrs-Club der Schweiz (VCS) ist heute bereits jedes sechste verkaufte Velo in der Schweiz ein E-Bike. Rund 270’000 Elektrovelos rollen auf den Strassen, täglich werden es mehr. Dadurch steigt auch die Häufigkeit von Unfällen.

Wie eine «Sicherheitsanalyse» der Beratungsstelle für Unfallverhütung aus dem Jahr 2015 zeigt, sind E-Bike-Unfälle in der Regel schwerer als Unfälle mit herkömmlichen Fahrrädern. Mit dem Elektrovelo ist das Risiko, im Spital zu landen, statistisch gesehen 1,8-mal höher. Die unterschiedlichen Unfallfolgen sind aber auch auf das höhere Alter von E-Bike-Fahrern zurückzuführen.

Die Studie kam zum Schluss, dass sich E-Bike-Fahrer zwar der erhöhten Geschwindigkeit im Vergleich zu Velos bewusst sind, diese aber zu längeren Bremswegen oder Fehleinschätzungen durch andere Verkehrsteilnehmer führt. Bei E-Bikes war die Geschwindigkeit in 22 Prozent der analysierten Unfälle die Hauptursache, bei Velos nur in 15 Prozent. Die Beratungsstelle für Unfallverhütung schlägt deshalb eine Sensibilisierung für den Effekt der Geschwindigkeit auf die Unfallkonsequenzen vor.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 17.05.2017, 20:38 Uhr

Begriff «E-Bike»

Für ihre Studie «Mikrozensus Mobilität und Verkehr» haben das Bundesamt für Raumentwicklung und das Bundesamt für Statistik 57’090 Haushalte befragt. Sämtliche Angaben im Bericht umfassen sowohl die «schnellen» als auch die «langsamen» E-Bikes, womit Velos mit elektrischer Tretunterstützung gemeint sind. Erstere verfügen über eine relativ hohe Motorleistung und eine Tretunterstützung auch oberhalb von 25 km/h und benötigen daher ein gelbes Motorfahrrad-Kontrollschild. Sie sind in den Schweizer Haushalten fünfmal seltener anzutreffen als die langsamen E-Bikes. Diese benötigen kein Nummernschild.

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