Wo die Frauen beim Bund mehr verdienen

Nicht einmal der Bund ist bei der Lohngleichheit der Geschlechter perfekt. Erstmals liegen detaillierte Zahlen vor. Selten verdienen die Frauen mehr.

In Doris Leuthards Departement ist der Lohnnachteil der Frauen am kleinsten, bei Ueli Maurer am grössten.

In Doris Leuthards Departement ist der Lohnnachteil der Frauen am kleinsten, bei Ueli Maurer am grössten. Bild: Anthony Anex/Keystone

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Ist es Diskriminierung oder nicht? Diese Frage sorgt immer noch für rote Köpfe. Klar ist, dass es Lohnunterschiede zwischen den Geschlechtern gibt, die sich mit Faktoren wie Alter, Ausbildung oder Erfahrung nicht erklären lassen. Nun weist der Bund zum ersten Mal für die einzelnen Verwaltungseinheiten Zahlen zur Lohngleichheit aus. Das Timing passt, da der Ständerat gerade diese Woche beschlossen hat, künftig grössere Unternehmen zu solchen Lohnanalysen zu zwingen.

Im Durchschnitt aller Departemente beträgt der nicht erklärbare Lohnunterschied beim Bund 3,3 Prozent – zugunsten der Männer, versteht sich. Am vorbildlichsten ist das Umweltdepartement von Doris Leuthard (CVP), wo die Männer nur 1 unerklärliches Prozent mehr nach Hause tragen. Am anderen Ende der Skala steht ausgerechnet Ueli Maurers (SVP) Finanzdepartement EFD, das auch für die Personalpolitik zuständig ist. Dort liegen die Frauen 4,4 Prozent zurück. Allerdings ist anzufügen, dass das Personalamt selber mit 1,3 Prozent besser unterwegs ist.

Die Armee-Chefinnen darben

«Schuld» am schlechten Wert des EFD ist dessen grösste Einheit: die Zollverwaltung, zu der auch das Grenzwachtkorps gehört. Hier verdienen die Männer 4,7 Prozent mehr. Noch ungleicher sind die Löhne nur im Führungsstab der Armee (4,9 Prozent) sowie bei der Wettbewerbskommission (4,8 Prozent). Mit diesen Werten bewegen sich die Armeechefs, Wettbewerbshüter und Grenzwächter schon ziemlich nahe an der Toleranzschwelle, die der Bund selber definiert hat: Diese liegt bei 5 Prozent. Firmen, die signifikant über dieser Schwelle liegen, erhalten keine Aufträge des Bundes.

Relativ schlecht verdienen die Frauen auch im Bundesamt für Strassen (4,6), beim Nachrichtendienst (4,5) sowie im Bundesamt für Bauten und Logistik (4,1). Am anderen Ende der Skala stehen jene Verwaltungseinheiten mit der ausgeglichensten Lohnverteilung zwischen Mann und Frau: Dabei handelt es sich insbesondere um die Bundesämter für Landwirtschaft (0,3), für Sport (0,4), für Umwelt (0,5), für Kultur (0,5) oder für Statistik (0,8).

Eine hübsche Ironie

Immerhin: Es gibt in allen Departementen einzelne Abteilungen, in denen die Frauen bevorteilt werden. Diese Liste reicht vom Bundesamt für Kultur von Direktorin Isabelle Chassot bis zum Bundesamt für Raumentwicklung, wo mit Maria Lezzi ebenfalls eine Chefin amtiert. Doch auch in einem recht maskulinen Bereich wie dem Armeestab verdienen die Frauen besser als die Männer.

Ja, es gibt sogar zwei Einheiten, in denen die Frauenlöhne recht massiv höher sind: zum einen beim Informatiksteuerungsorgan im Finanzdepartement (4,6 Prozent Lohnvorteil für die Frauen), zum anderen bei der Vollzugsstelle für den Zivildienst (4,5 Prozent).

Eine hübsche Ironie am Rande: Die Tabelle des Personalamts weist für diverse Einheiten keinen Wert zur Lohngleichheit aus – unter anderem auch für das Eidgenössische Büro für Gleichstellung. Ausgerechnet die Gleichstellerinnen und -steller weisen keinen Wert zur Lohngleichstellung aus. Wie ist das zu verstehen? Der geringe Personalbestand des Büros lasse keine aussagekräftige Auswertung zu, heisst es dazu.

Andere machens besser

Die Personalverbände der Bundesangestellten sind mit den Werten nicht zufrieden. Sie finden, der Bund werde seiner Vorbildfunktion nicht gerecht. Die hohen Werte einzelner Bundesämter deuten aus ihrer Sicht auf Lohndiskriminierung hin. Die Personalvertreter monieren zudem, der Bund schneide mit einem Lohnnachteil der Frauen von 3,3 Prozent schlechter ab als andere öffentliche Arbeitgeber. So lägen die Vergleichswerte in den Kantonen Jura und Glarus bei 0,5 respektive 1.3 Prozent sowie in den Städten Bern und Zürich bei 1,8 und 0,6 Prozent.

In welchen Ämtern die weiblichen Angestellten mehr verdienen nach Departement

Departement des Innern:

  • Generalsekretariat (GS)
  • Bundesamt für Kultur (BAK)
  • Nationalbibliothek (NB)

Justiz- und Polizeidepartement (EJPD):

  • Spielbankenkommission (ESBK):
  • Schweizerisches Institut für Rechtsvergleichung (SIR)

Finanzdepartement (EFD):

  • Generalsekretariat (GS)
  • Informatiksteuerungsorgan des Bundes (IBS)

Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS):

  • Generalsekretariat (GS)
  • Armeestab (A STAB)
  • Bundesamt für Rüstung (ausser Bereich Immobilien)

Departement für Wirtschaft, Bildung und Forschung:

  • Vollzugsstelle für den Zivildienst (ZIVI)

Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (Uvek):

  • Generalsekretariat (GS)
  • Raumentwicklung (ARE)
  • Regulierungsbehörden des Uvek

Link zur vollständigen Liste. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 01.06.2018, 19:07 Uhr

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