Wo die Schweiz am günstigsten ist

Eine Studie der Credit Suisse zeigt: Das Land hat einen neuen Spitzenreiter im Rennen um tiefe Lebenshaltungskosten.

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Im Regionenranking der Credit Suisse, das nach 2006 und 2008 zum dritten Mal erscheint, hat sich der Kanton Uri erstmals an die Spitze gesetzt. Er katapultierte sich von Rang 11 auf Rang 1 aller Schweizer Kantone.

Die Analysten haben für ihren Vergleich für jede Gemeinde der Schweiz aus den jeweiligen Durchschnittseinkommen und Ausgaben das frei verfügbare Einkommen (RDI) errechnet. Auf der Ausgabenseite berücksichtigen sie die Zwangsabgaben (Steuern, Sozialabgaben, Krankenversicherung) sowie die Fixkosten (Wohnen, Gebühren für Wasser, Energie, Abwasser, Abfall sowie erstmals auch Pendelkosten).

Zug und Schwyz steigen ab

Der Grund für das Aufsteigen des Kantons Uri sei die Steuergesetzrevision im Jahr 2009, die für den breiten Mittelstand erhebliche Entlastungen bewirkt habe, schreiben die Analysten. Uri hat als zweiter Kanton nach Obwalden die Flatrate-Tax eingeführt: Alle natürlichen Personen bezahlen auf ihrem Einkommen 7,2 Prozent Steuern an den Kanton und ebenso viel an die Einwohnergemeinde. Ebenfalls entlastend wirkten die moderaten Krankenversicherungsprämien, so die Autoren der Studie. Gleichfalls aufgestiegen sind die Kantone St. Gallen und Luzern – auch sie haben die Zwangsabgaben reduziert –, fünf Ränge oder mehr abgestiegen sind Schwyz, Solothurn und der Jura. Auch Zug büsst einen Rang ein – hier machen die stark gestiegenen Fixkosten die tiefen Steuern wett. Dasselbe gilt für Teile des Kantons Schwyz.

Die Analysten betonen denn auch, dass für eine Beurteilung der Wohnattraktivität nicht nur die Steuerhöhe massgeblich sei. «Der reine Vergleich der Steuerbelastungen vernachlässigt die Tatsache, dass etwa hohe Immobilienpreise in steuergünstigen Regionen grosse Teile der Steuerersparnis zunichte machen», schreiben sie. Die regionalen Unterschiede bei weiteren Ausgabenarten, etwa den Krankenkassenprämien, fielen «stärker ins Gewicht als allgemein vermutet».

Attraktive Nordostschweiz

Besonders gut schneiden darum Kantone ab, die moderate Steuern mit moderaten Fixkosten kombinieren: Uri, Glarus, die beiden Appenzell, der Thurgau, Schaffhausen, Ob- und Nidwalden, St. Gallen. Die Nordostschweiz, so die Autoren, zeige sich «generell attraktiv». Während die Innerschweiz zwar günstig sei, dies aber einer «geringen Erreichbarkeit» und «rauen Lebensbedingungen» verdanke, brillierten der Thurgau und Co. mit tiefen Steuern und Krankenkassenprämien, im Schweizer Vergleich eher günstigen Immobilien und einer hohen Zentrumsdichte.

Doppelt gestraft sind derweil die Einwohner jener Kantone, die sowohl hohe Steuern als auch hohe Fixkosten bezahlen müssen: Genf, Basel-Stadt, Waadt und Basel-Landschaft schneiden schlecht ab. Genf ist der mit grossem Abstand teuerste Wohnort der Schweiz.

(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 24.05.2011, 10:25 Uhr

Frei verfügbares Einkommen (RDI-Indikator)

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