«Wohin wollt ihr den Blancho ausweisen?»

Wie soll der Islamist Nicolas Blancho behandelt werden? Die Leserinnen und Leser auf Tagesanzeiger.ch/Newsnet schwanken. Das Hauptproblem sehen viele jedoch gar nicht beim Konvertiten selbst.

Ausweisen oder ignorieren – die Meinungen über den Islam-Prediger Nicolas Blancho gehen auseinander.

Ausweisen oder ignorieren – die Meinungen über den Islam-Prediger Nicolas Blancho gehen auseinander. Bild: Keystone

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«Ein Prophet gilt nirgends weniger als in seinem Vaterland» – im Fall des selbst ernannten Islam-Propheten Nicholas Blancho scheint dieses Sprichwort eine neue Bedeutung zu erhalten. Der umstrittene Prediger trägt zwar Bart und ein gehäkeltes, weisses Moslem-Käppchen – er ist aber Schweizer. Noch irritierender ist, was er in seiner Heimat predigt: Nicolas Blancho vertritt so radikale Ansichten über den Islam, dass sich nicht nur Schweizer, sondern auch die meisten Muslime davon distanzieren. Blancho will hier eine Parallelgesellschaft aufbauen und distanziert sich auch nicht von Steinigungen von Frauen.

Das stösst den Leserinnen und Lesern von Tagesanzeiger.ch/Newsnet sauer auf. Fundamentalistischer Islam sei in der Schweiz fehl am Platz, so der Grundtenor, Blancho solle doch in ein Land auswandern, wo er seine Überzeugungen ausleben könne. «Ich finanziere ihm gerne sein Einwegbillett nach Saudiarabien und dann auf Nichtwiedersehen!», schreibt ein Tagesanzeiger.ch/Newsnet-Leser im Forum. Doch einfacher gesagt, als getan, wie ein anderer Leser bemerkt: «Wohin wollt ihr den Blancho ausweisen? Das geht ja gar nicht, er ist ja Schweizer.»

Medien tragen Mitschuld

Also was tun mit diesem Mann, der sich in der Sendung «Arena» so friedfertig und aalglatt gegeben hat, dass man ihm rechtlich scheinbar nichts vorwerfen kann? Er verweist auf die Religionsfreiheit und darauf, dass er und seine Mitjünger die Regeln des Schweizer Rechtsstaates nicht verletzten. Für viele Leser ist grosse Vorsicht geboten. «Der politische Islam ist gefährlicher als jede Sekte und gehört verboten!», oder «Wehret den Anfängen!», fordern die einen. Toleranz gegenüber Fanatikern sei nicht angebracht. Ansonsten seien sie nicht mehr in den Griff zu bekommen. Andere empfinden Nicolas Blancho als ehrlich, weil er «nicht ständig von friedlichen Religion Islam schwadroniert» und endlich einmal aufzeige, was der Islam wirklich sei und wolle. Wieder andere halten den Bieler für harmlos, solange er «nur in seinem stillen Kämmerchen Steinigungen befürwortet».

Genau hier liegt jedoch der Knackpunkt, finden viele der Kommentierenden auf Tagesanzeiger.ch/Newsnet. Das eigentliche Problem liegt nicht bei Nicolas Blancho, sondern ganz woanders: bei den Medien. «Er wäre der unbeachtete Nobody geblieben, der er war. Je verrückter und aggressiver ein Geltungssüchtiger herumtobt, desto mehr reissen sich die Medien um ihn und machen ihm zum Star», ärgert sich ein Leser. Die Plattform, die Blancho und seinen Überzeugungen zugesprochen werde, sei inakzeptabel. Das nütze niemandem, besonders nicht den gemässigten Muslimen in der Schweiz, die je länger über ihn berichtet wird, je mehr in denselben Topf geworfen werden wie Blancho und seine fundamentalistischen Islam-Brüder. «Keine Einladungen in die ‹Arena›, keine Interviews und all das fundamentalistische Gelaber verhallt ungehört!»

Erstellt: 27.04.2010, 13:50 Uhr

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