ZKB-Chef warnt vor gefährlichem «Cocktail» bei Immobilien

Die Warnungen häufen sich: Am Genfersee und in Zürich entstehen Immobilienblasen, die platzen könnten. Martin Scholl, Chef der Zürcher Kantonalbank, sagt, die Bank sei «selektiver» geworden.

Überhitzte Märkte in manchen Regionen: Baustelle in einem Ferienort im Wallis (Archivbild).

Überhitzte Märkte in manchen Regionen: Baustelle in einem Ferienort im Wallis (Archivbild).

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Martin Scholl, Chef der Zürcher Kantonalbank, spricht in einem Interview mit der «Sonntagszeitung» über die Gefahr lokaler Immobilienblasen. Am vergangenen Mittwoch hatten die Ökonomen der UBS erneut vor den stark steigenden Wohnpreisen in einigen Regionen der Schweiz gewarnt. Dies berge Risiken: So könnten in teuren Wohnlagen am Zürich- und am Genfersee, Zug oder in Nobel-Ferienorten Preiskorrekturen mit langjährigen Folgen auftreten.

ZKB-Chef Scholl teilt offenbar die Meinung seiner Branchenkollegen. «Ich bestreite nicht, dass der Cocktail aus tiefen Zinsen und hohem Wettbewerb unter den Banken gefährlich ist und zu Übertreibungen führen kann», sagt er im Gespräch mit der «Sonntagszeitung».

Nicht nur Pensionskassen-Gelder

Die ZKB sei darum nicht «empört» darüber gewesen, dass die Finanzmarktaufsicht Finma diesbezüglich die Praxis verschiedener Banken prüfte. «Die Warnrufe kamen rechtzeitig», so Scholl. «Sie haben dafür gesorgt, dass die Finanzbranche – auch wir – die Vergabepolitik bei Hypokrediten überprüft hat und heute selektiver vorgeht.» Die ZKB verlange von Kreditnehmern neben Geldern aus der Pensionskasse mindestens fünf Prozent des Kaufpreises als Eigenmittel. Scholl sagte im Interview nicht ausdrücklich, ob dies bereits vor der Finma-Intervention der Fall war.

Das Beratungsunternehmen Ernst & Young hat in einer vergangenen Woche von der NZZ publizierten Umfrage unter 60 Schweizer Banken herausgefunden, dass 58 Prozent der Institute nach eigenen Angaben ihre Kriterien zur Vergabe von Hypotheken gelockert hätten. «Hinter vorgehaltener Hand» würden Bankangestellte bestätigen, dass Banken im «erbitterten Kampf um Hypothekenschuldner» den Kunden teilweise sehr weit entgegen kommen würden.

Für die ganze Schweiz sehen die Ökonomen der UBS keine Gefahr. Einkommen, Zinsen und Nachfrage zeigten sich robust und verhinderten die Bildung einer flächendeckenden Immobilienblase. Scholl sagt im Interview, er rechne damit, dass der Leitzins der Nationalbank zur Mitte des Jahres hin steigen werde.

Erstellt: 23.01.2011, 13:32 Uhr

Neben der 2. Säule braucht es für eine Hypothek auch Eigenmittel: ZKB-Chef Martin Scholl.

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