Zahl der ausländischen Ärzte klettert über 25 Prozent

Jeder vierte Arzt in der Schweiz ist im Ausland ausgebildet worden. Ärzte und Gesundheitspolitiker fürchten nun um die Qualität der Behandlungen und fordern Sprachkurse.

Die Ausbildung von Fachärzten dauert in der Schweiz teilweise länger als in EU-Ländern: Ärzte in einem Schweizer Spital. (Archivbild Keystone)

Die Ausbildung von Fachärzten dauert in der Schweiz teilweise länger als in EU-Ländern: Ärzte in einem Schweizer Spital. (Archivbild Keystone)

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Von allen in der Schweiz tätigen Ärzten haben 26 Prozent ihr Diplom im Ausland erworben. Dies berichtet die «SonntagsZeitung» unter Berufung auf Zahlen des Ärzteverbands FMH für das letzte Jahr. Laut dem bis Ende Jahr amtierenden FMH-Präsident Jacques de Haller sei die Tendenz weiter steigend.

Ärzte und Gesundheitspolitiker warnen gegenüber der «SonntagsZeitung» vor Qualitätseinbussen. Einerseits steht die Anerkennung von EU-Diplomen in der Kritik. Die Schweiz muss diese aufgrund der bilateralen Verträge anerkennen. «Die Übertragung der EU-Facharzttitel sorgt für Probleme bei der Qualität», zitiert die «SonntagsZeitung» den Präsidenten der Schweizer Gesellschaft für Chirurgie, Ralph Schmid. Ein deutscher Thorax-Chirurg sei in sechs Jahren ausgebildet. In der Schweiz dauere dies hingegen acht bis zehn Jahre.

Sprachkenntnisse als Problem

Die zweite Sorge gilt den Sprachkenntnissen der aus fremdsprachigen Ländern stammenden Ärzte. «Behandlungsfehler gehen immer öfter auch auf Kommunikationsprobleme zurück», sagte SP-Nationalrat Jean-François Steiert in dem Zeitungsbericht. Steiert ist Präsident der Schweizerischen Gesellschaft für Gesundheitspolitik und Vizepräsident des Dachverbandes Schweizerischer Patientenstellen. Mangels Schweizer Ärzten müssten Spitäler auf Mediziner aus dem weiter entfernten Ausland zurückgreifen, die mit keiner Landessprache vertraut seien, sagte Steiert. Ein Sprachkursobligatorium komme in Betracht.

Gesundheitspolitiker anderer Parteien äussern sich ähnlich: «Genügende Sprachkenntnisse müssen eine Voraussetzung für die Arbeit als Arzt sein, insbesondere, wenn einer eine eigene Praxis eröffnen will», sagte SVP-Nationalrat Toni Bortoluzzi. CVP-Nationalrätin Ruth Humbel sagte, perfekte Sprachkenntnisse seien entscheidend für eine genaue Diagnose, die richtige Therapie und die Qualität der Behandlung. Die Gesundheitspolitiker unterstützen laut der «SonntagsZeitung» den von den Kantonen lancierten Vorschlag, dass alle Ärzte zuerst drei Jahren in einem Spital arbeiten müssen, bevor sie eine Praxis eröffnen dürfen. (mw)

Erstellt: 21.10.2012, 07:45 Uhr

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