Zieglers Lüge und die Attacke der Israel-Lobby

Jean Ziegler hat den umstrittenen Ghadhafi-Menschenrechtspreis doch angenommen – obwohl er dies jahrelang bestritt. Das beweisen Gegner seiner Kandidatur für ein UNO-Amt mit einem Video.

«Ich habe den Preis aber sofort wieder zurückgegeben»: Jean Ziegler steht unter Beschuss. (Archiv)

«Ich habe den Preis aber sofort wieder zurückgegeben»: Jean Ziegler steht unter Beschuss. (Archiv) Bild: AFP

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Noch bis Ende Woche läuft die 24. Session des UNO-Menschenrechtsrates, in der auch sieben neue Mitglieder für dessen Beratenden Ausschuss gewählt werden sollen. Auf der Kandidatenliste steht auch der umtriebige frühere SP-Nationalrat und Soziologe Jean Ziegler. Der Bundesrat unterstützt seine Kandidatur, zum Missfallen der Aussenpolitiker im Nationalrat. Ziegler war bereits von 2008 bis 2012 Mitglied des Ausschusses.

Praktisch zeitgleich mit der Bekanntgabe von Zieglers Ambitionen begann eine Gegenkampagne aus proisraelischen Lobbyistenkreisen, angeführt von einer Organisation namens UN Watch.

Diese begründet ihre Kritik an Ziegler vor allem mit dessen Verbindungen zum ehemaligen libyschen Machthaber Muammar al-Ghadhafi und die Verwicklung in einen von Ghadhafi gestifteten Menschenrechtspreis. Ziegler hat stets bestritten, diesen Preis im Jahr 2002 entgegengenommen zu haben.

Kompromittierendes Video veröffentlicht

Im Vorfeld der Wahl stellte UN Watch Ziegler ein Ultimatum von 72 Stunden: Ziegler solle «gestehen, dass er das Schweizer Volk angelogen und getäuscht» habe. Ausserdem solle er seine Kandidatur zurückziehen, ansonsten werde kompromittierendes Videomaterial veröffentlicht.

Das hat die Organisation nun getan. Via Westschweizer Fernsehen gelangte das Video an die Öffentlichkeit, das Ziegler bei der Entgegennahme des «Ghadhafi-Preises für Menschenrechte» zeigt.

Ziegler räumt ein und wehrt ab

Ziegler räumt in dem Beitrag erstmals ein, den Preis entgegengenommen zu haben. «Ich habe ihn aber sofort innerhalb von 48 Stunden wieder zurückgegeben.» Er ist bekannt für seine laute Kritik an Israels Besatzungspolitik in den Palästinensergebieten und bezeichnet die Aktion von UN Watch als Diffamierungskampagne.

UN Watch wird von der Lobbyorganisation American Jewish Committee betrieben und hat sich schon bei Zieglers erster Kandidatur für den Sitz im Beratergremium des Menschenrechtsrates gegen den linken Soziologen gestellt. Wie sich die Veröffentlichung des Videos der Preisverleihung in Tripolis auf die Schweizer Kandidatur auswirkt, bleibt abzuwarten. Das Aussendepartement hat sich bisher nicht geäussert. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 24.09.2013, 20:02 Uhr

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