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Zürcher SVP-Politiker soll zur «Basler Zeitung»

Claudio Zanetti, ein Freund von BaZ-Chefredaktor Markus Somm, ist als Bundeshauschef vorgesehen.

Schon bald im Bundeshaus? Der Zürcher SVP-Kantonsrat Claudio Zanetti.

Schon bald im Bundeshaus? Der Zürcher SVP-Kantonsrat Claudio Zanetti. Bild: Beat Marti/Tamedia

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Nachdem bei der «Basler Zeitung» mit der Neuorganisation des Aktionariats vergangenen Dezember etwas Ruhe eingekehrt war, wächst die Nervosität derzeit wieder. Der Grund dafür ist der fixe Plan von Chefredaktor Markus Somm, den Zürcher SVP-Kantonsrat und früheren Blocher-Intimus Claudio Zanetti zum Leiter der Bundeshaus-Redaktion zu machen. Entsprechende Bestrebungen leitete Somm bereits im vergangenen Januar ein, der frisch eingesetzte CEO Filippo Leutenegger äusserte damals jedoch Bedenken.

Die Zahl der Abo-Abbestellungen schnellte jeweils nach oben, wenn Somm in seinen Kommentaren scharf gegen die Linke schoss, da fürchtete der für den Geschäftsgang verantwortliche Leutenegger den Wirbel, der bei der Einsetzung eines bekannten SVP-Politikers auf einen Schlüsselposten entstanden wäre. «Das hat Leutenegger Somm auch deutlich so gesagt», sagt ein Verlagsmitarbeiter.

Zanetti bat um Communiqué

Nun scheint sich Somm jedoch gegen Leutenegger durchgesetzt zu haben. Das Engagement Zanettis steht fest, sollte nicht noch etwas Unvorhergesehenes passieren. Dies bestätigen zwei voneinander unabhängige Quellen gegenüber dem TA. Zanetti selbst befürchtet offenkundig, dass ein frühzeitiges Bekanntwerden seiner Anstellung diese gefährden könnte.

So versuchte er am Mittwoch nach einer ersten Anfrage des TA die BaZ-Leitung telefonisch dazu zu bewegen, seine Anstellung mittels Communiqué bereits zu kommunizieren. Der Bitte wurde wegen Ferienabwesenheit von Markus Somm und Filippo Leutenegger jedoch nicht entsprochen. Gegenüber dem TA äusserte sich Markus Somm nur mit den Worten «Kein Kommentar» zur Angelegenheit. Zanetti teilte schriftlich mit, er habe zu «dieser Sache nichts zu sagen». Filippo Leutenegger war nicht erreichbar.

«CC Talk» als Verlustgeschäft

Zanettis Nervosität ist verständlich. Seit seinem Rücktritt als Geschäftsführer der Kantonalzürcher SVP im Jahr 2007 war der studierte Jurist beruflich nicht mehr fest engagiert. Seine journalistischen Versuche als Produzent der Sendung «CC Talk» auf Star TV und im Politblog Politik.ch haben ihn eher Geld gekostet, als dass er damit etwas verdient hätte, wie er unumwunden zugibt. Und es ist ein offenes Geheimnis, dass Zanetti, der sich bereits als Student journalistisch betätigte und den Nachrichtendienst Twitter rege nutzt, gerne mit einer journalistischen Tätigkeit seinen Lebensunterhalt verdienen würde.

Markus Somm ist ihm bei der Erfüllung dieses Traumes nun behilflich. Die beiden sind sich freundschaftlich verbunden. So hat Zanettis Ehefrau mit ihrer PR-Firma Somms Guisan-Biografie ins Französische übersetzt. Und Zanetti hat per Postulat im Zürcher Kantonsrat verlangt, dass die Biografie in den Lehrmittelkatalog aufgenommen wird. Allerdings erfolglos. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 27.04.2012, 08:33 Uhr

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