Hintergrund

Zuppiger heuerte in Obwalden an

Bruno Zuppiger beendet wegen der Erbschaftsaffäre und des Drucks der Zürcher SVP seine politische Karriere. Beruflich hat er dafür zwei neue Mandate angenommen – im Steuerparadies.

Bekommt es nun mit Russen zu tun: Bruno Zuppiger, der gestern nach 35 Jahren der Politik den Rücken kehrte. (Archiv, 8. Dezember 2011)

Bekommt es nun mit Russen zu tun: Bruno Zuppiger, der gestern nach 35 Jahren der Politik den Rücken kehrte. (Archiv, 8. Dezember 2011) Bild: Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Der 60-jährige Bruno Zuppiger (SVP) war ein geachteter und einflussreicher Finanz- und Sicherheitspolitiker. Der Hinwiler Nationalrat sass in wichtigen Kommissionen, und seine Partei machte ihn letztes Jahr zum Bundesratskandidaten.

Bis Zuppiger kurz vor der Wahl plötzlich als mutmasslicher Erbschleicher dastand: Die «Weltwoche» machte publik, dass sich der Treuhänder bei der Abwicklung einer Erbschaft für eine verstorbene Ex-Mitarbeiterin ein überhöhtes Honorar von 150'000 Franken ausbezahlt und rund 100'000 auf sein Privatkonto überwiesen haben soll. Die Zürcher Staatsanwaltschaft ermittelt gegen ihn wegen Veruntreuung und ungetreuer Geschäftsbesorgung.

Seither war der Gang nach Bern für Zuppiger ein Spiessrutenlauf. Sein Einfluss war weg. Im Rat und den Kommissionen stand er isoliert da. Als Präsident des Schweizerischen Gewerbeverbands musste er zurücktreten. Wie aus der Fraktion verlautet, sah sich Zuppiger zudem immer mehr als «Opfer»; es habe an der Einsicht gefehlt, dass seine Isolation in erster Linie selbst verschuldet gewesen sei.

Gleichzeitig stieg der Druck aus seiner Kantonalpartei: Präsident Alfred Heer vereinbarte mit ihm, dass er gehen muss, wenn es zu einer Anklage oder einem Strafbefehl kommt.

Toni Brunner: «Eine Belastung»

Darauf wollte es Bruno Zuppiger nicht ankommen lassen. Nur wenige Wochen bevor die Staatsanwaltschaft ihr Strafverfahren abschliessen wird, ist er gestern nach fast 13 Jahren als Nationalrat zurückgetreten – per sofort. Die Vorkommnisse hätten seiner Familie und ihm schwer zugesetzt, schrieb er am ersten Tag der Herbstsession seinen Ratskollegen. Er überrumpelte damit die eigene Partei: «Er hat uns im Vorfeld nichts angekündigt», sagt Parteipräsident Toni Brunner.

Ihrem gestrauchelten Bundesratskandidaten weint die SVP keine Träne nach. Brunner: «Die Situation seit den letzten Bundesratswahlen war nicht bloss für Bruno Zuppiger und sein Umfeld belastend, sondern auch für die Partei.» Der Abgang stelle wohl für beide Seiten eine Erleichterung dar, findet auch Alfred Heer.

Umgekehrt ging Zuppiger mit der Zürcher SVP hart ins Gericht, als er sich nach über 35 Jahren aus der Politik zurückzog. Er wirft im Rücktrittsschreiben gewissen Exponenten und der Parteispitze «mangelnde Sachlichkeit» und «fehlenden Sukkurs» vor. Anschuldigungen, die Heer umgehend zurückweist: «Wir haben ihn nicht vorverurteilt. Ich denke, unsere Vereinbarung war fair und sachlich richtig.»

«Ich stehe zu den begangenen Fehlern»

Bruno Zuppiger ist derzeit in den Ferien und war für den TA gestern nicht erreichbar. Sein Kommunikationsberater Robert Gubler liess aber durchblicken, dass sich der SVP-Politiker im laufenden Strafverfahren mindestens auf einen Strafbefehl gefasst macht. Von der Rechtslage habe er wohl festgestellt, dass die Sache nicht ohne Folgen für ihn bleiben werde.

«Ich werde die erwartete Strafe auch akzeptieren», hält auch Zuppiger selbst in seinem Rücktrittsschreiben fest. Er stehe zu seinen Fehlern und Unterlassungen. «Im Verfahren wurde jedoch auch festgestellt, dass der Fall 2010 mit einer Wiedergutmachung und einer gegenseitigen Vereinbarung abgeschlossen worden war, ohne dass Dritte zu Schaden gekommen sind.» Noch immer rätselt er auch darüber, wie diese vertraulichen Vorkommnisse überhaupt an die Öffentlichkeit gelangten.

Neue Jobs in Engelberg

Obwohl er politisch am Ende ist, muss Bruno Zuppiger nicht darben. Sprecher Robert Gubler berichtet, dass Zuppigers berufliche Situation vielversprechend aussehe. Und er bestätigt auch, dass – neben den bisherigen Mandaten bei Planzer, PGMM, der Swiss-China-Management Group und drei weiteren Firmen – zwei neue Mandate im Kanton Obwalden zu diesen guten Perspektiven beitrügen: Seit diesem Sommer amtet der 60-Jährige als Verwaltungsratspräsident der Engelberg Industrial Group und der EN Management AG, die beide in Obwalden beheimatet sind.

Die Engelberg Industrial Group AG (Aktienkapital: 500'000 Franken) gibt es erst seit März 2011. Gegründet hat sie Stav Jacobi aus Erlenbach. Der gebürtige Russe, der vor fünf Jahren an der Goldküste eingebürgert wurde, ist Präsident von Volero Zürich. Er hat den Volleyballclub innert kürzester Zeit an die nationale und internationale Spitze geführt.

Posten Anfang Juli angetreten

Beruflich hat Jacobi früher Investoren nach Russland gelotst – inzwischen verdient er sein Geld vor allem als Immobilienentwickler. Die Engelberg Industrial Group (EIG) sei eine reine Beteiligungsgesellschaft, sagt er. Was die Holding genau macht und welche Aufgaben Zuppiger dort hat, will er aber nicht sagen: «Da müssen sie ihn selbst fragen.»

Der Kanton Obwalden ist besonders für Firmen sehr steuergünstig. Laut Handelsregister hat der SVP-Politiker seinen Posten bei der Engelberger Firma Anfang Juli angetreten. Neben ihm sitzt nur noch Elitta Chayka aus Russland im Verwaltungsrat.

Das gleiche Duo führt auch die Geschicke der EN Management AG (Aktienkapital: 100'000 Franken), die an derselben Adresse gemeldet ist. Die Gesellschaft bezweckt die Erbringung von Managementdienstleistungen für Dritte. Gründer war im Dezember 2011 der Genfer Alexei Novikov, der zwischenzeitlich auch einziger Verwaltungsrat der Engelberg Industrial Group war.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 11.09.2012, 10:01 Uhr

Artikel zum Thema

Der Mann mit dem ungetrübten Sieger-Image

Hintergrund Gregor Rutz rückt für Bruno Zuppinger in den Nationalrat nach. Der Neue in Bundesbern arbeitet als PR-Fachmann für Interessengruppen – für wen, muss er nicht offenlegen. Mehr...

«Verfahren nicht ohne Folgen»

Hintergrund Der heute wegen einer Erbschaftsaffäre zurückgetretene SVP-Nationalrat Bruno Zuppiger weilt in den Ferien. An seiner Stelle gab sein Berater Robert Gubler gegenüber Tagesanzeiger.ch/Newsnet Auskunft. Mehr...

Zuppiger tritt zurück – und klagt an

Die Vorkommnisse der vergangenen Monate rund um eine Erbschaftsaffäre hätten ihm und seiner Familie stark zugesetzt, begründete der Zürcher SVP-Nationalrat seinen Schritt. Und übt auch Kritik. Mehr...

Reaktion von SVP-Präsident Toni Brunner auf Zuppigers Rücktritt

Bildstrecke

Bruno Zuppiger tritt zurück

Bruno Zuppiger tritt zurück Der Zürcher SVP-Nationalrat zieht sich per sofort aus dem Nationalrat zurück.

Blog

Blogs

Sweet Home 15 weihnächtliche Dekorationsideen

Tingler Auf dem Index

Paid Post

Mit Swissôtel das SOS-Kinderdorf unterstützen

Mit jedem Kommentar und jedem «Share» dieses Artikels wird die Spende von Swissôtel im Namen der Mamablog-Community ans SOS-Kinderdorf erhöht. Helfen Sie mit!

Die Welt in Bildern

Festival vereint die verschiedenen Kulturen des Landes: Eine Frau singt und tanzt bei einem Strassenfest in Südafrika in einem traditionellen Kleid. (14. Dezember 2018)
(Bild: Rajesh JANTILAL) Mehr...