Zuwanderung: IT-Branche schlägt Alarm

Weil seit Anfang Jahr weniger ausländische Spezialisten ins Land geholt werden dürfen, gehen der Schweiz Informatikprojekte verloren.

Es wird einsamer in Schweizer IT-Büros, wenn ausländische Spezialisten fernbleiben müssen. Foto: Gaëtan Bally (Keystone)

Es wird einsamer in Schweizer IT-Büros, wenn ausländische Spezialisten fernbleiben müssen. Foto: Gaëtan Bally (Keystone)

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Justizministerin Simonetta Sommaruga gab sich im vergangenen November keine Mühe, die Sache schönzureden: «Es wird für Unternehmen eine schwierige Situation geben. Aber es ist nur ein Vorgeschmack auf das, was von der Bevölkerung am 9. Februar entschieden worden ist», sagte sie vor Medienvertretern mit Bezug auf die Umsetzung der SVP-Masseneinwanderungsinitiative. Damals gab Sommaruga den Entscheid des Bundesrats bekannt, die Kontingente für zwei Gruppen von Zuwanderern per 2015 zu verkleinern: einerseits für Spezialisten aus Drittstaaten ausserhalb der EU, andererseits für entsandte Dienstleister aus EU-Ländern.

Das Kontingent für die entsandten EU-Dienstleister – Spezialisten, die in der Schweiz arbeiten, aber nicht hierzulande angestellt sind, fallen nicht unter das Personenfreizügigkeitsabkommen – beträgt neu noch 2000 statt 3000 pro Jahr. Lediglich die Zahl der Entsandten, die weniger als vier Monate pro Jahr in der Schweiz arbeiten, wird nicht beschränkt. Der Bund gibt je Quartal ein Viertel des Kontingents frei, also neu 500.

Weil das Kontingent für das erste Quartal des laufenden Jahres längst ausgeschöpft ist, schlägt nun der Informatik-Branchenverband Swico Alarm: «Ganze Projekt- und Entwicklerteams, die weitgehend aus Schweizern bestehen, können nicht arbeiten, weil ein entscheidender Spezialist aus dem Ausland nicht zugezogen werden kann», schreibt Swico in einem gestern veröffentlichten Communiqué. Der Engpass führe dazu, dass grosse IT-Projekte nicht in der Schweiz realisiert, sondern ins Ausland abgezogen würden.

«Es wird langsam dramatisch»

Swico-Geschäftsführer Jean-Marc Hensch sagt auf Nachfrage, ihm seien sieben bis acht konkrete Projekte zugetragen worden, die im Moment blockiert seien. Und laufend kämen neue dazu. «Für die IT-Branche wird es langsam, aber sicher dramatisch», sagt Hensch. Im besseren Fall würden die Projekte lediglich sistiert, bis das nächste Quartal anbricht, erklärt er. Doch zwei Monate seien in der IT-Welt schon eine Ewigkeit. Deshalb sei die Gefahr natürlich gross, dass Projekte abgeblasen, verkleinert oder ins Ausland verlagert würden – mit entsprechendem Wertschöpfungsverlust. Das Volumen einzelner gefährdeter Projekte beziffert Hensch auf 10 bis über 100 Millionen Franken.

Das Staatssekretariat für Migration bestätigt, dass das Kontingent für EU-Dienstleister für das erste Quartal bereits Anfang Februar ausgeschöpft war. Gleichzeitig verweist es darauf, dass es in den letzten Jahren auch mit den höheren Kontingenten zu Engpässen bei den entsandten EU-Dienstleistern gekommen sei. In der Tat zeigt ein Blick in die Statistik, dass die Kontingente jeweils ungefähr in der Mitte der Quartale, also rund zwei Wochen später als jetzt, ebenfalls bereits ausgeschöpft waren. Die Kompetenz, die Kontingente anzupassen, liegt allein beim Bundesrat.

Erstellt: 20.02.2015, 23:21 Uhr

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