Zuwanderung in die Schweiz nimmt stark ab

Die Schweiz verliert an Attraktivität. Gemäss neuen Zahlen des Bundes wollen immer mehr Menschen das Land verlassen, und immer weniger wollen hinein.

Die Debatte über den Dichtestress muss möglicherweise neu geführt werden: Passanten an der Zürcher Bahnhofstrasse. (Archivbild: Keystone)

Die Debatte über den Dichtestress muss möglicherweise neu geführt werden: Passanten an der Zürcher Bahnhofstrasse. (Archivbild: Keystone)

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Jährlich wächst die Schweiz um die Grösse der Stadt St. Gallen – das populäre Bild, mit dem Migrationskritiker jeweils die drastischen Ausmasse der Einwanderung veranschaulichen, bedarf wohl bald einer Revision. Denn St. Gallen hat gut 75'000 Einwohner, und der Wanderungssaldo wird Ende 2016 aller Voraussicht nach tiefer liegen. Das zeigen die neusten Zahlen zur Zuwanderung, die das Staatssekretariat für Migration heute veröffent­lichen wird und die dem «Tages-An­zeiger» bereits vorliegen.

Demnach sind von Januar bis Ende August 91'580 Personen in die Schweiz eingewandert – knapp 7 Prozent weniger als in der Vergleichsperiode des Vorjahrs. Zugleich nahm die Auswanderung um über 5 Prozent zu: Weit über 50'000 Personen verliessen das Land in den ersten acht Monaten des Jahres. Unter dem Strich wächst die ständige Wohnbevölkerung der Schweiz damit noch immer – doch sie tut es bedeutend langsamer als zuvor. Der Nettozuwachs durch Zuzug von aussen liegt bei exakt 36'417 Personen, also erst etwa bei einem «halben» St. Gallen. Das sind fast 20 Prozent weniger als im Vorjahr.

Auswirkung auf die MEI-Debatte

Im Zusammenhang mit der Personenfreizügigkeit ist zudem von Relevanz, dass die Einwanderung aus dem EU-Efta-Raum besonders stark abnimmt. Auch aus den Freizügigkeitsländern ziehen zwar immer noch mehr Personen zu als weg – der Wanderungssaldo liegt hier bei gut 24'000 Personen von Januar bis August. Dies freilich entspricht verglichen mit dem Vorjahr einem Rückgang von fast 23 Prozent. Auch aus den Drittstaaten kamen weniger Menschen, wenn auch die Abnahme dort etwas signifikant ist: Der Zuwanderungsschwund beträgt 11,2 Prozent.

Dass die Schweiz nicht mehr denselben Grossandrang wie vor drei oder vier Jahren verkraften muss, dürfte sich auf die Debatte um die Masseneinwanderungsinitiative auswirken. Als es letzte Woche um die Umsetzung ging, entschied sich der Nationalrat zum fast vollständigen Verzicht auf Lenkungsinstrumente. Er installierte lediglich die Option einer Stellenmeldepflicht («Inländervorrang light») im Gesetz. Der Ständerat steht nun unter dem Druck, die Vorlage zu verschärfen; die zuständige Kommission traf sich diese Woche zur ersten Sitzung. Sollten bei der Migration die bisherigen Trends bis zur Wintersession anhalten, stärkt dies die Befürworter einer legeren Regelung. Sie können sich auch auf die Initianten selber berufen. Vor der Abstimmung 2014 formulierte SVP-Fraktionschef Adrian Amstutz eine Zielgrösse von 45'000 zusätzlichen Einwohnern pro Jahr. Vor einigen Monaten korrigierte er diese Zahl allerdings auf 20'000 herunter. Das wäre dann etwa Dietikon statt St. Gallen – davon ist man noch ein Stück entfernt. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 29.09.2016, 09:04 Uhr

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