Zuwanderung verändert Sitzverteilung im Nationalrat

Drei Kantonen steht bei den nächsten Parlamentswahlen 2015 ein Sitz mehr im Nationalrat zu – drei Kantone verlieren je einen Sitz.

Proportionale Vertretung der Bevölkerung: Der Nationalrat während der Herbstsession 2012.

Proportionale Vertretung der Bevölkerung: Der Nationalrat während der Herbstsession 2012. Bild: Keystone

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Gute Nachrichten für die Kantone Zürich, Aargau und Wallis: Sie können sich bei den nächsten Parlamentswahlen, die 2015 stattfinden, auf einen zusätzlichen Sitz im Nationalrat freuen. Grund dafür sind die veränderten Bevölkerungszahlen, wie die «Limmattaler Zeitung/Nordwestschweiz» heute schreibt. Bei der Sitzzuteilung für den Nationalrat wird das sogenannte Bruchzahlverfahren angewandt (siehe Box). Gemäss diesem Verteilschlüssel stehen Zürich neu 35 Sitze, dem Aargau 16 und dem Wallis 8 Sitze in der grossen Kammer zu. Da die Anzahl der Sitze konstant bleibt, gibt es auch Verlierer: Die Kantone Bern, Solothurn und Neuenburg verlieren je einen Sitz und kommen neu auf 25, 6, und 4 Vertretungen.

In den Gewinner-Kantonen ist die Bevölkerung in den letzten Jahren besonders stark gewachsen – vor allem durch die Zuwanderung aus EU-Staaten. Für die Sitzverteilung entscheidend ist die ständige Wohnbevölkerung eines Kantons. Dazu gehören auch ausländische Staatsangehörige mit einer Aufenthalts- oder Niederlassungsbewilligung für mindestens zwölf Monate (Ausweis B oder C oder EDA-Ausweis) sowie Ausländer mit einer Kurzaufenthaltsbewilligung (Ausweis L) und Asylbewerber (Ausweis F oder N), sofern sie mindestens zwölf Monate in der Schweiz wohnhaft waren.

Doppelter Verlust für Bern

Der Bundesrat publiziert die offiziellen Wohnbevölkerungszahlen alle vier Jahre. Stichtag ist jeweils der 31. Dezember im ersten Kalenderjahr nach den Gesamterneuerungswahlen des Nationalrats. Die Zahlen des 31. Dezembers 2012 liegen laut Bundesamt für Statistik voraussichtlich Ende Februar 2013 provisorisch und im folgenden August definitiv vor.

Die Berechnungen der «Limmattaler Zeitung/Nordwestschweiz» basieren auf den provisorischen Bevölkerungszahlen vom 30. September 2012. Diese werden sich aber kaum von den definitiven Zahlen per 31. Dezember unterscheiden. Zudem sind die Bevölkerungsunterschiede zwischen den Kantonen so gross, dass kleine Veränderungen keinen Einfluss auf die Sitzverteilung im Nationalrat mehr haben.

Der Kanton Bern verlor bereits 2003 einen Sitz im Nationalrat, ebenso wie Basel-Stadt und Appenzell Ausserrhoden. Die Kantone Schwyz, Freiburg und Waadt waren damals die Profiteure.

Die Frage, welche Parteien von der Neuverteilung der Sitze am Ende profitieren werden, ist kaum zu beantworten. Eine wichtige Rolle spielen die Listenverbindungen, welche die Parteien eingehen. Doch diese sind möglicherweise 2015 gar nicht mehr erlaubt. Eine Motion der FDP-Fraktion will sie nämlich verbieten. (bh)

Erstellt: 16.01.2013, 13:55 Uhr

Drei Gewinner, drei Verlierer

So funktioniert das Verteilverfahren

Die Verteilung der 200 Nationalratssitze auf die Kantone erfolgt nach dem Bruchzahlverfahren. Dieses Verfahren teilt die Zahl der Wohnbevölkerung durch die Zahl der zu verteilenden Nationalratssitze, was für jeden Kanton einen sogenannten Hauptverteilungsquotienten ergibt. Bei diesem werden die Zahlen vor und hinter dem Komma getrennt gewertet: Die Zahl vor dem Komma bezeichnet die Zahl der Nationalratssitze, welche jedem Kanton zustehen. Da auf diese Weise nicht alle Sitze verteilt werden, erhalten jene Kantone mit den grössten Restzahlen hinter dem Komma die übrigen Sitze. Bei dieser Restverteilung werden grosse und kleine Kantone gleich behandelt.

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