Ab sofort zählt der Bund auf Cannabis

Die Hanfpflanze wird zum offiziellen Budgetposten in der Eidgenossenschaft. Für nächstes Jahr rechnet der Bund mit Einnahmen von 15 Millionen Franken.

Wachstumsmarkt: Hanfblüten warten auf die Verarbeitung zu pharmazeutischem Cannabis.

Wachstumsmarkt: Hanfblüten warten auf die Verarbeitung zu pharmazeutischem Cannabis. Bild: Keystone

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Den einen hilft es gegen Entzündungen, Übelkeit und angespannte Nerven, die anderen schätzen es schlicht als Genussmittel: In den letzten zwei Jahren verzeichnete der Handel mit legalem Cannabis weltweit eindrückliche Wachstumszahlen. Davon profitieren auch die Bundesfinanzen in der Schweiz, wie aus der neuen Hochrechnung des Jahresergebnisses 2018 hervorgeht.

Demnach dürften Ende 2018 «nicht budgetierte Einnahmen aus Verkäufen von legalem Cannabis» im Umfang von 15 Millionen Franken angefallen sein. Dies teilte das Finanzdepartement am Mittwoch mit. 2017 hatte der Bund aus den Tabaksteuern auf legale Joints laut Auskunft der Eidgenössischen Zollverwaltung noch 13 Millionen Franken eingenommen. Sollte sich die Prognose für 2018 bewahrheiten, würden die Erträge gegenüber dem Vorjahr also ansteigen.

2019 kommt «Gras» ins Budget

Damit nicht genug: Ab sofort wird die Eidgenossenschaft offiziell darauf zählen, dass ihr die aromatische Pflanze auch in den Folgejahren Einnahmen beschert. Wie Sarah Pfäffli, Sprecherin der Finanzverwaltung, auf Anfrage bestätigt, wird das Bundesbudget 2019 erstmals mit Geld aus der Besteuerung von «Gras» kalkulieren.

Der Voranschlag, der in rund zwei Wochen publiziert werden dürfte, sieht gemäss Pfäffli Einnahmen in etwa derselben Höhe wie 2018 vor: 15 Millionen Franken. Man stufe den Cannabishandel nach wie vor als Wachstumsmarkt ein, rechne aber auch mit mehr Wettbewerb und Verdrängung, sagt Pfäffli. Diese zwei Effekte führten zur Budgetierung im bisherigen Umfang.

Budgetposten Cannabis: ein Winzling

Dass der Bund bisher davon abgesehen hatte, Hanf ins Budget mit einzubeziehen, ist durch fehlende Erfahrung zu erklären. Cannabis darf in der Schweiz nur dann verkauft werden, wenn die berauschende Substanz THC in der Pflanze nicht auf einen Anteil von über 1 Prozent kommt. Gerade mal zwei Jahre ist es her, dass das Bundesamt für Gesundheit erstmals den Verkauf von THC-armen Hanfzigaretten genehmigte – wenig Zeit, um die Dynamik des Marktes zuverlässig einschätzen zu lernen.

Das wird sich in den kommenden Jahren nun ändern. Innerhalb des Voranschlags mit ordentlichen Totaleinnahmen von fast 73 Milliarden Franken (Hochrechnung 2018) ist der Budgetposten Cannabis zwar ein Winzling. Aber immerhin: Laut Zollverwaltung waren zuletzt rund 630 Hersteller registriert, und für 2018 ist mit einem Umsatz von gegen 60 Millionen Franken zu rechnen. Cannabis ist definitiv zum Wirtschaftsfaktor geworden.

Erstellt: 17.08.2018, 18:05 Uhr

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