Abgefischt heisst nicht gerettet

Weil Bäche zu warm sind, werden die Fische daraus geborgen. Ein erstaunlicher Akt der Tierliebe.

Wegen der grossen Trockenheit müssen im ganzen Kanton Zürich Bäche mit Strom abgefischt werden. Das ist nur in Notfällen erlaubt. Foto: Urs Jaudas

Wegen der grossen Trockenheit müssen im ganzen Kanton Zürich Bäche mit Strom abgefischt werden. Das ist nur in Notfällen erlaubt. Foto: Urs Jaudas

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«Abfischen». Man liest das Wort gerade häufig, und es klingt bedrohlich, wie «abschlagen» oder «abtreiben». In Wahrheit beschreibt es einen überraschenden Akt der Liebe.

Wegen der Hitze und der Dürre fliesst in vielen Schweizer Bächen zu wenig Wasser. Und selbst wenn es genug davon hat, erwärmt es sich stark. Viele Fische geraten daher in Lebensgefahr. Um sie vor dem Vertrocknen zu bewahren oder vor dem Ersticken, werden sie nun abgefischt. Spezialisten betäuben sie mit Stromschlägen, holen die Tiere mit Netzen aus dem Wasser, legen sie in gekühlte Container und setzen sie wieder aus in nahen, freundlicheren Gewässern. Ziel wäre, dass die Geretteten später von sich aus in die Heimat zurückkehren.

Das Überraschende daran ist, dass sich Menschen in praller Sonne abmühen, viele ohne Lohn, um das Leben von Tieren zu retten, zu denen sie keine persönliche Beziehung haben.

Bildstrecke: Gegen das Fischsterben

Welche Uneigennützigkeit. Und ­welche Willkür. Während man den bedrohten Forellen und Äschen Gutes tut, strecken die Hobbyfischer an den meisten Ufern der Schweiz weiter ihre Angeln ins Wasser. Gut möglich auch, dass sich einige der Fischretterinnen und Retter am Abend ein Forellenfilet gönnen. Und Säue oder Kühe werden sowieso zu Tausenden gemetzget. Unser Umgang mit Tieren lässt sich nicht leicht durchschauen.

Man kann einwenden: Das Abfischen soll Ökosysteme erhalten, ohne Fische würde den Bächen ein zentraler natürlicher Bestandteil fehlen. Das macht den Aufwand vernünftig. Aber dieses Argument hilft nicht weiter. Der moderne Mensch hat die Ökosysteme um ihn herum schon längst stark verändert. Er bestimmt, was als natürlich gilt und was nicht; er bestimmt, welches Tier Rettung verdient und welches sterben kann (oder muss). Als Massstab für Leben und Tod gelten allein menschliche Kriterien. Und die können schnell ändern.

So werden wohl manche der von Menschen geretteten Tiere ihr Leben am Angelhaken eines Menschen beenden. Gefischt, nicht abgefischt.

Erstellt: 04.08.2018, 15:57 Uhr

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