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Abt Werlen tritt ab

Einer der bekanntesten katholischen Kirchenmänner der Schweiz will wieder ins zweite Glied zurück. Martin Werlen gibt die Leitung des Klosters Einsiedeln Ende 2013 ab.

Auch in gesellschaftlichen Themen engagiert: Abt Martin Werlen an einer Medienkonferenz zu den Ladenöffnungszeiten. (8. Januar 2013)
Auch in gesellschaftlichen Themen engagiert: Abt Martin Werlen an einer Medienkonferenz zu den Ladenöffnungszeiten. (8. Januar 2013)
Keystone

Die Klöster Einsiedeln SZ und Fahr ZH müssen einen neuen Abt suchen. Die zwölfjährige Amtszeit von Martin Werlen läuft im November 2013 aus. Der heute 50-Jährige wurde bekannt als moderner Kommunikator und pointierter Kritiker der Kirche.

Werlen verbreitete seine Rücktrittsankündigung auf dem Kurznachrichtendienst Twitter bloss mit den Worten «Good news ;-)». Dazu verlinkte er eine Mitteilung des Klosters Einsiedeln.

Der Abt wolle seine Funktion bis Ende Jahr ausüben und danach in die Reihe der Mitbrüder zurückkehren, heisst es in dem Schreiben. Werlen werde sich in der Benediktinergemeinschaft dort engagieren, wo der neue Abt ihm Aufgaben anvertraue.

Der gebürtige Walliser Martin Werlen wurde am 10. November 2001 zum 58. Vorsteher des im Jahr 934 gegründeten Benediktinerklosters gewählt. Die Klostergemeinschaft hatte tags zuvor eine Amtszeitbeschränkung von 12 Jahren eingeführt.

Rücktritt im November 2013

Der Abt werde sein Rücktrittsgesuch per zweite Hälfte November 2013 beim Papst einreichen, sagte ein Sprecher des Klosters Einsiedeln.

Die Wahl des Nachfolgers durch die Klostergemeinschaft könne man erst an die Hand nehmen, nachdem der Papst den Rücktritt Werlens offiziell angenommen habe, sagte der Sprecher weiter. Die Wahl finde voraussichtlich Ende November statt. Ein Datum stehe noch nicht fest.

Als Nachfolger in Frage kommen jene der rund 60 Priester des Klosters, die mindestens 35 Jahre alt und nicht älter als 70 sind. Der neue Abt wird durch die Klostergemeinschaft in geheimer Wahl bestimmt. Der Papst muss den Gewählten bestätigen.

Amtsinhaber Martin Werlen erlangte rasch Bekanntheit, nachdem er sich mit modernen Kommunikationsmitteln wie Twitter an die Öffentlichkeit gewandt hatte. Er versuchte mit neuen Angeboten für die Kirche zu werben. So lancierte er eine Clinch-Wallfahrt für Menschen, deren Verhältnis zu Glaube und Kirche getrübt ist.

Abt mischte sich in Politik ein

Der Kirchenvertreter äusserte sich auch zum politischen Tagesgeschäft. So sprach er sich diesen Januar gegen die Lockerung der Nacht- und Sonntagsarbeit für Tankstellenshops aus und unterstützt das Referendum.

Als Abt ist Werlen direkt dem Papst unterstellt. Dennoch machte er sich einen Namen als prominenter Kritiker der Kirche. So rief er in seiner Denkschrift «Miteinander die Glut unter der Asche entdecken» im November 2012 die Kirche dazu auf, sich den Problemen zu stellen. Sonst verliere sie weiter an Glaubwürdigkeit.

Werlen hält neben dem Zölibat auch die Ehe als mögliche Lebensform für Priester für denkbar. Mit der Integration von Frauen tue sich die Kirche immer noch schwer. Sie zeige sich in der Geschlechterfrage «unbeholfen und ratlos», kritisierte Werlen.

Anteilnahme aus der Bevölkerung erhielt Werlen vor rund einem Jahr. Er erlitt bei einem Sturz mit dem Kopf gegen die Wand beim Badmintonspiel in Einsiedeln eine Hirnblutung. Danach musste er während rund zwei Monaten wieder sprechen, lesen und schreiben lernen.

SDA/rub

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