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Treffen in Bern: So war das Interview mit Abu Ramadan

Zwei Redaktion Tamedia-Journalisten trafen den Prediger aus Biel. Zwei Stunden lang stellte er sich ihren Fragen.

Er kenne seine Nachbarn in Nidau, und auch in Biel grüssten ihn viele Leute: Abu Ramadan (Bild: Ruben Wyttenbach/13 Photo)
Er kenne seine Nachbarn in Nidau, und auch in Biel grüssten ihn viele Leute: Abu Ramadan (Bild: Ruben Wyttenbach/13 Photo)

Eine Woche lang hat Abu Ramadan geschwiegen, obwohl massive Vorwürfe gegen ihn publik wurden. Der Sozialhilfebezüger aus Nidau bei Biel war gemäss eigenen Angaben tagelang von Journalisten bedrängt worden. Dann hat er sich entschieden, Redaktion Tamedia exklusiv ein Interview zu geben.

Seine deklarierte Absicht: Unwahrheiten richtigstellen. Bei den Gesprächsthemen stellte er eine Bedingung, die aus journalistischer Sicht leicht einzuhalten war: dass er sich zu allen wichtigen Anschuldigungen äussern könne. Wir wollten ihn ohnehin mit den zentralen Vorwürfen konfrontieren, die zuerst auf Redaktion Tamedia und in der TV-Sendung «Rundschau» gegen ihn erhoben worden waren: Er sei ein Hassprediger, er habe viel Sozialhilfegeld bezogen, er sei in der Schweiz nicht integriert, und er habe mit Reisen nach Libyen gegen Schweizer Asylbestimmungen verstossen.

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Am Mittwochnachmittag stellte sich der 64-Jährige in Bern rund zwei Stunden lang unseren Fragen. Der klein gewachsene frühere Spitzenfussballer und studierte Agronom reichte beim Interviewtermin dem Journalisten die Hand, der Journalistin nicht. Er hatte ein eng beschriebenes Notizheft mitgebracht.

Die Krux mit den Landessprachen

Ab den ersten Fragen bedeckten Schweissperlen das Gesicht oberhalb des imposanten Hennabarts – was aber sicher zu einem guten Teil der Hitze geschuldet war. Die Antworten gab Abu Ramadan grösstenteils auf Englisch. Zwar hatte er einen Arabisch-Deutsch-Dolmetscher gestellt, doch er griff nur bei einzelnen Antworten, bei denen er besonders präzis sein wollte, auf ihn zurück.

Video - Redaktion Tamedia-Journalist Kurt Pelda zum Fall Abu Ramadan

«Dieser Imam ist sehr schlau»: Der Tagesanzeiger.ch/Newsnet-Journalist im Interview. (Video: Lea Koch und Simon Knopf)

Energisch versuchte Abu Ramadan, den Eindruck zu zerstreuen, er sei ein Hassprediger, der auf Kosten der Steuerzahler in der Schweiz lebe. Er bestritt insbesondere, kürzlich in der Ar’Rahman-Moschee in Biel Allah angerufen zu haben, er solle Juden, Christen, Hindus, Russen und Schiiten vernichten. Das Zitat sei falsch aus dem Arabischen übersetzt worden und aus dem Zusammenhang gerissen worden. «Der Übersetzer ist ein Lügner.»

Der Libyer mit der C-Bewilligung räumte hingegen ein, dass er auch nach zwanzig Jahren in der Schweiz keine Landessprache beherrsche. Dafür sieht er aber mehr den Schweizer Staat als sich selbst verantwortlich. Ein Französischkurs, den er früher besucht habe, habe «leider» nur einmal pro Woche stattgefunden, die Lehrer hätten oft gewechselt. Auch sei ihm kein Studium an einer Schweizer Uni finanziert worden. Nun, so fand er, sei er zu alt, um noch Französisch oder Deutsch zu lernen.

Bildstrecke: Der Bieler Prediger

Hat mehrmals gegen Ungläubige und Andersdenkende gehetzt: Abu Ramadan.
Hat mehrmals gegen Ungläubige und Andersdenkende gehetzt: Abu Ramadan.
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Abu Ramadan hat hier gepredigt: Der Eingang zur Ar'Rahman-Moschee in Biel. (23. August 2017)
Abu Ramadan hat hier gepredigt: Der Eingang zur Ar'Rahman-Moschee in Biel. (23. August 2017)
Peter Klaunzer, Keystone
Ein Schriftzug in der Ar'Rahman-Moschee in Biel. (23. August 2017)
Ein Schriftzug in der Ar'Rahman-Moschee in Biel. (23. August 2017)
Peter Klaunzer, Keystone
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Trotzdem behauptete Abu Ramadan von sich: «Ich bin gut integriert.» Er kenne seine Nachbarn in Nidau, und auch in Biel grüssten ihn viele Leute. Er habe stets arbeiten wollen, doch er habe nie eine feste Stelle gefunden.

Er will in der Schweiz bleiben

Abu Ramadan gab zu, dass er in den vergangenen sechs Jahren etwa zehn- bis zwölfmal sein Herkunftsland Libyen besucht habe. Er habe nicht gewusst, dass ihm das als anerkanntem Flüchtling in der Schweiz verboten sei. Nun hat ihm das Staatssekretariat für Migration den Asylstatus aberkannt. Dagegen wehrt sich Abu Ramadan vor dem Bundesverwaltungsgericht.

Eine definitive Rückkehr nach Libyen beurteilt er als lebensgefährlich. Er sei auch in keinem anderen muslimischen Land sicher. Als Reiseleiter hat er aber gemäss eigenen Angaben «gegen zehnmal» an Pilgerreisen nach Mekka und zu anderen heiligen islamischen Stätten teilgenommen. Dabei habe er kein Geld verdient, aber die Flüge und Übernachtungen – teils in Luxushotels – bezahlt bekommen. Zu den über 600’000 Franken Sozialhilfe, die er während 13 Jahren am Wohnort Nidau bezog, äussert sich Abu Ramadan nicht im Detail. Er behauptet aber, die publizierten Zahlen seien falsch. Das Geld vom Staat sei seine Privatsache. Er habe es «rechtens beantragt und erhalten».

Lesen Sie das komplette Interview mit Abu Ramadan hier (Abo+)

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