ACS-Direktor auf Kollisionskurs

Stefan Holenstein reicht eine Reihe von Strafanzeigen ein. Derweil nähern sich die zwei verkrachten Lager im Automobil-Club an.

Wird der Automobil-Club bald wieder «in geordnete Bahnen geführt», wie Interimsdirektor Michael Gehrken angekündigt hat?

Wird der Automobil-Club bald wieder «in geordnete Bahnen geführt», wie Interimsdirektor Michael Gehrken angekündigt hat? Bild: Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Im Machtkampf im Automobil-Club der Schweiz (ACS) gibt es erstmals Zeichen der Entspannung. Am 16. September soll eine neue ACS-Delegiertenversammlung (DV) stattfinden, die unter anderem eine Präsidentenwahl durchführen soll. Das haben mehrere Kantonalsektionen beantragt oder werden entsprechende Anträge noch einreichen, wie Vertreter beider Lager bestätigen. An der DV soll die Spaltung des ACS überwunden werden.

Das Schisma begann am 23. Juni, als 13 der 19 ACS-Sektionen an einer umstrittenen DV den Berner FDP-Nationalrat Christian Wasserfallen zum neuen Zentralpräsidenten erkoren. Diese Wahl wurde vom alten Präsidenten Mathias Ammann jedoch umgehend für ungültig erklärt. Damit deutete alles darauf hin, dass schliesslich die Gerichte klären müssten, wer rechtmässiger ACS-Präsident ist (TA vom 24. 6.).

Wasserfallen dürfte künftig alleiniger Präsident sein

Das wolle er verhindern, sagt jetzt Wasserfallen: «Mein Ziel ist, die Situation auf politischem und nicht juristischem Weg zu lösen.» Darum sei er bereit, sich am 16. September erneut einer Wahl zu stellen. «Die Sektionen, die mich am 23. Juni gewählt haben, machen mit der neuen DV einen Schritt auf die alte Führungsriege zu», sagt Wasserfallen.

Mit diesem Vorgehen zeigt sich auch Michael Gehrken einverstanden. Gehrken wurde vom alten Vorstand um Ammann als Interimsdirektor eingesetzt, von Wasserfallens neuem Vorstand jedoch für abgesetzt erklärt. Er hoffe, dass der ACS am 16. September «wieder in geordnete Bahnen geführt» werde, sagt Gehrken. Aus Sicht der alten Führungsriege wird erst die neuerliche Wahl einen rechtmässigen neuen Präsidenten hervorbringen, während das Wasser­fallen-Lager sie als «Bestätigungswahl» versteht. Im Resultat läuft das auf dasselbe hinaus: Wasserfallen dürfte künftig alleiniger ACS-Präsident sein.

Entlassen oder nicht?

Weniger klar ist, wie es für Stefan Holenstein weitergeht. Der Jurist, der auch die Schweizerische Offiziersgesellschaft (SOG) präsidiert, war Direktor des ACS, wurde aber vom alten Vorstand fristlos entlassen, während Wasserfallen die Entlassung als «nichtig» bezeichnet.

Inzwischen hat Gehrken die Vorwürfe an Holenstein präzisiert: Er sei im Zuge einer internen Untersuchung (die Gehrken im Auftrag des alten Vorstands vornahm) «auf unrechtmässige BVG-Zahlungen von Herrn Dr. Stefan Holenstein zu seinen Gunsten gestossen». Der Schaden für den ACS belaufe sich auf «mindestens 48'880.25 Franken», teilte Gehrken den Sektionen am 30. Juni 2016 in einem Rundschreiben mit, das dem «Tages-Anzeiger» vorliegt.

Eine Welle von Strafanzeigen

Holensteins Kommunikationsberater Hans Klaus weist diese Vorwürfe als «haltlos und völlig konstruiert» zurück. Es handle sich um eine «bewusste Diffamierungskampagne». Holenstein habe deshalb Strafanzeigen gegen mehrere Personen der alten ACS-Führungsriege entweder bereits eingereicht, oder sie seien noch unterwegs. Bereits bekannt war, dass Holenstein gegen Ammann Strafanzeige wegen Ehrverletzung erstattet hat; nun scheint er noch weitere Personen ins Visier zu nehmen.

Wasserfallen will sich zu den Vorwürfen gegen Holenstein momentan nicht äussern. Derzeit würden «die kompletten Geschehnisse im ACS unter Leitung einer externen Stelle zusammen mit einer internen Untersuchung aufgearbeitet». Am Ende soll ein Untersuchungsbericht resultieren, der die Vorkommnisse im ACS umfassend beurteilen soll. Das schaffe intern wie extern Vertrauen, und erst dann werde man über das weitere Vorgehen entscheiden, sagt Wasserfallen. Sowohl für Holenstein wie auch für Ammann gilt bis auf weiteres die Unschuldsvermutung.

Erstellt: 14.07.2016, 22:42 Uhr

Artikel zum Thema

«Louis XIV» beim ACS

Porträt Mathias Ammann spaltet den Automobil-Club. Der Wirtschaftsanwalt nennt sich führungsstark, andere sprechen von dominant. Mehr...

Streit um die ACS-Spitze – Ex-Präsident wehrt sich

Die Sektionen des Automobilclubs haben Christian Wasserfallen zum neuen Präsidenten gewählt. Der bisherige ACS-Chef will die Wahl nicht anerkennen. Mehr...

Ein Verband, zwei Präsidenten

Der Machtkampf um das ACS-Präsidium ist um ein Kapitel reicher. Ein Teil der Sektionen hat einen neuen Präsidenten gewählt. Doch der alte hält das für ungültig. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Blog

Kommentare

Paid Post

Mehr Freizeit dank iRobot

Diese intelligenten Alleskönner übernehmen das Reinigen für Sie: gründlich, zuverlässig und vollautomatisch.

Die Welt in Bildern

Winzig: Die Hand des Babyschimpansen Quebo (geboren am 6. Oktober 2019) im Zoo Basel. (13. November 2019)
(Bild: Georgios Kefalas) Mehr...