Adam Quadroni in schweren Turbulenzen

Gegen den Mann, der den Bündner Bauskandal aufdeckte, ist in Chur ein Strafverfahren wegen angeblichen Betrugs hängig.

Ging seine Firma pleite, weil er aus dem Unterengadiner Baukartell ausgestiegen ist? Whistleblower Adam Quadroni. Foto: Gian Ehrenzeller (Keystone)

Ging seine Firma pleite, weil er aus dem Unterengadiner Baukartell ausgestiegen ist? Whistleblower Adam Quadroni. Foto: Gian Ehrenzeller (Keystone)

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Adam Quadroni, der als Whistleblower das grosse Baukartell im Engadin auffliegen liess, kommt selber unter schweren Beschuss. Sein ehemaliger Treuhänder Roger Tobler hat gegen Quadroni Strafanzeige wegen betrügerischen Konkurses und weiterer Delikte eingereicht. Tob­ler wirft Quadroni vor, ihn und einen Geschäftspartner mit kriminellen Machenschaften um über 2 Millionen Franken gebracht zu haben.

Die Strafanzeige mit diesen Vorwürfen ist fast vier Jahre alt. Sie datiert vom 29. Juli 2014, wurde aber erst gestern vom «Blick» publik gemacht. Und nicht nur die Öffentlichkeit erfuhr von diesem Verfahren bisher nichts. Auch Quadronis Anwalt zeigt sich auf Anfrage erstaunt über die Vorwürfe gegenüber seinem Mandanten. «Obwohl die Strafanzeige gegen Herrn Quadroni bereits 2014 eingereicht wurde, ist in diesem Verfahren seither nichts gegangen ausser einer ersten Befragung, der sich Herr Quadroni noch ohne Anwalt unterzog», sagt der Anwalt. «Wir kennen weder die Akten dieses Verfahrens noch die genauen Vorwürfe gegen Herrn Quadroni.» Derweil erklärt Toblers Anwalt im «Blick», er rechne damit, noch in diesem Jahr mit Quadroni vor Gericht zu stehen.

«Saubermann der Nation»

Der zuständige Bündner Staatsanwalt Bruno Ulmi bestätigt nur, dass 2014 eine Strafanzeige gegen Quadroni eingegangen sei und dass bei ihm ein Verfahren «hängig» sei. Details nennt Ulmi nicht. Er sagt auch nicht, ob er gegen Quadroni formell ein Strafverfahren eröffnet habe oder nicht. Zum impliziten Vorwurf von Quadronis Anwalt, die Staatsanwaltschaft verschleppe das Verfahren, sagt Ulmi: «Das kann ich so nicht bestätigen.»

Warum aber geht der Treuhänder ausgerechnet jetzt an die Medien, vier Jahre nach seiner Strafanzeige? Tobler ärgert sich über die wohlwollende Publizität, die Quadroni in den letzten Wochen genossen hat. «Herr Quadroni stellt sich in der Öffentlichkeit als Saubermann der Nation dar, dabei läuft gegen ihn selber ein Strafverfahren», sagt Guido Lazzarini, der Anwalt des Treuhänders. Unter anderem stossen er und sein Mandant sich an einer Spendenaktion im Internet, bei der bisher über 250'000 Franken für Quadroni zusammengekommen sind. Bestimmt ist das Geld für Quadronis Verteidigung in mehreren Rechtsverfahren. Lazzarini macht aber geltend, dass Quadroni ohnehin einen amtlichen Verteidiger habe, der vom Staat bezahlt werde.

Die Vorwürfe

Die Vorwürfe, die der ehemalige Treuhänder erhebt, wiegen schwer. Tob­ler erledigte für Quadronis Firma bereits seit Jahren die Buchhaltung, als das Unternehmen in Schieflage geriet. In dieser Situation habe er versucht, die Firma zu retten. Im November 2012 habe er 51 Prozent des Aktienkapitals der Linard Quadroni SA übernommen sowie Darlehen eingeschossen, um die nötige Liquidität der Firma zu schaffen – in der Hoffnung, sein Geld später wieder zurückzuerhalten. Dann habe er aber feststellen müssen, dass Quadroni die Zahlen seiner Liquiditätsplanung «manipuliert» habe. Er habe offene Guthaben in der Höhe von mehreren Hunderttausend Franken aufgeführt, die in Tat und Wahrheit bereits bezahlt oder sogar inexistent gewesen seien. Wegen dieser betrügerischen Angaben habe er den Wert der Firma zu hoch eingeschätzt, argumentiert der Treuhänder.

Bildstrecke: Das Bündner Baukartell

Darauf kontert Quadronis Anwalt, es sei «seltsam, dass ausgerechnet jener Mann, der seit 2004 die Buchhaltung der Linard Quadroni SA führte und die Abschlüsse erstellte, jetzt sagt, die Bilanz sei gefälscht worden. Wer, wenn nicht Quadronis Treuhänder, hätte diese Bilanz kennen sollen?», fragt der Anwalt. Ausserdem seien die Bilanzen regelmässig von einer Revisionsstelle geprüft worden.

Support vom Alt-Bundesrichter

Direkt haben die Betrugsvorwürfe mit dem Bauskandal, den Quadroni aufgedeckt hat, nichts zu tun. Für Alt-Bundesrichter Giusep Nay, der als eine Art Sprecher Quadronis fungiert, hängen die beiden Fälle aber sehr wohl zusammen. Quadronis Konkurs sei «vor allem eine klare Folge seines Ausstiegs aus dem Unterengadiner Baukartell und der ihm, nachdem er dieses aufgedeckt hat, verweigerten öffentlichen Bauaufträge», sagt Nay. Dass dabei auch Dritte zu Schaden kämen, bedauere Quadroni sehr.

Bereits gegenüber dem «Blick» hatte Nay Toblers Betrugsvorwürfe als «unhaltbar» zurückgewiesen. Darauf antwortet jetzt Toblers Anwalt Lazzarini: «Offenbar interpretieren der ehrwürdige Alt-Bundesrichter und ich die Strafakten völlig unterschiedlich.» Doch just diese Strafakten – das machen Nay und Quadronis Anwalt geltend – hätten sie bisher gar nicht einsehen können.

Erstellt: 23.05.2018, 10:01 Uhr

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