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Adrian Amstutz gewinnt um Haaresbreite

Ursula Wyss und Adrian Amstutz stellten sich heute zur Stichwahl für den Ständeratssitz im Kanton Bern. Die Entscheidung fiel knapp zu Gunsten des SVP-Vertreters.

Frischgewählter Ständerat: Adrian Amstutz nach der Verkündung des Wahlresultats.
Frischgewählter Ständerat: Adrian Amstutz nach der Verkündung des Wahlresultats.
Keystone
Erzielte vor allem in ländlichen Regionen einen hohen Stimmenanteil: Wahlsieger Adrian Amstutz im Gespräch mit Toni Brunner.
Erzielte vor allem in ländlichen Regionen einen hohen Stimmenanteil: Wahlsieger Adrian Amstutz im Gespräch mit Toni Brunner.
Aus dem Rennen: Marc Jost ist ein junger, engagierter Politiker. Weil er der EVP angehört, hatte er in der Ständeratsersatzwahl trotzdem keine Chance.
Aus dem Rennen: Marc Jost ist ein junger, engagierter Politiker. Weil er der EVP angehört, hatte er in der Ständeratsersatzwahl trotzdem keine Chance.
Valérie Chételat
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Adrian Amstutz (SVP) ist neuer Berner Ständerat. Der 57-jährige Rechtspolitiker aus dem Oberland setzte sich in der Ständerats-Ersatzwahl knapp gegen Ursula Wyss (SP) durch und bescherte der SVP einen Prestige-Erfolg zum Auftakt des Wahljahres 2011.

Im zweiten Wahlgang holte Amstutz 50,6 Prozent der Stimmen, wie die bernische Staatskanzlei am Sonntag mitteilte. Wyss musste sich mit 49,4 Prozent begnügen. Die Stimmbeteiligung lag bei unerwartet hohen 46,3 Prozent.

«Die Leute haben auch meinen Stil gewählt»

Amstutz freute sich über den knappen Sieg: «Der intensive Wahlkampf hat sich gelohnt, jede Stimme hat gezählt», sagte er vor Journalisten im Rathaus. Entscheidend sei wohl gewesen, dass er im Volk verankert sei und kein Berufspolitiker sei. Seine markanten Aussprüche hätten ihm offenkundig nicht geschadet: «Die Leute haben auch meinen Stil gewählt.»

Die unterlegene Ursula Wyss wurde von ihren Parteigenossen im Rathaus mit lang anhaltendem Applaus gefeiert. Wyss habe den Rückstand auf Amstutz im zweitem Wahlgang um 16'000 auf noch gut 3600 Stimmen verkürzt und damit viele Mitte-Stimmen geholt, sagte SP- Präsident Roland Näf. Das verdiene Anerkennung.

Die ländliche Bevölkerung verhalf Amstutz zum Sieg: Wie schon im ersten Wahlgang setzte sich der SVP-Mann zum Beispiel im Emmental, im Oberaargau und im Berner Oberland deutlich durch.

Wyss siegte dagegen in den Städten Bern und Biel und erneut auch im Berner Jura. Doch das reichte nicht ganz aus, um Amstutz noch abzufangen.

Beschwerden hängig

Die Stichwahl vom Sonntag wurde überschattet von drei Stimmrechtsbeschwerden. Auslandberner machen geltend, sie hätten das Wahlmaterial erst kurz vor der Wahl erhalten und hätten so ihre Stimme nicht fristgerecht abgeben können.

Das Verwaltungsgericht wird über die Beschwerden befinden. Der Kanton Bern zählt rund 12'500 Stimmberechtigte im Ausland.

SVP-Angriff auf Ständerat

Für die SVP Schweiz beginnt das eidgenössische Wahljahr mit der Wahl von Amstutz optimal. Die wählerstärkste Partei des Landes hat den Ständerat zu einem strategischen Ziel erklärt und will im Herbst in jedem Kanton für die kleine Kammer kandidieren.

Seit diesem Wochenende hat die SVP nun 7 der 46 Ständeratssitze. Amstutz muss sein Mandat allerdings bereits im Herbst gegen harte Konkurrenz verteidigen.

BDP-Ständerat Werner Luginbühl tritt sicher an, ebenso Nationalrat Alec von Graffenried von den Grünen. Die SP will ebenfalls wieder antreten, «am liebsten mit Ursula Wyss», wie Kantonalpräsident Näf sage. Die FDP hat sich bisher nicht in die Karten blicken lassen.

Den Sitz von Adrian Amstutz im Nationalrat erbt der 44-jährige Thomas Fuchs. Der umtriebige Stadtberner hat in den letzten Jahren im Kantonsparlament politisiert.

Wyss zeigt sich enttäuscht

Die unterlegene Berner Ständeratskandidatin Ursula Wyss (SP) hat keinen Hehl aus ihrer Enttäuschung gemacht. Zugleich freute sie sich über die «unglaubliche Mobilisierung» unter SP, Grünen und Arbeitnehmern.

Dass am Schluss nur gerade 3600 Stimmen fehlten, sei im bürgerlich dominierten Kanton ein grosser Erfolg, sagte Wyss vor Journalisten im Rathaus. Das Abstimmungsresultat sei eine Motivationsspritze für die SP im Hinblick auf die Wahlen vom Herbst.

Ob sie dannzumal wieder für den Ständerat kandidieren wird, liess Wyss offen. Das müsse sie zuerst mit ihrer Familie und mit der Partei besprechen. Sicher sei, dass die SP wieder antreten werde, denn jetzt sei der «grosse, vielfältige» Kanton Bern im Ständerat sehr einseitig vertreten.

Verweis auf Sommaruga

Dass sie den Sitz ihrer Parteigenossin Simonetta Sommaruga nicht habe halten können, sei zwar enttäuschend, räumte Wyss ein. Sie wies zugleich darauf hin, dass es Sommaruga auch erst im zweiten Anlauf in den Ständerat geschafft habe.

Wyss gratulierte im Rathaus ihrem Kontrahenten Adrian Amstutz. Die beiden hatten sich über Monate einen harten Wahlkampf geliefert. Am Sonntag waren sie sich wenigstens in einem Punkt einig: Die hohe Stimmbeteiligung sei sehr erfreulich, sagte Wyss - sie liege ganz im Interesse einer funktionierendem Demokratie, hielt Amstutz fest.

SDA/mrs/jak

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