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Aeppli hält an den C-Klassen fest – aber nur dem Frieden zuliebe

Der Bildungsrat will Einheitstests für alle Sekundarschüler. Auf ein Einheits-Schulmodell wird im Kanton Zürich aber verzichtet.

Kaum irgendwo in der Schweiz ist die Vielfalt an Schulmodellen in der Sekundarschule so gross wie im Kanton Zürich. Zugelassen sind acht Grundmodelle mit A-, B- und C-Klassen und mit Niveauunterricht in einzelnen Fächern. Dazu kommen Schulprojekte in einzelnen Schulgemeinden, in denen neue Modelle erprobt werden. Bei dieser umstrittenen Vielfalt soll es bleiben. Das hat der Bildungsrat gestern bekannt gegeben. Der Entscheid kam nach der anderthalbjährigen Grundsatzdebatte «Chance Sek» zustande, an der sich etwa 1000 Personen beteiligt hatten.

Die Debatte wurde mit dem Ziel geführt, das Image der Sekundarschule zu verbessern. Für Aussenstehende und Eltern ist es schwierig, bei den vielen Modellen den Durchblick zu behalten. Das Vertrauen in eine einst bewährte Institution sei geschwunden, beklagen Lehrpersonen und Bildungsdirektion einhellig. Kommt dazu, dass es die schwachen Schülerinnen und Schüler – vor allem die fremdsprachigen – immer schwerer haben, eine Lehrstelle zu finden. Fast jeder fünfte Schulabgänger aus einer Sek-C-Klasse ist nach den Sommerferien 2009 ohne Anschlusslösung geblieben. Auch erreichen die wenigsten C-Schüler die Lernziele der Volksschule.

Widerstand zu gross

Beim Start von «Chance Sek» hatte Bildungsdirektorin Regine Aeppli (SP) die C-Klassen als «Restschulen» bezeichnet. Und sie hatte durchblicken lassen, dass sie eine Sek ohne C-Klassen wünsche. Nun hat der Bildungsrat unter Führung von Aeppli auf deren Abschaffung verzichtet. Ein einheitliches Schulmodell (ohne C-Klassen) sei im Kanton Zürich derzeit nicht realisierbar. Aeppli bezeichnete den Widerstand aus der Lehrerschaft als zu gross. «Wir können dies nicht erzwingen.» Es würden zu viele Lehrpersonen demotiviert, was schlecht sei für die Schulqualität. Sie bezeichnete die Abschaffung als «ungeheuren Kraftakt», der am Ende zu wenig bringe.

Teilweise gestützt wird Aeppli von Bildungsforscher Urs Moser von der Uni Zürich. Die Schulstrukturen seien für den Lernerfolg der Kinder von untergeordneter Bedeutung, sagte er. Wichtiger sei, dass schwache Schüler von kompetenten Lehrpersonen mit hohen Erwartungshaltungen unterrichtet würden.

Urs Moser betonte aber auch, dass in den C-Klassen ungünstige Lernbedingungen herrschten. Zudem würden C-Schüler stigmatisiert. Mit dem C-Stempel sei es für einen Jugendlichen sehr schwer, eine Lehrstelle zu finden. Mit einem Schulmodell, das sich auf A- und B-Klassen beschränke, sei es für die schwachen Schüler einfacher, ihre Leistungspotenziale auszuschöpfen.

Neue standardisierte Tests

Auf ein Einheits-Schulmodell haben sich die Diskussionsteilnehmer bei «Chance Sek» nicht einigen können. Dafür auf eine sogenannt «inhaltliche Harmonisierung», wie Aeppli sagte. Der Bildungsrat hat folgende Entscheide gefällt, um die Sek «weiterzuentwickeln»:

Neue Kompetenzen: Künftig sollen alle Sekundarschülerinnen und -schüler nach den gleichen Massstäben beurteilt werden. Dafür soll die Bildungsdirektion in allen Fächern neue Kompetenzraster erstellen, dazu Einheitstests und neue Zeugnisse. Sie sollen für Lehrmeister leicht lesbar sein und die wahren Kompetenzen eines Jugendlichen abbilden, unabhängig davon, ob er eine A-, B- oder C-Klasse besucht.

9. Schuljahr: Das Projekt Neugestaltung des 9. Schuljahrs wird definitiv. Im letzten Schuljahr wird die Berufswahl oberste Priorität haben. Für jeden Jugendlichen wird eine individuelle Förderplanung gemacht. Sie basiert auf den Resultaten des Stellwerktests, den alle Schüler nach der zweiten Sek absolvieren. Weiter schreiben alle 3. Sekschüler eine Abschlussarbeit.

Übertritt: Auch im Laufe der sechsten Klasse soll ein standardisierter Leistungstest eingeführt werden. Dessen Resultate sollen die Primarlehrpersonen beim Entscheid unterstützen, in welche Abteilung (A, B oder C) sie die Kinder in der Sekundarschule einteilen sollen. Mit dieser Massnahme entspreche der Bildungsrat einem Wunsch aus der Lehrerschaft, sagte Aeppli.

Lieber abgeschafft

Die Bildungsdirektorin zeigte sich überzeugt, mit diesen Massnahmen die Sekundarschule als Alternative zum Gymnasium zu stärken. Sie betonte aber auch, dass das Problem mit den schwachen Schülern in der Sek noch nicht gelöst sei, und sie liess durchblicken, dass der Verzicht auf die Abschaffung der Sek C womöglich nicht definitiv ist.

Der Lehrervertreter im Bildungsrat, Hans-Peter Amstutz (EVP), zeigte sich äusserst befriedigt. Amstutz, der sich stets vehement für den Erhalt der Sek C einsetzte, bezeichnete den eingeschlagenen Weg als «interessant». Er lobte die Dialogbereitschaft der Bildungsdirektorin. Bildungsrätin Kitty Cassée, Soziologieprofessorin, verhehlte nicht, dass sie die Sek C lieber abgeschafft hätte. Wenigstens bleibe der Weg frei für weitere konstruktive Gespräche.

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