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Ärzte haben weniger Zeit für ihre Patienten

Die Einführung der Fallpauschale 2012 sollte Ärzten mehr Zeit für ihre Patienten schaffen. Ziel erreicht? Nein, ergibt eine Studie der Uni Zürich.

Seit drei Jahren wird in der Schweiz jeder Spitalaufenthalt anhand bestimmter Kriterien einer Fallgruppe zugeordnet und pauschal vergütet: Ein Arzt untersucht einen Patienten. (28. März 2014)
Seit drei Jahren wird in der Schweiz jeder Spitalaufenthalt anhand bestimmter Kriterien einer Fallgruppe zugeordnet und pauschal vergütet: Ein Arzt untersucht einen Patienten. (28. März 2014)
Christian Beutler, Keystone

Seit 2012 werden die Schweizer Spitäler über Fallpauschalen finanziert. Zwei der Ziele, effizientere Prozesse und mehr Zeit für den Patienten, wurden damit aus Sicht der Ärzte nicht erreicht, wie eine Studie des Instituts für Biomedizinische Ethik und Medizingeschichte der Universität Zürich zeigt. Das Institut hatte 2013 schweizweit Ärztinnen und Ärzte befragt, wie sie seit der Einführung der Fallpauschalen die Patientenversorgung sowie ihre tägliche Arbeit im Spital einschätzen. Über 90 Prozent der 382 Befragten beurteilten die Qualität der Patientenversorgung zwar als gut oder sehr gut und rund 80 Prozent waren mit ihrem Job zufrieden.

Hingegen gab die Mehrheit der Befragten an, dass sie sich bei medizinischen Entscheidungen tendenziell mehr von den finanziellen Interessen ihrer Spitäler beeinflussen liessen, als sie es mit Blick auf das Patientenwohl wollten. Auch hätten die Fallpauschalen zu Fehlentwicklungen geführt, wie es in einer Mitteilung des Instituts für Biomedizinische Ethik und Medizingeschichte der Universität Zürich heisst.

Genannt wurden etwa frühe Entlassungen, die Aufteilung der medizinischen Behandlungen auf zwei Aufenthalte, obwohl einer ausreichend wäre oder die bevorzugte Behandlung von Patienten mit lohnenswerten Fallpauschalen. Jeder fünfte Studienteilnehmer gab an, dass er seit Einführung der Fallpauschalen weniger Zeit für Kontakte und Gespräche mit Patienten und Angehörigen aufgewendet habe. Jeder vierte stellte fest, dass sich die patientenorientierte Versorgung im Vergleich zu früher verschlechtert habe.

Auswirkungen langfristig untersuchen

Fehlentwicklungen durch Fallpauschalen bewegten sich noch in einem «moderaten Mass», wird Projektmitarbeiterin Margrit Fässler, in der Mitteilung zitiert. Allerdings sei unklar, wie sich das in Zukunft entwickeln werde. Für die Instituts-Direktorin und Leiterin des Gesamtprojektes Nikola Biller-Andorno wäre es deshalb sinnvoll, die Auswirkungen der Spitalreform langfristig zu untersuchen. Nur regelmässige Ärztebefragungen könnten bestimmte Fehlentwicklungen aufdecken. Überbehandlungen oder ökonomischer Druck auf die medizinische Behandlung liessen sich nur schwer durch andere Erhebungen nachweisen.

Seit drei Jahren wird in der Schweiz jeder Spitalaufenthalt anhand bestimmter Kriterien einer Fallgruppe zugeordnet und pauschal vergütet. Die Fallpauschalen wurden eingeführt, um die Kosten für medizinische Leistungen in den Spitälern zu senken und vergleichbar und transparent zu machen. Sie sollten dem medizinischen Fachpersonal helfen, seine Arbeit möglichst effizient zu erledigen.

SDA/thu

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