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Ärzte verteidigen Impfboykott: «Wir lassen uns nicht erpressen»

Trotz Protesten hält die Ärztegesellschaft an ihrem Boykott gegen die Gebärmutterkrebs-Impfungen fest. Präsident Hansueli Späth nennt die Gründe gegenüber Redaktion Tamedia.

Die Hausärzte sollen pro HPV-Impfung 15 bis 18 Franken erhalten. Reicht das wirklich nur «zum Händeschütteln und zur Aufklärung, dass es weh tun könnte», wie Sie gegenüber Radio DRS sagten? Zugegeben, das war provokativ. 15 Franken entschädigen gemäss Tarmed gerade fünf Minuten Arztbesuch, da liegt keine Beratung oder Nachbesprechung mit der Patientin drin. Wir wollen für unsere Arbeit aber endlich wertgeschätzt und gerecht entschädigt werden – natürlich geht es auch ums Geld, um eine gerechte Entlöhnung unserer Arbeit. Heute macht die Politik mit den Hausärzten, was sie will, doch wir lassen uns nicht erpressen, auch wenn die Willkür auf uns niederprasselt. Wir haben nichts gegen diese Impfung, aber nicht unter diesen Bedingungen.

Wie viel wollen Sie für die Impfung? Der Kanton Solothurn zum Beispiel schert aus und zahlt den Hausärzten 37 Franken. Damit könnten wir wohl leben.

40 Franken ergeben etwas mehr als zehn Minuten. Das ist nicht viel mehr. Doch. Heute führen wir die Gespräche vor und nach der Impfung gratis. Mit zehn bezahlten Minuten könnten wir unsere Sorgfaltspflicht vermehrt ausüben und die Patientinnen über die Impfung aufklären. Fünf Minuten reichen nur für eine «Massenabfertigung».

Braucht es diese Gespräche? Bei der Impfung gegen Gebärmutterkrebs ist es wichtig, dass eine junge Frau noch keinen Geschlechtsverkehr hatte, da sonst die Impfung wenig Sinn macht. Zudem muss sie der Arzt darauf hinweisen, weiterhin regelmässig zur gynäkologischen Untersuchung zu gehen. Die Impfung macht diese nicht überflüssig. Das alles sind Informationen, die wir den Patientinnen mitteilen müssen, wenn wir unsere Arbeit korrekt ausüben wollen.

Werden nun reihenweise Hausärzte bankrott gehen? Wir laufen wirtschaftlich tatsächlich am Anschlag. Die Hausärzte können zwar von ihrem Beruf leben, doch bei Sparrunden zum Beispiel im Labor oder den Tarifen triffts immer uns.

Warum wehren Sie sich gerade gegen diese Impfung? Andere Impfungen, wie zum Beispiel die Starrkrampf-Impfung übernimmt die Grundversicherung. Bei der HPV-Impfung handelt es sich jedoch um eine sehr teure Impfung. Normalerweise sollte das kantonale Programm als Reihenimpfung in Schulen durchgeführt werden. Die Konferenz der Gesundheitsdirektoren (GDK) hat beschlossen, dass die Hausärzte zu den gleichen Bedingungen impfen müssen, wie die Schulärzte. Es dürfen also keine zusätzlichen Leistungen verrechnet werden, auch wenn die Impfung in einer ganz normalen Konsultation stattfindet.

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