AHV-Fonds auf der Suche nach Rendite

Um nicht in die roten Zahlen zu rutschen, ist die AHV auf gute Anlagemöglichkeiten angewiesen. Doch das Umfeld ist aus mehreren Gründen ungünstig.

Damit auch künftige Generationen die Zeit nach der Pensionierung geniessen können, muss die Altersreform rasch in Kraft treten. Foto: Getty Images

Damit auch künftige Generationen die Zeit nach der Pensionierung geniessen können, muss die Altersreform rasch in Kraft treten. Foto: Getty Images

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Als das Bundesamt für Sozialversicherungen (BSV) im vergangenen Jahr die AHV-Rechnung präsentierte, gingen die Alarmglocken los. Zum ersten Mal seit 1999 war das Umlageergebnis negativ, die AHV gab mehr aus, als sie einnahm. Und das nicht zu knapp: 320 Millionen Franken betrug das Defizit. Dass das Kapital der AHV nicht schmolz, sondern sogar um 1,5 Milliarden Franken zunahm, war einzig dem positiven Anlageergebnis zuzuschreiben: Mit einer Rendite von 2 Milliarden Franken machte der Ausgleichsfonds das schlechte Umlageergebnis mehr als wett. An den negativen Umlageergebnissen wird sich indes in absehbarer Zeit nichts ändern. Wegen der schwächelnden Wirtschaft und dem gewollten Rückgang der Zuwanderung lässt sich das Demografieproblem der AHV nicht mehr überdecken. Dadurch rückt die Rendite des AHV-Fonds stärker in den Fokus. «Ein gutes Anlageergebnis entlastet die AHV und verschafft Zeit für Reformen», sagt BSV-Kommunikationschef Rolf Camenzind.

Allerdings: 2015 war ein schlechtes Jahr für den Ausgleichsfonds von AHV, Invalidenversicherung und Erwerbs­ersatz­ordnung, der von Compenswiss verwaltet wird und dessen Vermögen sich auf rund 33 Milliarden Franken beläuft. Der Fonds verdiente mit seinen Anlagen kein Geld: Die Rendite lag bei –0,77 Prozent und es resultierte ein ­Minus von 304 Millionen Franken. Der Verlust hat vor allem drei Gründe: das negative Zinsumfeld, die rückläufigen Aktienmärkte und die hohen Kosten von 200 Millionen Franken zur Absicherung der Fremdwährungsrisiken.

Von rentablen Investitionsmöglichkeiten wie beispielsweise im Schweizer Immobilienmarkt konnte der Fonds nicht profitieren. Gern würde man mehr diversifizieren, sagt der abtretende Verwaltungsratspräsident Marco Netzer. Doch da das Vermögen des Ausgleichsfonds aufgrund der alternden Bevölkerung in den nächsten Jahren stark schrumpfen werde – Netzer spricht von 10 Milliarden in acht Jahren –, sei man gezwungen, in sehr liquide Anlagen zu investieren. Das Geld muss schnell verfügbar sein. «Um die Anlagepolitik zu ändern, muss zuerst das Umlageergebnis der AHV ins Lot gebracht werden», sagt Netzer. Solange die Altersreform 2020 nicht beschlossen ist, sind die Anlagemöglichkeiten des Ausgleichsfonds eingeschränkt. Netzer rechnet auch 2016 mit einem schwierigen Jahr. Allerdings unterstreicht er, dass das Anlageergebnis in den letzten sieben Jahren 8 Milliarden Franken zur Finanzierung der AHV beigesteuert hat.

Rasche Reform nötig

Beim BSV will man das negative Anlageresultat aus diesen Gründen nicht über­bewerten. 2014 war der Gewinn höher als prognostiziert, nun sei er tiefer als angenommen (das BSV rechnete mit ­einem Plus von 384 Millionen Franken). «Im Durchschnitt gibt es kein ­Problem», sagt Camenzind. Im Gegensatz zum Umlageergebnis, bei dem der Trend ­negativ sei.

Martin Kaiser, beim Arbeit­geber­verband verantwortlich für die Sozialpolitik, rechnet damit, dass das Umlageergebnis 2015 deutlich negativer aus­fallen wird als im Vorjahr. «Das negative Anlageresultat verdeutlicht, dass die Alters­reform rasch in Kraft treten muss, um die Renten zu sichern.» Jeglicher Ausbau der AHV wäre utopisch und ein finanzielles Abenteuer. Kaiser betont aber auch , dass das Vorzeichen bei der Rendite schnell wieder ändern kann. Der Schweizerische Gewerkschaftsbund (SGB) wiederum war gestern für das Umlageverfahren: «Das Finanzierungs­modell der AHV ist gerade in Zeiten hart­näckiger Tiefzinsen und grosser Turbulenzen auf den Finanzmärkten dem Kapital­deckungs­verfahren deutlich über­legen.» Das Problem der Alterung soll durch die Erhöhung der Mehrwertsteuer um 1 Prozent gelöst werden. Beim Arbeitgeberverband hält man indes wenig davon, die erste und die zweite Säule gegen­einander auszuspielen.

Wie es um das Umlageverfahren steht, wird die AHV-Rechnung zeigen, die Ende März präsentiert wird. Was man heute weiss: Das Kapital der AHV ist 2015 geschrumpft. Das Anlage­ergebnis wird das strukturelle Defizit dieses Mal nicht überdecken.

Erstellt: 11.02.2016, 21:55 Uhr

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