«Nährboden für Radikalisierung»

Das Verteilen von Gratiskoranen ist einigen Zürcher Behörden ein Dorn im Auge. Alle Versuche, der Aktion «Lies» einen Riegel vorzuschieben, sind bislang jedoch gescheitert.

Umstrittene Aktion: Ein Vertreter der Aktion «Lies» überreicht einer Passantin einen Koran. (Archivbild)

Umstrittene Aktion: Ein Vertreter der Aktion «Lies» überreicht einer Passantin einen Koran. (Archivbild) Bild: Mario Vedder/Keystone

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25 Millionen Korane sollen im Rahmen der Aktion «Lies» in ganz Europa verteilt werden. Junge, bärtige Männer vertreten die Gruppierung. An Informationsständen verteilen sie die heilige Schrift des Islam.

Wiederholt wurde den Aktivisten vorgeworfen, sie würden junge Muslime zum Jihad verleiten, wie die NZZ schreibt. Die Tätigkeit als «Lies»-Standbetreiber sei der Anfang einer Laufbahn in militanten, islamistischen Kreisen, so die Befürchtungen.

Winterthur prüfte zweimal ein Verbot

Die Aktivisten sind laut Bericht regelmässig in Zürich, Winterthur und anderen Städten unterwegs. Ganz zum Unmut einiger Behörden, denen es bislang jedoch nicht gelungen ist, der Aktion «Lies» den Riegel zuschieben. In Winterthur sei im Juni bereits zum zweiten Mal ein Verbot geprüft worden – jedoch ohne Erfolg.

«Es gibt keine hinreichenden Belege dafür, dass an den Standaktionen für kriminelle Handlungen geworben oder dazu angestiftet worden ist», sagt Daniel Beckmann, Leiter des Rechtsdiensts der Winterthurer Stadtpolizei, auf Anfrage der NZZ. Deshalb seien weitere Koran-Verteil-Aktionen im Oktober und November bewilligt worden.

Kein Handlungsbedarf

Auch in Zürich kommen die Kritiker der Aktion nicht weiter, wie die Zeitung schreibt. Auf eine Anfrage der beiden SVP-Politiker Roland Scheck und Samuel Balsiger reagierte der Stadtrat im Juni 2015 abweisend: Solange die öffentliche Sicherheit gewährleistet sei, sehe man keinen Handlungsbedarf.

Saïda Keller-Messahli, Präsidentin des Forums für einen Fortschrittlichen Islam, kann die Untätigkeit der Schweizer Justiz nicht nachvollziehen. Es sei erwiesen, dass junge Muslime aus der Schweiz und Deutschland nach Syrien gereist seien, nachdem sie an den Standaktionen von «Lies» beteiligt gewesen seien. «Die Aktion bietet einen Nährboden für die Radikalisierung», sagt Keller-Messahli zur NZZ. (kat)

Erstellt: 30.09.2016, 12:36 Uhr

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