Alle Achtung vor der Klimajugend

Die Jugend befindet sich im Klimastreik. Sie zu belächeln, ist nicht angebracht.

Mehrere Tausend Schüler sind in Zürich, Lausanne, Bern, Luzern, Biel und weiteren Städten auf die Strasse gegangen. Video: SDA

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Es begann mit einem schwedischen Mädchen, erfasste Australien, kam in die Schweiz, nach Zürich, schwappte nach Bern, Basel, in die Romandie, breitete sich in Deutschland, Belgien, Irland und Österreich aus. Alleine in der Schweiz streikten gestern laut den Organisatoren 22'000 Jugendliche.

Man könnte sie belächeln, man könnte sie niedlich finden. Doch Erwachsene, die an so einem jugendlichen Streikzug vorbeigehen, empfinden vor allem eines: Scham. Denn die Zukunft gehört diesen Jugendlichen tatsächlich. Und sie fühlen sich verraten. «Die Ozeane heben sich, und jetzt erheben wir uns», rufen die Schülerinnen den Politikern zu. Sie sind frustriert. Von der Politik, von den Erwachsenen, von der Untätigkeit vieler in Klimafragen.

Nur noch 12 Jahre, um irreversible Schäden zu verhinden

Wie diese Bewegung entstanden ist, welche Kraft sie innerhalb kürzester Zeit entwickelt hat, ist beeindruckend. Die Klimaschüler sind technisch versiert, mehrsprachig und international. Sie organisieren sich blitzschnell und intuitiv, angetrieben von einer eigenen inneren Dringlichkeit, von der Verbände bei ihren Mitgliedern nur träumen können. Die Streikenden pflegen eine disziplinierte Sprache, agieren basisdemokratisch, verzichten auf jegliche Art von Hierarchie und bündeln mit ihrer Bewegung ein dichtes und tiefes Wissen über das, was mit dem Klima passiert.

Sie kennen den aktuellsten Bericht des Weltklimarats. Sie wissen, dass nur noch 12 Jahre übrig bleiben, um eine Erderwärmung um 1,5 Grad und damit irreversible ökologische Schäden zu verhindern. Wenn der Nationalrat dann kurz darauf das neue CO2-Gesetz ablehnt, mit dem die Schweiz endlich ihren Verpflichtungen aus dem Klimaabkommen von Paris nachkommen will, verstehen sie die Welt nicht mehr.

Die Streiks sind der Beweis, dass hier eine Generation heranwächst, die Politik neu versteht, eine Generation, die handelt. Eine Generation auch, die anders politisiert wird als Generationen vor ihr. Das ist die Klimajugend. Es ist es wert, ihr zuzuhören.

Erstellt: 18.01.2019, 20:09 Uhr

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