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Denn Sie überholen mit Abstand am besten

Wer einen Velofahrer überholt, soll mindestens 1,5 Meter Abstand halten – das verlangt Pro Velo. In Bern kommt die Idee gut an, doch Zürich ist skeptisch.

In den Städten ist der Platz für Velofahrer oft knapp. Pro Velo will deshalb beim Überholen von Radfahrern einen Mindestabstand festlegen.
In den Städten ist der Platz für Velofahrer oft knapp. Pro Velo will deshalb beim Überholen von Radfahrern einen Mindestabstand festlegen.
Christian Beutler, Keystone

Der Strassenverkehr ist in den letzten Jahren sicherer geworden – zumindest für Autofahrer: Die Anzahl Unfälle mit Schwerverletzten geht seit Jahren zurück. Weniger gut sieht es bei den Velofahrern aus: Dort verharren die Unfälle seit zehn Jahren auf dem gleichen Niveau, wie Zahlen der Beratungsstelle für Unfallverhütung (Bfu) zeigen. Insgesamt wurden auf Schweizer Strassen letztes Jahr 854 Velofahrer schwer verletzt, 24 verloren ihr Leben.

Keine ermutigenden Zahlen für jene, die den Veloverkehr fördern wollen. Der Verein Pro Velo will deshalb mit einer gesetzlichen Regel das Velofahren zumindest ein bisschen sicherer machen: Der Dachverband fordert, dass andere Verkehrsteilnehmer zu den Velofahrern mindestens 1,5 Meter Abstand halten müssen, wenn sie diese überholen. Heute verlange das Gesetz beim Überholen lediglich «genügend Abstand».

Jeder zehnte Unfall passiert beim Überholen

«Die Massnahme ist nicht gegen die Autofahrer gerichtet, im Gegenteil», sagt Matthias Aebischer, SP-Nationalrat und Präsident von Pro Velo. «Wenn klare Regeln herrschen, ist allen gedient.» Eine entsprechende Motion im Parlament ist in Vorbereitung.

Vielen Autofahrern sei wohl gar nicht bewusst, wie unangenehm es für Velofahrer sei, wenn sie mit nur knappem Abstand überholt würden, fügt Aebischer an. «Doch rund 10 Prozent aller Unfälle passieren beim Überholen.» Andere europäische Länder würden deshalb bereits gesetzliche Regelungen kennen. In Frankreich etwa gelte innerorts ein Mindestabstand von 1 Meter, ausserorts einer von 1,5 Metern. In Spanien oder Grossbritannien müssten Autos zum Überholen auf die andere Fahrspur wechseln.

Doppelt so viele Velofahrer

Neben der Sicherheit geht es Aebischer auch um die Gesundheit. Als Präsident von Pro Velo sei es sein Ziel, den Anteil Velofahrer in der Schweiz zu verdoppeln. Im Moment liegt er bei 8 Prozent, während in Deutschland 12 Prozent regelmässig Velo fahren und in Holland gar 38 Prozent. «Das kann nur klappen, wenn Velofahren sicherer wird.»

Doch wie kommt der Vorschlag von Pro Velo bei jenen an, die davon in erster Linie betroffen sind – also den Städten? Der Leiter der Stadtberner Verkehrsplanung, Karl Vogel, begrüsst die Idee. «Ich halte das für eine gute Sache: Künftig wissen Autofahrer, dass sie mit dem Überholen warten müssen, bis die Gegenspur frei ist.» In Bern verfolge man ohnehin die Strategie, auf vielbefahrenen Strassen beidseitig Velostreifen zu markieren – mit einer Breite von 2,5 Metern und idealerweise baulich abgetrennt, etwa durch eine Erhöhung.

Weniger Autos in Bern

Skeptischer ist dagegen der Zürcher FDP-Stadtrat Filippo Leutenegger, Vorsteher des Tiefbauamts. «Die Forderung ist zwar nachvollziehbar», sagt Leutenegger, «aber alle Verkehrsteilnehmenden verlangen nach mehr Platz im Strassenraum.» Dieser sei jedoch begrenzt.

In Bern sieht man den mangelnden Platz dagegen nicht als Problem. «In der Stadt hat der Autoverkehr insgesamt abgenommen», sagt Verkehrsplaner Vogel. «Das erlaubt es uns, auf bestimmten Strecken beispielsweise Auto und Tram wieder zusammenzuführen, womit wiederum Platz für getrennte Velowege frei wird.»

Bürgerliche sind kritisch

Politisch dürfte die Umsetzung der geplanten Motion nicht ganz einfach werden. Ohne die Unterstützung der Bürgerlichen bleibt das Anliegen chancenlos, doch sind diese kritisch. So befürwortet die Walliser CVP-Nationalrätin Viola Amherd die Sensibilisierung von Autofahrern, etwa im Rahmen der Ausbildung von Lernfahrern. «Eine gesetzliche Regelung braucht es aber nicht», sagt Amherd. «Zumal sich eine solche kaum kontrollieren lässt.»

Deutlich schärfere Worte wählt SVP-Nationalrat Thomas Hurter. Er halte nicht viel von dieser Forderung, sagt er. «Pro Velo würde sich besser darum kümmern, die Verkehrssicherheit mit anderen Massnahmen zu erhöhen – zum Beispiel, indem sich seine Mitglieder an die Verkehrsregeln halten oder tagsüber mit Licht fahren.» Ein grosses Problem seien auch die E-Bike-Fahrer, die viele Unfälle verursachten. «Darüber hinaus können Velofahrer schon heute auf eine gute Infrastruktur zählen, da Kantone und Gemeinden überall Velowege bauen.»

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