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Alles andere als ein easy Job

Auf Joël Mesot, den neuen Präsidenten der ETH Zürich, warten 500 kleine Könige und grosse Herausforderungen.

Aus der Aussenperspektive scheint die ETH Zürich prächtig in Form. Seit Jahren belegt die Hochschule in allen massgeblichen internationalen Universitäts-Rankings Spitzenränge, in Kontinentaleuropa ist sie gar unangefochten die Nummer eins. Und auch für Studierende ist die ETH äusserst attraktiv, letztes Jahr lernten hier erstmals über 20'000 junge Menschen.

Alles in Butter, könnte man meinen, ein easy Job für den neu gewählten ETH-Präsidenten, den Physiker Joël Mesot. Weit gefehlt. Unter der Ober­fläche brodelt es an der ETH, die Unzufriedenheit vieler Professoren und Mitarbeiter ist gross. Der Missmut richtet sich dabei meist gegen die veralteten Strukturen, die dem rasanten Wachstum der Hochschule nie angepasst wurden. So walten die über 500 Professoren noch heute zum Teil wie kleine Könige, oft gegen- statt miteinander.

Das zeigt sich etwa bei der Doktorats-Ausbildung. Während die meisten Top-Hochschulen schon lange auf fächerübergreifende «Graduate Schools» setzen, sind Doktorierende an der ETH in der Regel nach alter Tradition einem Professor oder einer Professorin zugeteilt – und diesen zum Teil auch ausgeliefert, wie letztes Jahr mehrere Mobbing-Fälle zeigten. Einzig die «Life Sciences» und die Mathematik bieten heute an der ETH Graduate Schools an.

Die Doktorats-Ausbildung ist aber nur eine der Baustellen, die auf Joël Mesot warten. Eine andere ist die oft bemängelte fehlende Leadership-Rolle der ETH in der Öffentlichkeit bei aktuellen gesellschaftlichen Fragen wie der Energiewende, der künftigen Mobilität oder dem Klimawandel. Und dann gibts auch noch den schier ewigen Konflikt zwischen der ETH Zürich und der EPF Lausanne, der sich vor allem um die Verteilung von Forschungsgeldern dreht. Zwischen Lino Guzzella, dem abtretenden ETHZ-Präsidenten, und Martin Vetterli, dem Präsidenten der EPFL, herrschte diesbezüglich quasi Eiszeit. Das zumindest könnte sich rasch ändern. Vetterli gratulierte auf Twitter seinem «Kollegen und Freund» Joël Mesot jedenfalls «von Herzen kommend» zur Wahl.

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