Alt-Bundesrat Egli war Mitglied einer Geheimorganisation

Alphons Egli ist am 5. August dieses Jahres gestorben. Erst in einer Todesanzeige wird endgültig klar: Er engagierte sich in der Vorgängerorganisation der P 26.

Trug den Decknamen «Blasius»: Bundesrat Alphons Egli (r.) mit CVP-Generalsekretär Hanspeter Fagagnini im Hintergrund in Muttenz. (5. Februar 1983)

Trug den Decknamen «Blasius»: Bundesrat Alphons Egli (r.) mit CVP-Generalsekretär Hanspeter Fagagnini im Hintergrund in Muttenz. (5. Februar 1983) Bild: Str/Keystone

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Der im August verstorbene Alt-CVP-Bundesrat Alphons Egli diente im Kalten Krieg der geheimen Vorläuferorganisation der P 26. Unter dem Decknamen «Blasius» beurteilte er die Neukonzeption und leistete einen Beitrag zur Weiterentwicklung des Widerstands für den Notfall.

Dies geht aus einer Todesanzeige der «Ehemaligenvereinigung der Kaderorganisation für den Widerstand im feindbesetzten Gebiet C 717» und der militärhistorischen Gesellschaft des Kantons Zürich hervor. Die Anzeige erschien am Samstag in der «Neuen Luzerner Zeitung».

Vermutung bestätigt

Eglis Tochter Franziska Peyer-Egli bestätigte auf Anfrage der Nachrichtenagentur SDA, dass sich ihr Vater in einer geheimen Kaderorganisation engagiert hatte. Man habe aber zu Hause nicht darüber gesprochen.

Eglis Tätigkeit in einer geheimen Widerstandsorganisation war vermutet worden. So nannte im vergangenen Jahr der ehemalige Waadtländer Militärkader Alfred Segessenmann gegenüber dem «Boten der Urschweiz» Alphons Egli als P-26-Mitglied.

1971 beigetreten

Gemäss Anzeige wurde Egli am 1. Januar 1971 als Major in die P-26-Vorgängerorganisation UNA aufgenommen. Damals gehörte der Anwalt dem Luzerner Kantonsparlament an. Egli erhielt den Decknamen «Blasius» und eine nachrichtendienstliche Grundausbildung. Später wurde er zum Oberstleutnant befördert.

Zusammen mit dem ehemaligen Urner CVP-Ständerat Franz Muheim (1923–2009) beurteilte Egli die Neukonzeption der damaligen Widerstandsvorbereitungen aus rechtlicher und politischer Sicht. Damit habe er einen massgeblichen Beitrag für die Weiterentwicklung der Organisation in den Jahren 1976 bis 1990 geleistet, schreibt die Ehemaligenvereinigung.

Heinrich Eichenberger von der Ehemaligenvereinigung erklärte auf Anfrage, dass sich Egli nicht direkt für die P 26 engagiert hatte. Egli liess sich zwei Jahre nach seiner Wahl in den Ständerat 1975 vom Dienst dispensieren. Die P 26 wurde danach aufgebaut. Nach seiner vierjährigen Zeit als Bundesrat wurde Egli Ende 1989 aus der Wehrpflicht entlassen.

Nach Fichenaffäre aufgeflogen

Das «Projekt 26» war eine während des Kalten Krieges ab 1979 aufgebaute geheime Kaderorganisation, die im Fall einer feindlichen Besetzung der Schweiz Widerstand aufbauen und leisten sollte. Bestrebungen dazu gab es bereits seit dem Zweiten Weltkrieg.

Die P 26 wurde Nachfolgerin des Spezialdienstes in der Untergruppe Nachrichtendienst und Abwehr (UNA). 1990 flog die Geheimorganisation in der Folge der Fichenaffäre auf und wurde vom Bundesrat aufgelöst.

Noch lange unter Verschluss

Finanziert wurde die von Armee und Verwaltung unabhängige P 26 aus verschiedenen Quellen – jedoch ausschliesslich aus Kreditrubriken des damaligen Eidgenössischen Militärdepartements. Bei der Auflösung hatte sie 400 Mitglieder, der Sollbestand betrug 800 Personen. Sie verfügte auch über Waffen.

Die Auflösung der P 26 bedeutete nicht die vollständige Offenlegung: 2009 entband der Bundesrat die Veteranen des geheimen Widerstandes im Zweiten Weltkrieg und im Kalten Krieg zwar von ihrer Schweigepflicht. Sie durften sich aber nur über ihre Zugehörigkeit zu einer Gruppe und über eigene Diensterlebnisse äussern.

Die Akten zur P 26 dagegen bleiben bis etwa ins Jahr 2040 unter Verschluss. Der Bundesrat wies in einer 2010 veröffentlichten Antwort auf eine Motion auf die gesetzliche Sperrfrist von 50 Jahren für besonders schützenswerte Personendaten hin.

(mch/sda)

Erstellt: 10.09.2016, 13:20 Uhr

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