Alter Meiler, neue Zweifel

Man muss kein Atomgegner sein, um wegen des AKW Beznau beunruhigt zu sein.

Der älteste Atommeiler der Welt: Das AKW Beznau. Foto: Keystone

Der älteste Atommeiler der Welt: Das AKW Beznau. Foto: Keystone

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Beznau I ist am Herzen erkrankt. Der Reaktordruck­behälter weist in seinen Stahlwänden Schwachstellen auf, deren Ausmass noch nicht bekannt ist. Beznau I ist mit 46 Betriebsjahren das dienstälteste AKW der Welt. Seine Alterung schreitet weiter voran und damit die Anfälligkeit für Schäden. Umso wichtiger ist es, das Innenleben des Meilers genau zu kennen. Doch just hier hapert es. Ein Teil der Herstellungs­unterlagen ist lückenhaft. Man muss kein Atomgegner sein, um deswegen beunruhigt zu sein.

Die Beznau-Betreiberin Axpo analysiert zwar nun, was es mit den Mängeln auf sich hat. Doch der Energiekonzern hätte diese Prüfung längst vornehmen können; er ist es, der die Dokumente von Gesetzes wegen aufbewahren muss und bestens kennen sollte. Den Behälter untersucht er aber erst jetzt gründlich – auf Geheiss der Atomaufsichts­behörde Ensi. Diese wiederum wurde erst aktiv, nachdem vor drei Jahren Inspektoren in belgischen Reaktoren Tausende von Rissen entdeckt hatten.

Kritik an ihrer Politik weisen Axpo und Ensi zurück. Sie argumentieren, das Atomgesetz, das beim Bau von Beznau gültig war, habe keine umfassende Dokumentationspflicht im heutigen Sinn vorgesehen. Juristisch ist das wohl korrekt. Gleichwohl entbindet es nicht von der Verantwortung, grösstmögliche Sicherheit zu jedem Zeitpunkt zu gewährleisten. Ob das Ensi und die Axpo dieser Maxime nachleben, ist jedoch fraglich. Dies umso mehr, als sie es unterlassen haben, die Öffentlichkeit sauber zu informieren.

Die aufgedeckten Mängel fallen in eine energiepolitisch heisse Phase. Im September entscheidet der Ständerat, ob Beznau I spätestens 2029 vom Netz soll, wie dies der Nationalrat fordert. Seine vorberatende Kommission hat letzte Woche empfohlen, auf fixe Laufzeiten zu verzichten. Ein Etappensieg für SVP und FDP, den sie jedoch nur dank der Hilfe der CVP feiern konnten – der Partei von Energieministerin Doris Leuthard, die sich gerne als Architektin der Energiewende feiern lässt. Diese Politiker haben nun die Möglichkeit, ihren Kurs im Ständeratsplenum zu korrigieren. Im Licht der neuen Fakten.

Erstellt: 17.08.2015, 08:01 Uhr

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