Angst um die Bergruh über dem Walensee
Amden ist als fremdenfeindlich in die Schlagzeilen geraten, weil sich Einwohner heftig gegen ein geplantes Asylzentrum zur Wehr setzten. Was ist los im Kurort?

Wollte man einem Gast auf möglichst kurzer Strecke möglichst viele Facetten einer Postkartenschweiz zeigen, die Fahrt von Ziegelbrücke nach Amden wäre eine gute Wahl. Man passiert anfangs Bauernland, weite Felder zwischen steilen Berghängen. Dann Weesen, ein mittelalterliches Städtchen, das aussieht, als hätte jemand einige Häuserzeilen aus Rapperswil die Linth hinauf verschifft.
Nach Weesen geht es steil aufwärts. Ein Felsriegel trennt Amden wie eine Burgmauer vom Rest der Welt, einem Wehrgang gleich hängt daran in einer Galerie die einzige Strasse ins Dorf hinauf. Die Einheimischen könnten von diesem Engpass aus ungebetene Gäste abwehren wie einst die Eidgenossen am Morgarten. Nicht dass die Ammler, wie sie sich nennen, keine Gäste wollen: Das Bergdorf ist seit mehr als hundert Jahren Kurort, Fremde sind gern gesehen, jedenfalls solange sie im Arvenbüel wohnen, dem Feriendörflein vier Kilometer oberhalb von Amden.