Armee will Munition, doch der Platz dafür ist rar

Der Nationalrat entscheidet heute über die Aufstockung der Munitionsvorräte. Ein Sicherheitspolitiker hat Bedenken.

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Gemäss neuem Einsatzkonzept müssen innerhalb von zehn Tagen 35'000 Armeeangehörige mobilisiert und ausgerüstet werden können. Laut Bundesrat sind die Munitionsvorräte zurzeit so klein, dass sie bereits nach kurzen Einsätzen verbraucht wären, wie es in der Botschaft ans Parlament heisst. Der Bundesrat schlägt daher den Kauf von Gewehr- und Maschinengewehr-Patronen vor. Zudem soll die Treibladung der Panzer-Einsatzmunition erneuert werden. Die Kosten belaufen sich auf 225 Millionen Franken.

Der grünliberale Nationalrat Beat Flach hat wegen des Munitionskaufs Bedenken. Er fragt sich, wo das Material gelagert werden soll. «Das Problem liegt darin, dass viele Lagerstätten sehr nahe am Wohngebiet liegen. Das führt zu grossen Sicherheitsproblemen und letztlich auch Kostenfolgen für etwas, das wir in 20 Jahren teuer wieder entsorgen müssen», sagt der Sicherheitspolitiker zur SRF-Sendung «Heute Morgen».

Mehr Lagerraum für gleich viel Munition

Je näher eine Wohnzone an ein Depot rückt, desto weniger Munition darf das Militär nach eigenen Angaben dort lagern. Die Armee musste bereits einzelne Standorte aufgeben oder einschränken. Lagerplatz sei aber noch genügend vorhanden, versichert ein Vertreter dem SRF.

Die Situation dürfte sich wohl in Zukunft verschärfen. Weil die Bevölkerung weiter wächst und immer mehr Häuser an die Depots vorrücken, wird mehr Lagerraum für die gleiche Munition benötigt. Und: «Die Schaffung von neuem Lagerraum ist vor allem für Gefahrgut in der Schweiz nur noch beschränkt möglich», so das Militär.

Rüstungsprogramm 900 Millionen Franken schwer

Flach schlägt darum vor, nur halb so viel Munition anzuschaffen. Sein Anliegen wird im Nationalrat wohl keine guten Chancen haben. Die bürgerliche Mehrheit dürfte sich voraussichtlich für den Kauf aussprechen, während die Linke ganz auf eine Aufstockung der Bestände verzichten will.

Insgesamt ist das Rüstungsprogramm der Regierung 900 Millionen Franken schwer. Die Hälfte davon soll in die Verlängerung der Nutzungsdauer der F/A-18 investiert werden. Der Schritt ist nötig, weil ein neuer Kampfjet frühestens ab 2025 eingeführt werden kann. Bis dahin hätten die meisten F/A-18 das Ende ihrer Nutzungsdauer bereits erreicht. Mit den 450 Millionen Franken sollen unter anderem die Flugzeugstruktur verstärkt, einzelne Systeme ersetzt und neue Radarlenkwaffen gekauft werden. (woz/sda)

Erstellt: 08.06.2017, 11:37 Uhr

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