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Asylbewerber dürfen in die Badi, sollen aber nicht

In Bremgarten AG haben 23 Asylsuchende ihre Quartiere bezogen. Damit ist die erste Asylunterkunft eröffnet, die der Bund nun befristet für drei Jahre betreibt. Am meisten zu reden gibt die Hausordnung.

Christian Messikommer
Die ersten 23 Asylsuchenden – Männer, Frauen und zwei Kinder aus Eritrea, Tibet, Sri Lanka und dem Sudan – kamen gegen 9 Uhr mit einem Bus des Bundesamtes für Migration an.
Die ersten 23 Asylsuchenden – Männer, Frauen und zwei Kinder aus Eritrea, Tibet, Sri Lanka und dem Sudan – kamen gegen 9 Uhr mit einem Bus des Bundesamtes für Migration an.
Christian Messikommer
Die Vertreter der beiden Landeskirchen wurden hingegen eingelassen.
Die Vertreter der beiden Landeskirchen wurden hingegen eingelassen.
Christian Messikommer
Der Haupteingang der Asylunterkunft. Vor neugierigen Blicken mit einer schwarzen Plane geschützt. Überall hängen Schilder: «Fotografieren verboten», «Zutritt für Unberechtigte verboten» und «Ausweiskontrolle».
Der Haupteingang der Asylunterkunft. Vor neugierigen Blicken mit einer schwarzen Plane geschützt. Überall hängen Schilder: «Fotografieren verboten», «Zutritt für Unberechtigte verboten» und «Ausweiskontrolle».
Christian Messikommer
Das ehemalige Truppenlager bietet Platz für 150 Personen. Es ist geplant, die Anlage zu 90 Prozent zu belegen.
Das ehemalige Truppenlager bietet Platz für 150 Personen. Es ist geplant, die Anlage zu 90 Prozent zu belegen.
Christian Messikommer
Urs von Daeniken, Projektleiter Bundesunterkünfte beim Bundesamt für Migration, gibt den Medien Auskunft über die Bewegungsfreiheit der Asylbewerber.
Urs von Daeniken, Projektleiter Bundesunterkünfte beim Bundesamt für Migration, gibt den Medien Auskunft über die Bewegungsfreiheit der Asylbewerber.
Christian Messikommer
Ca. 200 Meter entfernt befindet sich das Restaurant Fohlenweide noch im Dornröschenschlaf. Für die Asylbewerber wird es als Café wieder eröffnet.
Ca. 200 Meter entfernt befindet sich das Restaurant Fohlenweide noch im Dornröschenschlaf. Für die Asylbewerber wird es als Café wieder eröffnet.
Christian Messikommer
Die Asylunterkunft befindet sich ausserhalb von Bremgarten. Das Strassenschild weist noch immer auf die vormalige Truppenunterkunft. In nächster Nachbarschaft befindet sich das Bremgartner Siechenhaus.
Die Asylunterkunft befindet sich ausserhalb von Bremgarten. Das Strassenschild weist noch immer auf die vormalige Truppenunterkunft. In nächster Nachbarschaft befindet sich das Bremgartner Siechenhaus.
Christian Messikommer
Den Asylsuchenden wird dringend davon abgeraten, in der Reuss zu baden. Der Fluss sei für ungeübte Schwimmer gefährlich. In der Nähe lassen viele ihre Schlauchboote zu Wasser, mit denen man sich bis Windisch treiben lässt.
Den Asylsuchenden wird dringend davon abgeraten, in der Reuss zu baden. Der Fluss sei für ungeübte Schwimmer gefährlich. In der Nähe lassen viele ihre Schlauchboote zu Wasser, mit denen man sich bis Windisch treiben lässt.
Christian Messikommer
Die Badi gilt als «sensible Zone». Den Asylsuchenden ist es zwar nicht verboten, dorthin zu gehen, aber wenn sie nur gering auffällig werden, sollen sie mit einem Rayonverbot belegt werden.
Die Badi gilt als «sensible Zone». Den Asylsuchenden ist es zwar nicht verboten, dorthin zu gehen, aber wenn sie nur gering auffällig werden, sollen sie mit einem Rayonverbot belegt werden.
Christian Messikommer
Als weitere sensible Zonen gelten Altersheime, Schulen, Sportplätze und Behindertenheime.
Als weitere sensible Zonen gelten Altersheime, Schulen, Sportplätze und Behindertenheime.
Christian Messikommer
Ein Bremgartner sagte, er sei froh, dass die RMF, die Radikale Mutschellen-Front (eine Rechtsaussen-Gruppierung) nicht mehr aktiv sei. «Das hätte sicher Rabatz gegeben». Der Mann wollte sich nicht fotografieren lassen.
Ein Bremgartner sagte, er sei froh, dass die RMF, die Radikale Mutschellen-Front (eine Rechtsaussen-Gruppierung) nicht mehr aktiv sei. «Das hätte sicher Rabatz gegeben». Der Mann wollte sich nicht fotografieren lassen.
Christian Messikommer
Nelleke Keesmaat hat keinerlei Berührungsängste: «Wenn sie sich in die Gesellschaft einfügen, dann Herzlich willkommen.»
Nelleke Keesmaat hat keinerlei Berührungsängste: «Wenn sie sich in die Gesellschaft einfügen, dann Herzlich willkommen.»
Christian Messikommer
Einige Bremgartner meinten, es sei eine Schande, dass die Politik diese Asylunterkunft nicht verhindern konnte. Sie wollten sich nicht fotografieren lassen.
Einige Bremgartner meinten, es sei eine Schande, dass die Politik diese Asylunterkunft nicht verhindern konnte. Sie wollten sich nicht fotografieren lassen.
Christian Messikommer
Klaudia Mulacova: «Ich verstehe, dass die Leute vorsichtig sind. Ich bin aber sicher, dass man sich schnell aneinander gewöhnen wird. Wichtig ist, dass keine Kriminellen in das Heim kommen.»
Klaudia Mulacova: «Ich verstehe, dass die Leute vorsichtig sind. Ich bin aber sicher, dass man sich schnell aneinander gewöhnen wird. Wichtig ist, dass keine Kriminellen in das Heim kommen.»
Christian Messikommer
Claudia, die Barfrau vom Gasthaus zum Engel: «Man sollte nicht unterscheiden zwischen Menschen von hier und von dort. Bei allen fliesst rotes Blut durch die Adern.»
Claudia, die Barfrau vom Gasthaus zum Engel: «Man sollte nicht unterscheiden zwischen Menschen von hier und von dort. Bei allen fliesst rotes Blut durch die Adern.»
Christian Messikommer
Angestellte von Anlagen, die «sensible Zonen» darstellen, sind sich einig, dass es richtig ist, dass den Asylsuchenden abgeraten wird, in deren Nähe zu kommen. Niemand wollte sich fotografieren lassen.
Angestellte von Anlagen, die «sensible Zonen» darstellen, sind sich einig, dass es richtig ist, dass den Asylsuchenden abgeraten wird, in deren Nähe zu kommen. Niemand wollte sich fotografieren lassen.
Christian Messikommer
Rita Schmidt: «Man nimmt das hin wie das Wetter. Die Jungen sind da kritischer. Eine junge Frau, die regelmässig vor dem ehemaligen Truppenlager mit dem Hund vorbeispaziert, ist sehr gespannt, ob man sie wohl in Ruhe lässt.»
Rita Schmidt: «Man nimmt das hin wie das Wetter. Die Jungen sind da kritischer. Eine junge Frau, die regelmässig vor dem ehemaligen Truppenlager mit dem Hund vorbeispaziert, ist sehr gespannt, ob man sie wohl in Ruhe lässt.»
Christian Messikommer
Einige Bremgarter meinten, die Politiker hätten sich über den Tisch ziehen lassen, die ausgehandelten Rayonverbote liessen sich niemals durchsetzen. Sie wollten sich nicht fotografieren lassen.
Einige Bremgarter meinten, die Politiker hätten sich über den Tisch ziehen lassen, die ausgehandelten Rayonverbote liessen sich niemals durchsetzen. Sie wollten sich nicht fotografieren lassen.
Christian Messikommer
Sandra Kundert: «Ich finde es gut, dass die Asylsuchenden sich in bestimmten Zonen nicht aufhalten sollen. Nur schon zum Schutz von Kindern und anderen Schutzbedürftigen. So wie wir uns im Ausland auch anpassen müssen, sollten die Leute auf uns Einheimische Rücksicht nehmen.»
Sandra Kundert: «Ich finde es gut, dass die Asylsuchenden sich in bestimmten Zonen nicht aufhalten sollen. Nur schon zum Schutz von Kindern und anderen Schutzbedürftigen. So wie wir uns im Ausland auch anpassen müssen, sollten die Leute auf uns Einheimische Rücksicht nehmen.»
Christian Messikommer
Ein Wirt meinte mit einem Augenzwinkern, dass ihm 150 Soldaten lieber gewesen wären, als gleichviel Asylbewerber. Die hätten nämlich kein Geld, um bei ihm etwas zu trinken. Er wollte sich nicht fotografieren lassen.
Ein Wirt meinte mit einem Augenzwinkern, dass ihm 150 Soldaten lieber gewesen wären, als gleichviel Asylbewerber. Die hätten nämlich kein Geld, um bei ihm etwas zu trinken. Er wollte sich nicht fotografieren lassen.
Christian Messikommer
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Die erste von mehreren geplanten Asylunterkünften, die der Bund nun provisorisch drei Jahre lang betreibt, sorgte schon vor der Eröffnung für eine Kontroverse wegen der strengen Hausordnung. Erst hiess es beim Bundesamt für Migration (BFM), dass für die Asylsuchenden pauschale Rayonverbote gelten würden. Dies sei so mit der Gemeinde Bremgarten ausgehandelt worden, die Verbote seien in einer Vereinbarung zwischen der Stadt und dem BFM verankert. Die Menschenrechtsgruppe Augenauf protestierte aber dagegen und wies darauf hin, dass so ein Verbot nicht sanktioniert werden könne und deshalb nicht durchsetzbar sei.

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