55 Prozent wollen Ausstieg aus der Atomenergie

Die erste Tamedia-Abstimmungsumfrage zeigt: Die Atomkraftgegner starten nur mit einem knappen Vorsprung in den Abstimmungskampf.

Das Atomkraftwerk Beznau. Foto: Thomas Egli

Das Atomkraftwerk Beznau. Foto: Thomas Egli

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Die Grünen und ihre Verbündeten starten mit einem knappen Vorsprung in den Abstimmungskampf um die Atomausstiegsinitiative. In der ersten Welle der Tamedia-Abstimmungsumfrage geben 55 Prozent der Teilnehmer an, Ja oder eher Ja stimmen zu wollen. 43 Prozent sagen Nein oder eher Nein.

Weil die Zustimmung zu Volksinitia­tiven in der Regel im Verlaufe des Abstimmungskampfs sinkt, bleibt den Grünen nur ein dünnes Polster für die fünf Wochen bis zur Abstimmung. Im Vergleich zu anderen Initiativen wissen nur wenige nicht, wie sie stimmen wollen. Gerade mal 2 Prozent bezeichneten sich als unentschieden, während 7 Prozent eher Ja und 6 Prozent eher Nein gestimmt hätten. Die Politologen Fabio Wasserfallen und Lukas Leemann, die die Umfragedaten ausgewertet haben, halten den tiefen Wert angesichts der klaren Fragestellung und des breit diskutierten Themas der Initiative nicht für überraschend. Dies bedeute aber nicht, dass es während der Kampagne keine klaren Änderungen in den Mehrheitsverhältnissen mehr geben könne.

Grünen-Präsidentin Regula Rytz gibt sich trotz des knappen Vorsprungs überzeugt, die Abstimmung gewinnen zu können. Sie hofft darauf, noch mehr Stimmberechtigte in der politischen Mitte zu überzeugen. «Die Initiative geniesst eine breite überparteiliche Unterstützung – das kam bisher noch wenig zur Geltung».

Begehrte CVP-Wähler

Besonders umkämpft sind die CVP-Wähler. 54 Prozent von ihnen sprechen sich für die Initiative aus, obwohl ihre Partei die Kampagne gegen die Initiative leitet. Der Solothurner CVP-Nationalrat Stefan Müller-Altermatt zeigt sich zuversichtlich, auch Ausstiegswillige in den eigenen Reihen überzeugen zu können. «Vergangene Abstimmungen zeigen, dass da noch viel Spielraum besteht.»

Kaspar Schuler, Geschäftsleiter der Allianz Atomausstieg, zieht einen Vergleich zur letzten erfolglosen Abstimmung über den Atomausstieg im Jahr 2003. Anders als damals erlebe er heute kaum mehr Diskussionen darüber, ob Solar- und Windkraftwerke die nötige Wirkung entfalteten. «Nun ist klar, dass die neuen Energiequellen substanzielle Strommengen beisteuern können.» Er sagt deshalb: «Das Rennen ist offen.»

Auf Unterstützung zählen können die Grünen bei ihren eigenen Wählern: 97 Prozent von ihnen wollen Ja stimmen. Hinzu kommen 88 Prozent der SP- und 85 Prozent der GLP-Wähler. Keine grosse Chance hat die Initiative bei FDP- und SVP-Wählern: Von diesen wollen nur 25 respektive 20 Prozent Ja sagen.

19’793 Personen aus der ganzen Schweiz haben zwischen dem 17. und 18. Oktober 2016 online an der ersten Welle der Tamedia-Abstimmungsumfrage zur eidgenössischen Vorlage vom 27. November 2016 teilgenommen. Die Tamedia-Abstimmungsumfragen werden in Zusammenarbeit mit den Politikwissenschaftlern Lucas Leemann und Fabio Wasserfallen durchgeführt. Sie gewichten die Umfragedaten nach demografischen, geografischen und politischen Variablen. Der Fehlerbereich liegt bei +/- 1,1 Prozentpunkten. Weitere Informationen zu den Tamedia-Umfragen sind unter tamedia.ch/umfragen abrufbar.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 21.10.2016, 06:56 Uhr

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