Atommüll-Endlager – Nagra bereitet Sondierbohrungen vor

Die Nagra will in der Region Bözberg das Erdinnere analysieren. Im Aargauer Jura könnten künftig Tiefenlager für radioaktive Abfälle entstehen.

Wohin damit in Zukunft? Radioaktive Abfälle im Zwischenlager Würenlingen AG (Juni 2014). Bild: Keystone

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In der Region Bözberg im Aargauer Jura will die Nagra an acht möglichen Standorten Sondierbohrungen vornehmen. Die Bohrplätze sind rund um ein 12 Quadratkilometer grosses Gebiet angelegt, das für ein atomares Endlager geeignet ist.

Je zwei der acht geplanten Bohrstandorte liegen auf den Gemeindegebieten von Bözberg, Effingen und Remigen, je einer in den Gemeinden Riniken und Zeihen. Dieses Standortgebiet westlich von Brugg trägt den Namen Jura Ost.

Gütlich mit Grundeigentümern geeinigt

Die Gegend ist geologisch für ein Endlager geeignet, weil sie zwischen der Mandach-Überschiebung und der Jura-Hauptüberschiebung liegt. Eingereicht werden zwar Gesuche für acht Bohrungen. Effektiv gebohrt wird aber dann nur an drei bis fünf Standorten.

Die Verträge zwischen den Grundeigentümern der infrage kommenden Bohrplätze und der Nagra sind bereits unterzeichnet. In allen Fällen konnte man sich gütlich einigen, wie Nagra-Geschäftsleitungsmitglied Markus Fritschi vor den Medien in Remigen AG sagte.

Hürdenreiches Bewilligungsverfahren

Jede Sondierbohrung kostet rund 10 Millionen Franken. Bis allerdings in den Untergrund vorgedrungen wird, dürfte es 2019 oder noch später werden. Das Bewilligungsverfahren läuft nach dem Kernenergierecht ab und ist hürdenreich. Für jedes der Bohrgesuche wird ein eigenes Bewilligungsverfahren durchgeführt.

Erachtet das Bundesamt für Energie (BFE) die eingereichten Gesuche als vollständig und liegt das sicherheitstechnische Gutachten der Nuklearaufsichtsbehörde ENSI vor, werden die Gesuche während dreissig Tagen bei den Standortgemeinden öffentlich aufgelegt. Dies wird voraussichtlich im ersten Quartal 2107 der Fall sein.

Noch können Einsprachen eingereicht werden

Zugleich werden die Standortkantone und die Fachstellen des Bundes zur Einreichung einer Stellungnahme aufgefordert. Von den Sondierbohrungen Betroffene können schriftlich beim BFE eine Einsprache einreichen. Gemeinden werden gleich behandelt wie Private.

Danach ist es an der Nagra, zu den Einsprachen Stellung zu nehmen. Einsprachen und Stellungnahmen werden vom BFE geprüft und berechtigte Anliegen bei der Ausarbeitung der Bohrbewilligungen berücksichtigt.

Die Bewilligungen sollen gemäss jetzigem Fahrplan im Herbst 2018 vorliegen. Dagegen kann beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde geführt, und ein Entscheid bis vor Bundesgericht gezogen werden.

Zweiter Schritt der dritten Etappe

Die Sondierbohrungen bilden den zweiten Schritt der dritten Etappe nach den 3D-Seismikmessungen. Sie können aber erst begonnen werden, wenn die zweite Etappe der Suche nach geeigneten Endlagerstandorten vollständig abgeschlossen ist. In der zweiten Etappe geht es darum, je eine Standortgebiet für ein Lager für hochradioaktive sowie ein Lager für leicht- und mittelradioaktive Stoffe definitiv festzulegen.

Der Bundesrat wird voraussichtlich Ende 2018 beschliessen, welche Standortgebiete in der dritten Etappe tatsächlich vertieft untersucht werden sollen. Bis zu diesem Entscheid verbleiben neben den von der Nagra favorisierten Gebiete Jura Ost und Zürich Nordost auch die vier anderen potenziellen Standortgebiete im Auswahlverfahren.

Dies gilt vor allem für das Gebiet Nördlich Lägern, zu dem die Nagra auf Geheiss des ENSI zusätzliche Dokumente einreichen musste. Die Nagra sei auch nach der Einreichung der Unterlagen zum Schluss gekommen, das Nördlich Lägern gegenüber Jura Ost und Zürich Nordost Nachteile aufweise, sagte dazu Nagra-GL-Mitglied Fritschi. (kko/sda)

Erstellt: 27.09.2016, 10:43 Uhr

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