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Auch Bauarbeiter werden älter

Das Verhandlungsangebot der Baumeister zur Frührente ist gar nicht so schlecht.

Auf dem Inselspital-Gelände: die beiden Bauarbeiter Peter Leuenberger (links) und Antonio Ruberto. Bild: Nicole Philipp
Auf dem Inselspital-Gelände: die beiden Bauarbeiter Peter Leuenberger (links) und Antonio Ruberto. Bild: Nicole Philipp

Am Samstagmittag wird es laut am Central in der Stadt Zürich. Auf ihrem Weg bis zum Helvetiaplatz werden Tausende Bauarbeiter ein Pfeifkonzert veranstalten. Der Radau gilt den Baumeistern, die nicht mehr bereit sind, den seit 2003 geltenden Pakt zur Frührente in der Baubranche mitzutragen. Nun ist der Widerstand der Bauarbeiter an sich verständlich. Bevor verhandelt wird, markieren sie erst einmal ihre Position. Doch mit Lärm lässt sich das Problem nicht aus der Welt schaffen. Es war allen klar, dass Rentenalter 60 über kurz oder lang wieder zum Thema würde. Die Gewerkschaften, die nun die Bauarbeiter aufpeitschen, wissen das ebenfalls. Nehmen sie ihren Einsatz für die Arbeitsplätze ernst, werden sie in einen Kompromiss einwilligen müssen.

Das Verhandlungsangebot der Baumeister – Rentenalter 61 zu gleichen Bedingungen oder Rentenalter 60 mit reduzierter Rente – ist gar nicht so schlecht. In der Bevölkerung ist das Verständnis zwar da, dass heute die meisten Bauarbeiter ein paar Jahre vorher in Rente gehen. Die körperliche Belastung auf der Baustelle ist eine Realität, die Spuren hinterlässt. Doch selbst wenn die Lebenserwartung von Bauarbeitern kürzer ist als die des Durchschnitts, werden auch sie älter. Irgendjemand wird die zusätzlichen Rentenjahre bezahlen müssen. Es ist nicht im Sinn der Sache, wenn Versicherte aus anderen Branchen die Frührente der Bauarbeiter auf die Länge mitfinanzieren. Die Pensionskasse ist zur individuellen Vorsorge da. Die Auffang­einrichtung der beruflichen Vorsorge hat das Modell aber seit 2003 bereits mit 62 Millionen Franken quer­finanziert. Sie steigt deshalb per 2019 aus.

Man wird sich also wohl oder übel zu einer neuen Lösung durchringen müssen. In einem Punkt haben sich die Arbeitgeber dabei zu bewegen: Wer länger arbeiten soll, muss dazu in der Lage sein. Es braucht Arbeitsmodelle, die älteren Arbeitnehmern gerecht werden. Denn eine Rückkehr zur Situation vor 2003 ist keine Alternative. Damals schieden Bauarbeiter aus gesundheitlichen Gründen vor dem Erreichen des ordentlichen Rentenalters aus – mit Folgekosten, welche die Allgemeinheit tragen musste.

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