Auch Mieter sollen Elektroautos fahren

Noch ist die Elektromobilität nicht massentauglich. Ladestationen bei Mehrfamilienhäusern sollen das ändern.

Zuhause können das fast nur Hausbesitzer. E-Tankstelle von Lidl in Dübendorf. Foto: Thomas Egli

Zuhause können das fast nur Hausbesitzer. E-Tankstelle von Lidl in Dübendorf. Foto: Thomas Egli

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Elektromobilität – ein Privileg der Reichen? Heute sind es vor allem Hausbesitzer, die auf Elektroautos setzen, und zwar als Zweitwagen. Das zeigt ein aktuelles ETH-Forschungsprojekt. 2019 Jahr waren gegen 6 Prozent der 311’000 Neuwagen E-Autos oder Plug-in-Hybride. Ein Rekordwert, der heuer schon fallen soll: Auto-Schweiz, die Vereinigung der Schweizer Autoimporteure, will den Anteil der sogenannten Steckerfahrzeuge auf 10 Prozent steigern. 

Für einen Schub dürften die verschärften Klimavorschriften sorgen: Ab diesem Jahr gilt in der Schweiz (wie in der EU) für Neuwagen ein Zielwert von 95 Gramm CO2 pro Kilometer statt wie bis anhin 130 Gramm; im Durchschnitt waren es 2019 gemäss provisorischen Zahlen des Bundes knapp 139 Gramm. Die Branche muss also verstärkt auf E-Autos setzen, ansonsten drohen ihr Bussen in Millionenhöhe. Das Bundesamt für Energie bezeichnet die E-Mobilität als Schlüsseltechnologie, um die energie- und klimapolitischen Ziele der Schweiz zu erreichen.

«Es braucht nun den Ausbau von Ladeinfrastruktur in und um Mietshäuser.»Thomas Bernauer, ETH

Fahrzeughersteller haben denn auch eine breitere Palette an E-Autos angekündigt, neue Modelle mit grösseren Reichweiten und Preisen im unteren und mittleren Preissegment – nicht zuletzt eine Reaktion auf die Vorbehalte, die unter Konsumenten gegenüber E-Autos herrschen.

Doch damit lassen sich noch nicht alle Bevölkerungsschichten erreichen. «Es braucht nun den Ausbau von Ladeinfrastruktur in und um Mietshäuser», sagte Thomas Bernauer vom ETH-Institut für Wissenschaft, Technologie und Politik (ISTP) am Dienstagnachmittag in Zürich. Bereits in diesem Jahr wollten sich 17 Prozent jener Leute, die einen Autokauf in Betracht zögen, ein E-Fahrzeug kaufen. Die meisten E-Autofahrer – gemäss einer Untersuchung sind es 86 Prozent – laden laut Bernauer meist zu Hause. Es sei deshalb wichtig, dass die Lademöglichkeiten stark ausgebaut würden, etwa in der blauen Zone in der Stadt Zürich oder bei grösseren Parkmöglichkeiten in Liegenschaften. 

30 Autos gleichzeitig laden

Nebst Bernauer sprachen am Dienstag in Zürich weitere Experten zur Frage, was die steigende Nachfrage nach E-Autos für Besitzer, Investoren und Verwalter von Immobilien bedeutet. Eingeladen hatten die St. Gallisch-Appenzellischen Kraftwerke (SAK) und das ISTP. 

Bei neuen Mehrfamilienhäusern sollen 20 Prozent der Parkplätze elektrifiziert sein.

Bauherren und Investoren fragen laut Fachleuten bereits heute vermehrt nach Ladestationen in Wohnhäusern. Der schweizerische Ingenieur- und Architektenverein will noch dieses Jahr ein Merkblatt publizieren, in dem er Zielwerte für die Erstellung von elektrifizierten Parkplätzen definiert. Bei neuen Mehrfamilienhäusern sollen es 20 Prozent sein oder mindestens zwei Ladeplätze.

Wichtig ist eine sorgfältige Planung, denn mit den Ladestationen kommt ein neuer grosser Energieverbraucher in die Wohnhäuser. «Niemand will einen Stromausfall im Gebäude, weil in der Tiefgarage drei Elektroautos gleichzeitig Strom laden», sagte SAK-Experte Patrick Speck.

Intelligente Systeme ermöglichen es, dass bis zu 30 Autos gleichzeitig geladen werden können und die Ladeenergie pro Parkplatz oder pro Nutzer ausgewiesen und einfach abgerechnet wird. Die SAK bieten solche Ladelösungen an, sie haben mehr als 115 öffentliche Ladestationen installiert, von Zürich bis Graubünden, darunter im Parkhaus Opera beim Bellevue in Zürich. Von steigenden E-Auto-Verkaufszahlen profitieren also auch Energieversorger. Sie können ein neues Geschäftsfeld erschliessen.

Erstellt: 14.01.2020, 22:03 Uhr

Artikel zum Thema

Jeder zweite Schweizer erwägt den Kauf eines Elektroautos

E-Mobilität ist hierzulande auf dem Vormarsch – trotz hohen Anschaffungskosten und ungenügend Ladestationen. Mehr...

China wendet sich von der E-Mobilität ab

Der Verkauf von Elektroautos in China ist stark rückläufig. Und die Regierung spricht auf einmal von Methanol- und Wasserstofffahrzeugen. Dahinter steht wirtschaftliches Kalkül. Mehr...

«Null ist sowieso eine Illusion»

Interview Verkehrsexperte Wolfgang Lohbeck erklärt, warum Elektroautos alleine keine Lösung für die Umweltprobleme sind und wieso es keine Fahrzeuge ohne CO2-Emissionen geben kann. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Blog

Vergleichsdienst

Finden Sie in nur fünf Schritten die optimale Versicherung für Ihr Auto.
Jetzt vergleichen.

Kommentare

Paid Post

Weg mit hartnäckigen Fettdepots und Cellulite!

Sie möchten abnehmen, ohne auf lästige Diäten zurückzugreifen und ohne Sport machen zu müssen? Slim&more zeigt Ihnen, wie Ihre Pfunde ganz ohne Pillen und Eingriffe purzeln.

Die Welt in Bildern

Ganz schön angeknipst: Ein Mitglied des Bingo Zirkus Theater steht anlässlich des 44. internationalen Zirkusfestivals in Monte Carlo auf der Bühne. (16. Januar 2020)
(Bild: Daniel Cole ) Mehr...