«Auch wenn du das kaum glauben kannst, lieber Alex»

Klaus Wowereit und Alexander Tschäppät in Bern im Gespräch. Der Berliner kam an die Biografie-Vernissage und widmete dem abtretenden Stadtpräsidenten ein Vorwort.

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Diese Begegnung ist fast zu gut, um wahr zu sein: «Dieser Mann hat Berlin sexy gemacht!», ruft ein Passant vor dem Hotel Bellevue in Bern, als er dort Klaus Wowereit erblickt, den ehemaligen Regierenden Bürgermeister der deutschen Hauptstadt – der mit ebendiesem Spruch berühmt wurde. «Berlin ist arm, aber sexy.»

Wowereit lacht und sagt zu seinem Berner Amtskollegen und Freund Alexander Tschäppät: «Der könnte vom Berliner Fremdenverkehrsamt angestellt werden. Gute Werbung, was!» Wowereit und Tschäppät sind seit Jahren befreundet. Ersterer ist seit Ende 2014 im Ruhestand, Letzterer noch bis Ende Jahr im Amt. Im Vorwort zur Tschäppät-Biografie schreibt Klaus Wowereit: «Auch wenn du das kaum glauben kannst, lieber Alex. Es gibt ein Leben nach der Politik. Ich weiss es.»

Herr Wowereit, Sie sind seit über einem Jahr Rentner. Welchen Tipp geben Sie Alexander Tschäppät mit auf den Weg, damit er 2017 nicht in ein Loch fällt?
Klaus Wowereit: Das mit dem Loch muss jeder selber ausprobieren. Ich kann nur sagen, dass sich das Leben total verändert. Im Gegensatz zu mir macht Alex noch weiter aktiv Politik. Er bleibt Nationalrat. Aber als Stadtpräsident hat man von morgens bis abends viel zu tun, und das fällt weg. Man wird wieder Herr über den eigenen Termin­kalender.

Alexander Tschäppät: Ich muss mir eine Agenda kaufen. Und sie künftig selber führen.

Herr Wowereit, macht denn das Rentnerleben auch Spass?
Klaus Wowereit: Einerseits ist es was Schönes, andererseits muss man sich neu organisieren. Auf einmal hat man keine Mitarbeiter mehr. Vielleicht wird man von der einen oder anderen Einladungsliste gestrichen und erleidet einen gewissen Bedeutungsverlust. Aber mit so einem Kapitel muss man abschliessen können. Loslassen.

Plötzlich ist man ja dann auch mehr daheim. War das bei Ihnen ein Problem?
Klaus Wowereit: (lacht) Das war bei uns die grosse Frage: Inwieweit falle ich meinem Freund auf die Nerven, wenn ich den ganzen Tag zu Hause sitze und erwarte, dass er mit mir irgendwas unternimmt. Aber das hat sich gut eingependelt.

Alexander Tschäppät: Ich werde mir auf jeden Fall ein Büro ausser Haus suchen. Ich will mir eine Tagesstruktur geben. Sonst bin ich nur daheim und muss die Hunde ausführen oder den Kehricht runterbringen.

Herr Wowereit, Sie haben ja auch wieder Ämter übernommen.

Klaus Wowereit: Das ist ein Ehrenamt beim Verband Berliner Kaufleute und Industrieller. Und bei der Gleichstellungsbeauftragten der Bundesregierung habe ich eine Kommission geleitet.Alexander Tschäppät: Er spielt nicht nur Golf.

Klaus Wowereit: Man muss auch raus. Es wäre fatal, wenn man sich verkriechen würde. Gleichzeitig muss man aufpassen, dass es nicht zu viel wird. Fünfzehn Termine am Tag, das hatte ich früher.

Was machen Sie denn heute, wofür früher keine Zeit blieb?
Klaus Wowereit: Golf ist tatsächlich ein Hobby von mir. Ich gehe sicher auch mehr ins Kino oder ins Theater.

Wo haben Sie sich eigentlich das erste Mal getroffen?
Alexander Tschäppät: Das ist lange her. Aber ich bin sicher, dass es mit Politik zu tun hatte.

Klaus Wowereit: Das war bei einem Städteaustausch. Es war von Anfang an eine persönliche Affinität da. Klar: Wir sind in der gleichen Partei. Aber da muss man ja auch nicht jeden mögen.

Sie beide mögen sich offensichtlich. Was gefällt Ihnen denn am anderen?
Klaus Wowereit: Ich mag Alex’ offene Art, seinen Humor, dass man mit ihm aber auch ernsthaft und über schwierige Themen diskutieren kann, mit denen Städte eben konfrontiert sind.

Alexander Tschäppät: Ich mag Klaus, weil er so nette Sachen über mich sagt. Ich finde es grossartig, dass er das Gesicht von Berlin war. Er ist es noch immer. Man kennt ihn ja sogar in Bern.

Erstellt: 13.04.2016, 15:01 Uhr

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