Auf den Rechts- folgt ein Linksrutsch

Verlierer des Wahlwochenendes sind die Mitteparteien — und die «Basler Zeitung» von Christoph Blocher. Die SP ist die grosse Siegerin der Urnengänge im Aargau und in Basel-Stadt.

Ungläubiges Staunen: Eva Herzog (SP, zweite von links), Christoph Brutschin (SP) und Elisabeth Ackermann (Grüne, rechts) freuen sich nach der Bekanntgabe der Zwischenresultate der Regierungsratswahlen in Basel-Stadt. Foto: Georgios Kefalas (Keystone)

Ungläubiges Staunen: Eva Herzog (SP, zweite von links), Christoph Brutschin (SP) und Elisabeth Ackermann (Grüne, rechts) freuen sich nach der Bekanntgabe der Zwischenresultate der Regierungsratswahlen in Basel-Stadt. Foto: Georgios Kefalas (Keystone)

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Ein Jahr nach dem Wahlsieg der SVP und der FDP in den eidgenössischen Wahlen schlägt das Pendel auf die andere Seite aus. Die SP feiert überraschende Wahlerfolge im Aargau und in Basel-Stadt. Im Aargau gewinnt sie 3,7 Prozentpunkte und kommt neu auf 19 Prozent. In Basel legt sie auf bereits hohem Niveau um 1,8 auf 32,5 Prozent zu — ihr höchster Wähleranteil seit 70 Jahren.

Die Wahlsieger vom Oktober 2015 stagnieren. Die SVP bleibt im Aargau auf hohem Niveau knapp stabil, in Basel verliert sie auf tiefem Niveau. Die FDP gewinnt im Aargau leicht und verliert in Basel deutlich. Den grössten Rückschlag erleben die Bürgerlichen in den Basler Regierungswahlen, wo sie mit einem vereinten Wahlkampf die rot-grüne Mehrheit kippen wollten. Obwohl die «Basler Zeitung», die von SVP-Vordenker Christoph Blocher kontrolliert wird, die «bürgerliche Wende» intensiv befeuerte, ist sie nach dem ersten Wahlgang mit hoher Wahrscheinlichkeit gescheitert. Die einzige bürgerliche Kraft, die zulegte, ist die Liberal-Demokratische Partei, die es nur in Basel gibt.

Asylthema weniger dominant

Für den Politgeografen Michael Hermann sind diese Ergebnisse die Quittung für die rechte Politik nach dem Sieg von FDP und SVP bei den eidgenössischen Wahlen vor einem Jahr. Es habe nicht eine Verschiebung von rechts nach links, sondern von der Mitte nach links stattgefunden. «Mitte-Wähler haben in Basel und im Aargau als Korrektiv zum bestehenden Rechtskurs gewirkt.»

Tatsächlich sind die Mitteparteien die grossen Verlierer. Die BDP bricht im Aargau regelrecht ein und verpasst sogar die Fraktionsstärke. Auch die CVP büsst in beiden Kantonen weiter an Terrain ein. Sie ist damit die einzige der grossen Parteien, die in allen sechs kantonalen Wahlen verloren hat, die im Jahr 2016 bisher stattgefunden haben.

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Die SP geht als Siegerin aus dem Wahlwochenende hervor. Haben die Bürgerlichen national ihre Dominanz missbraucht?





Dass eine Korrektur bereits im Jahr eins nach eidgenössischen Wahlen geschieht, ist für Hermann nicht ungewöhnlich. Als 2003 im Bundesrat eine FDP-SVP-Mehrheit installiert wurde, war das Phänomen schon einmal zu beobachten. «Die Linke erwacht immer dann, wenn es zu weit nach rechts geht», sagt Hermann. Hinzu kommen spezifische kantonale Gründe — etwa der Sparkurs der Bürgerlichen im Aargau. Der Politologe Claude Longchamp nennt noch einen weiteren Grund für das Wahlergebnis. Anders als 2015 habe die SVP dieses Mal nicht vom virulenten Asylthema profitieren können.

Erstellt: 23.10.2016, 23:08 Uhr

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