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Auffallend viele 18-Jährige unter Asylbewerbern

Eine Auswertung der Asylzahlen schürt den Verdacht, dass das Migrationsamt versucht, den Kinderschutz zu umgehen, indem es Minderjährige älter macht.

Minderjährige Flüchtlinge werden vom Gesetz geschützt: Drei Asylbewerber im Bundesasylzentrum in Losone. (23. April 2016)
Minderjährige Flüchtlinge werden vom Gesetz geschützt: Drei Asylbewerber im Bundesasylzentrum in Losone. (23. April 2016)
Samuel Golay, Keystone

Zahlen aus der Datenbank des Staatssekretariates für Migration (SEM) zeigen, dass in der Schweiz auffallend viele Flüchtlinge 18 Jahre alt sind. Besonders eklatant sei dies bei afghanischen Asylbewerbern, schreibt der «Blick». Die Zeitung hat die Angaben von 151'000 Asylbewerbern, die zwischen 2010 und 2015 eingereist sind, analysiert.

Diese Altersverteilung sei auffällig, sagt Ben Jann, Soziologieprofessor an der Universität Bern, zur Zeitung. Er kann sich die grosse Zahl 18-Jähriger nicht erklären und vermutet, dass eine Umverteilung stattfindet. Das Migrationsamt soll also minderjährige Asylsuchende für volljährig erklären, um sie leichter ausschaffen zu können.

UNO rügte schon 2015

Denn minderjährige Flüchtlinge werden vom Gesetz besonders geschützt. Das schreiben die UNO-Kinderrechtskonvention und die Verfassung vor. Sie haben Anrecht auf einen Beistand, Schulbildung, eine geeignete Unterkunft und Betreuung. Rückführungen und Abschiebungen sind nur in Ausnahmefällen möglich.

Der UNO-Kinderrechtsausschuss intervenierte bereits 2015 beim Migrationsamt und forderte eine schnellere Behandlung der Anträge von Minderjährigen. Damals lautete der Verdacht, die Verfahren würden so lange verschleppt, bis die Betroffenen volljährig seien, heisst es im Bericht. Auch die Unterbringung von Kindern wurde kritisiert.

Jugendliche machen sich absichtlich älter

Pius Betschart, Vizedirektor des Staatssekretariates für Migration (SEM), weist die Vorwürfe im «Blick» zurück. Im Zweifel entscheide man für die Minderjährigkeit. Es sei jedoch oft so, dass erwachsene Asylbewerber sich jünger machen würden. In solchen Fällen führe das SEM eine Altersbestimmung durch. Wenn eine Person laut dem Gutachter erwachsen sei, werde sie mit der Altersangabe 18 Jahre registriert. Hinzu komme, dass Jugendliche sich als 18-Jährige ausgäben, weil sie glaubten, sie erhielten dann eher Arbeit. In diesen Fällen werde keine Altersbestimmung durchgeführt.

Constantin Hruschka von der Flüchtlingshilfe glaubt, dass die Altersstruktur sich damit nicht erklären lasse. «Sie muss mit der Praxis der Behörden zusammenhängen», sagt er zum «Blick». Zweifel hegt auch Elsbeth Müller von Unicef Schweiz.

Derzeit flüchten mehr Kinder allein in die Schweiz als in den Vorjahren. Sie kommen vor allem aus Eritrea, Afghanistan, Somalia und Syrien.

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