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Die Wahrheit nicht verschleiern

Männer sollen ihre Vaterschaft jederzeit abklären lassen können, ohne Einverständnis der Mutter.

Für den Vater bleibt stets eine Restmöglichkeit, dass er nicht der leibliche Vater ist. Die Vaterschaft sei immer ungewiss, besagt auch ein lateinisches Sprichwort. Der Gesetzgeber hat sich deshalb zu Beginn des letzten Jahrhunderts, als das schweizerische Zivilgesetzbuch in Kraft trat, etwas einfallen lassen: Vater ist, wer sich durch die Heirat als solcher erwiesen hat. Die Vaterschaft des Ehemannes gilt absolut. Nur ein Gericht kann sie aberkennen, auf Klage des Ehemannes hin.

Dies geschah zum Schutz der Familie, und es ist vor dem Hintergrund einer Zeit zu verstehen, in der ein Kind von einem fremden Mann eine Schande war, mit verheerenden Folgen für die Betroffenen. Auch heute ist es noch so, dass eine Kuckucksvaterschaft eine Familie belastet. Aber nicht mehr mit denselben Konsequenzen wie früher. Die Vaterschaft ist mittlerweile mit einem Gentest schnell und günstig festzustellen. Doch die schweizerischen Gesetze sind von früher. Ein Vater darf nur dann einen Gentest machen lassen, wenn die Mutter damit einverstanden ist.

Dass sie dieses Einverständnis unter Umständen verweigert, liegt in der Natur der Sache. Ihr drohen Nachteile. Doch die wahre Abstammung gegenüber Kind und Vater zu verschleiern, verstösst gegen ein elementares Grundrecht. Dem Kindswohl ist dann gedient, wenn man das Kind ernst nimmt und ihm die Wahrheit zumutet. Es hat so eine Chance, auch zum leiblichen Vater eine Beziehung aufzubauen. Abgesehen davon: Wenn der Vater einen Vaterschaftstest wünscht und die Mutter ablehnt, ist der Fall wohl relativ klar. Um das Kindeswohl ist es dann ohnehin nicht zum Besten bestellt.

Väter und Mütter sollen jederzeit einen Gentest machen lassen können, ohne Einverständnis des ­anderen Elternteils. Nicht wünschbar ist ein obliga­torischer Test gleich nach der Geburt, wie manche ihn fordern. Es gibt Fälle, in denen Kind und Vater nie ­erfahren, dass sie nicht miteinander verwandt sind, und in denen das für sie die beste Lösung ist. Hier soll der Gesetzgeber sich nicht einmischen. Aber wenn ­jemand die Wahrheit erfahren will, soll er das nicht verhindern.

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