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«Aus christlicher Sicht ist die Totalverhüllung der Frau abzulehnen»

Die Schweizer Bischofskonferenz befasst sich mit dem Burka-Verbot. Nach Gesprächen im Nahen Osten sind Vertreter der Schweizer Bischöfe zum Schluss gekommen, dass es keinen religiösen Grund für die Burka gebe.

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Eine Woche lang ist die Arbeitsgruppe «Islam» der Schweizer Bischofskonferenz (SBK) durch Syrien und den Libanon gereist. Sie hat dabei mit christlichen und muslimischen Führungspersönlichkeiten unter anderem das Minarett- und Burka-Verbot diskutiert. «Aus christlicher Sicht ist die Totalverhüllung der Frau abzulehnen», erklärte Erwin Tanner, Sekretär der Arbeitsgruppe «Islam», am Sonntag gegenüber der Nachrichtenagentur SDA die Haltung der Arbeitsgruppe zum Thema Burka.

Sie trage zur «Unsichtbarmachung des weiblichen Wesens in der Gesellschaft» bei, verdränge die Frau in den Privatbereich. Damit werde der christliche Wert des «Menschseins» nicht verwirklicht, sagte Tanner.

Es stelle sich auch die Frage, ob ein allgemeines Burka-Verbot für die Schweiz verhältnismässig sei. «Das Phänomen ist noch äusserst wenig verbreitet.» Persönlich sei er der Meinung, dass man hier ein Extrem diskutiere, sich aber gleichzeitig «ausschweigt über die zunehmende Enthüllung der Frau durch knapp bedeckende Kleidung als anderes Extrem. Wo ist hier das Mass?», gibt Tanner zu bedenken.

Während der Reise habe sich gezeigt, dass «selbst muslimische Gelehrte aus Syrien und dem Libanon keine Grundlage für die vollständige Verhüllung der Frau finden - weder im Koran noch in der Prophetentradition, der Sunna». Es gebe also keinen religiösen Grund für die Burka. Das Thema Burka müssen die Bischöfe intern noch diskutieren.

Minarett-Verbot ist passé

Die Arbeitsgruppe «Islam» der SBK führte während ihrer Reise im Nahen Osten unter anderem Gespräche mit dem Patriarchen der griechisch-melkitisch-katholischen Kirche, Gregor III in Syrien, dem Patriarchen der maronitischen Kirche im Libanon, Kardinal Mar Nasrallah Boutros Sfeir, und dem Grossmufti von Syrien, Scheich Badr Ad-Din Hassun.

«Ziel der Reise war es, das Zusammenleben der Christen und Muslime in diesen Ländern näher kennen zu lernen», teilte die SBK am Samstag nach Abschluss der Reise mit. Ausserdem sollten die christlichen Minderheiten in dieser Region moralisch unterstützt werden.

Auch sollte den religiösen Gemeinschaften die Problematik der interreligiösen Beziehungen in der Schweiz dargelegt werden - «vor allem in Anbetracht dessen, dass der Islam ein wichtiger Faktor in unserem Land geworden ist».

Zentral war dabei das Minarett-Verbot. Doch stellte sich bei den Gesprächen heraus, dass das Thema «passé» war, sagte Tanner. Vielmehr hätten die religiösen Führer betont, dass es jetzt an ihnen selbst, den Muslimen sei, ihr Image zu verbessern.

Die Erkenntnisse aus den Gesprächen und die gesammelten Erfahrungen werden laut Tanner nun in einem internen Bericht zuhanden der Bischofskonferenz festgehalten. Die gezogenen Lehren flössen dann in den innerbischöflichen Diskurs ein.

Die Delegation unter der Leitung des Bischofs von Lugano reiste vom 8. bis am 15. Mai durch die beiden Länder und hatte auch Gelegenheit, die syrische Vizepräsidentin Najar Attar zu treffen.

(SDA)

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