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Erdogan wie Hitler behandeln

Der Bundesrat könnte in der Türkei-Affäre zeigen, dass er die Bevölkerung schützt. Wie einst während der NS-Zeit.

Es mutet ebenso unglaublich wie ungeheuerlich an, dass der türkische Staat plante, einen Unternehmer aus dem Kanton Zürich zu betäuben und zu verschleppen. Die Türkei, bis vor einigen Jahren ein hoffnungsvolles Land mit demokratischen Wahlen und boomender Wirtschaft, tut etwas, was letztmals die Nationalsozialisten gewagt hatten. 1935 entführte die Gestapo einen Journalisten aus Basel. Die Beteiligten hatten ihr Opfer durch K.-o.-Tropfen betäubt. Gleiches wollten die türkischen Agenten über acht Jahrzehnte später in einem Zürcher Provinzort tun.

Nun bietet sich den schweizerischen Behörden die Chance, aus der Geschichte zu lernen. Ihre Vorgänger hatten 1935 heftig protestiert. Sie verlangten sogar öffentlich von Hitler Wiedergutmachung. Gleiches sollte man heute mit Erdogan tun. Natürlich ist der türkische Präsident nicht mit dem Naziführer vergleichbar. Aber er versteht die gleiche Sprache.

Doch vom Bundesrat ist zu einer der schwersten Verletzungen der schweizerischen Souveränität in der Nachkriegszeit bislang nichts zu vernehmen. Dabei könnte sich der neue Aussenminister Ignazio Cassis nicht nur in der Sache profilieren. Er könnte die Gelegenheit auch gleich dazu nutzen, um deutlich zu machen, dass in der Schweiz die Menschen nicht nur vor schweren Verbrechen wie Entführung, sondern auch vor Bespitzelungen und anderen Drang­salierungen geschützt werden.

Zudem braucht es eine konsequente Strafverfolgung aller in die Verschleppungsaktion Involvierten. Die identifizierten türkischen Diplomaten sollten international zu Verhaftung ausgeschrieben werden. Können sie nicht gefasst werden, müssen sie in Abwesenheit vor Gericht gestellt werden.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan wird solche rechtsstaatlichen Reaktionen verstehen, Hitler tat das auch. Um den aussenpolitischen Schaden zu begrenzen, übergab Nazideutschland den verschleppten Journalisten nach wenigen Monaten den Schweizer Behörden. Einer der Entführer wurde in Basel zu einer Gefängnisstrafe verurteilt. Schauen wir, dass die Geschichte sich hier wiederholt.

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