Der Armee fehlen Drohnen für den Grenzschutz

Wegen Lieferverzögerungen bei der Firma Elbit kommt es für mindestens sieben Monate zum Totalausfall der Schweizer Drohnenflotte.

Die Aufklärungsdrohne der Schweizer Luftwaffe wird meist an der Grenze eingesetzt. Foto: Keystone

Die Aufklärungsdrohne der Schweizer Luftwaffe wird meist an der Grenze eingesetzt. Foto: Keystone

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Die Schweizer Grenzwächter verlieren ihre diskreten Helfer in der Luft. Mindestens sieben Monate lang müssen sie beim Schutz der Landesgrenze auf Überwachungsflüge mit militärischen Drohnen verzichten. Möglicherweise dauert die Überwachungslücke auch länger. Die Eidgenössische Zollverwaltung bestätigt Recherchen dieser Zeitung.

Die unbemannten Flugzeuge, die das Grenzwachtkorps zur Überwachung der Landesgrenze einsetzt, werden von der Luftwaffe betrieben. Die 20 Jahre alten Drohnen vom Typ Ranger haben nun aber das Ende ihrer Lebensdauer erreicht. Die letzten der ursprünglich 28 Ranger-Drohnen werden im November ausgemustert. Das bestätigt die Armee dieser Zeitung.

Zwar hat die Armee beim israelischen Hersteller Elbit schon vor vier Jahren sechs topmoderne Drohnen vom Typ Hermes 900 bestellt. Diese Geräte werden aber Ende November noch lange nicht einsatzbereit sein. Zwar soll im Dezember eine erste Teillieferung in der Schweiz eintreffen. Dann muss aber erst noch das Bedienungspersonal ausgebildet werden. Erste Einsätze mit den neuen Drohnen können laut der Rüstungsbehörde Armasuisse erst im dritten Quartal 2020 stattfinden, das heisst: irgendwann zwischen Juli und September des nächsten Jahres. Die letzten der neuen Drohnen sind laut Armasuisse erst nach Mitte 2021 ­einsatzbereit.

Helikopter statt Drohnen

Hauptbetroffener der Drohnen-Lücke ist das Grenzwachtkorps. Punktuell werden die Armeedrohnen auch für die Verkehrsüberwachung oder für Such- und Rettungseinsätze verwendet. Mit Abstand am häufigsten werden sie laut Statistik aber für «Gefahrenabwehr an der Grenze» eingesetzt. 2018 leistete die Luftwaffe an der Grenze 84 Drohneneinsätze während total 195 Stunden. Laut Zollverwaltung dienen solche Aufklärungsflüge vor allem dem Kampf gegen organisierte Kriminaltouristen, Schlepper von Migranten und gegen bandenmässigen Schmuggel.

Der Einsatz der veralteten Ranger-Drohnen kann laut Armeeangaben nicht mehr verlängert werden. «Es gibt zulassungsrelevante Teile, deren Lebensdauer abläuft und deren Ersatz unverhältnismässig teuer käme», teilt eine Armeesprecherin mit. Darum will die Zollverwaltung nun zur Überbrückung «vermehrt auf Helikopter» zurückgreifen. Diese können zwar ebenfalls Überwachungskameras und -sensoren mitführen. Sie haben aber gegenüber den Drohnen mehrere Nachteile: Sie sind lauter und damit auffälliger, können weniger lang in der Luft bleiben und verbrauchen mehr Treibstoff.

250 Millionen Franken

Mehrkosten entstehen laut Armeeangaben nicht. Die Helikopterflugstunden seien ohnehin beschränkt, hält die Armeesprecherin fest. Wenn sie vermehrt an der Grenze zum Einsatz kämen, würden im Gegenzug andere Helikop­tereinsätze reduziert. Das Parlament hat für die Beschaffung der Hermes-Drohnen im Jahr 2015 einen Kredit von 250 Millionen Franken beschlossen. Sie sind viel leistungsfähiger als die alten Ranger. Die Hermes 900 werden mit Diesel betrieben, können bis auf 7600 Meter steigen, 260 Kilometer pro Stunde schnell fliegen, 24 Stunden in der Luft bleiben und ab dem Militärflugplatz Emmen LU jeden Punkt in der Schweiz erreichen.

Die verspätete Einsatzbereitschaft ist nicht das erste Problem, das die Schweiz mit den Hermes-Drohnen hat. Wie diese Zeitung 2017 publik machte, hatten Armasuisse-Vertreter während Jahren mehrfach an Elbit-Drohnentests auf den Golanhöhen teilgenommen. Dabei dürfen Bundesvertreter dieses von Israel völkerrechtswidrig annektierte Gebiet gar nicht betreten. Als das Verteidigungsdepartement den neutralitätspolitischen Fauxpas schliesslich bemerkte, musste die Firma Elbit die weiteren Tests auf einen anderen Flugplatz in Israel verlegen.

«Keine unnötige Swissness»

Dass es nun zu einer markanten Verspätung kommt, begründet Armasuisse mit der «Zertifizierung» der neue Fluggeräte. Bevor sie abheben dürfen, müssen sie von der Schweizer Militärluftfahrtbehörde zugelassen werden. Diese stützt sich ihrerseits auf die Zulassung durch die israelische Luftfahrtbehörde CAAI. All das dauere nun länger als ­ursprünglich geplant, so Arma­suisse. Der diesbezügliche Ar­beitsaufwand sei «vom Lieferanten unterschätzt worden».

Frühere Medienberichte ­hatten der Rüstungsbehörde Armasuisse auch vorgeworfen, selber Lieferverzögerungen zu provozieren, weil sie von Elbit übertriebene Anpassungen beim Standardprodukt verlangt habe – sogenannte Helvetisierungen. Diese Kritik wurde später aber von unabhängiger Stelle dementiert. Im Jahr 2017 schrieb die Eidgenössische Finanzkontrolle in einem Prüfbericht: «Von einer unnötigen Swissness kann keine Rede sein.»

Erstellt: 15.09.2019, 22:36 Uhr

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