Senioren überholen die unter 20-Jährigen

Bereits in zehn Kantonen leben mehr über 65-Jährige als Kinder und Teenager. 2023 dürfte das in der ganzen Schweiz so sein.

Bereits in wenigen Jahren könnte es mehr Pensionierte als Minderjährige geben: Strassenszene in Luzern. Foto: Raisa Durandi

Bereits in wenigen Jahren könnte es mehr Pensionierte als Minderjährige geben: Strassenszene in Luzern. Foto: Raisa Durandi

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Die Schweiz steht vor der grössten Pensionierungswelle ihrer Geschichte. Bis 2030 werden alle Angehörigen der Babyboomer-Generation, die in den 20 Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg zur Welt kamen, die Altersgrenze von 65 erreicht haben. Bereits jetzt schlägt sich dieser Trend in der Bevölkerungsstatistik nieder. Ende 2018 lebten in 10 der 26 Kantone schon mehr über 65-Jährige als unter 20-Jährige. Dies zeigt eine neue Auswertung des Bundesamts für Statistik (BFS).

Der erste Kanton, in dem die Trendwende einsetzte, war Basel-Stadt. Dort sind die Senioren bereits seit Anfang der 80er-Jahre gegenüber den Jungen in der Überzahl. Erst ein Vierteljahrhundert später folgte das Tessin (2006), dann Schaffhausen (2009), Basel-Landschaft (2011), Bern (2012), Graubünden (2013), Nidwalden (2015), Glarus (2016), Solothurn (2017) und Uri (2018).

Von den 8,54 Millionen Einwohnern, die die Schweiz Ende 2018 zählte, waren 1,71 Millionen Menschen unter 20-jährig und 1,58 Millionen über 65-jährig. Damit entsprach die Zahl der Senioren bereits der Bevölkerungszahl des Kantons Zürich. Gesamtschweizerisch werden gemäss den aktuellen BFS-Prognosen bis Ende 2022 die Senioren die Jungen zahlenmässig einholen.

Zwar werden in den nächsten gut drei Jahren auch die junge Bevölkerung und die Gruppe der 20- bis 64-Jährigen weiter wachsen, doch erreichen in diesem Zeitraum wesentlich mehr Ältere die Schwelle von 65 Jahren. Ende 2023 werden gemäss BFS-Prognose die Senioren die Jungen zahlenmässig überholt haben: Es dürften dann 1,81 Millionen über 65-Jährige in der Schweiz leben, gegenüber 1,78 Millionen unter 20-Jährigen.

Der Alterungstrend wird sich ab diesem Zeitpunkt noch verstärken. 2030 werden 1,88 Millionen unter 20-Jährigen bereits 2,17 Millionen über 65-Jährige gegenüberstehen, bei einer Gesamteinwohnerzahl von 9,5 Millionen.

Auch junge Kantone werden älter

Am längsten bis zur Trendwende dauert es im Kanton Freiburg (2041), dem Kanton mit der zurzeit jüngsten Bevölkerung und dem geringsten Anteil an Senioren. Auffallend ist zudem, dass auch in den beiden bevölkerungsreichsten Westschweizer Kantonen Waadt (2035) und Genf (2032) die Trendwende erst im übernächsten Jahrzehnt stattfindet. Im bevölkerungsreichsten Kanton Zürich wird die Zahl der Senioren ab 2030 grösser sein als jene der Kinder und Teenager.

Beeinflusst wird die Alterung in den Kantonen durch mehrere Faktoren. Dazu zählen die Zuwanderung aus dem Ausland, die in der Regel zu einer Verjüngung der Bevölkerung führt, und die Abwanderung jüngerer Menschen, wovon vor allem Bergkantone und periphere Regionen betroffen sind.

Die Zuwanderung ist der grösste Unsicherheitsfaktor in den Prognosen. Zurzeit rechnet das BFS bei der Bevölkerungsentwicklung noch mit einer jährlichen Nettozuwanderung von 60'000 Personen bis ins Jahr 2030 und danach mit einem kontinuierlichen Rückgang. Allerdings wurde die angenommene Nettozuwanderung von 60'000 bereits 2017 und 2018 jeweils um einige Tausend Personen unterschritten.

9-Millionen-Schweiz drei Jahre später

Das BFS wird im nächsten Jahr seine Prognosen zur Bevölkerungsentwicklung aktualisieren. Es deutet sich bereits jetzt an, dass die Schwelle von 9 Millionen Einwohnern in der Schweiz erst später erreicht wird als bisher angenommen. Gemäss dem geltenden BFS-Szenario würde 2023 die 9-Millionen-Schweiz Realität. Lukas Rühli vom Thinktank Avenir Suisse geht aufgrund der aktuellen Zuwanderungszahlen davon aus, dass dies nun erst 2026 der Fall sein wird.

Rühli, der sich mit Bevölkerungsszenarien beschäftigt, empfiehlt denn auch, bis 2030 noch von einer durchschnittlichen Nettozuwanderung von nur noch 50'000 Personen auszugehen. Da die Zuwanderung zudem von der wirtschaftlichen Entwicklung in Europa und der Schweiz abhänge, müsse das BFS die Bandbreite seiner Szenarien erweitern. Bis 2030 könne die jährliche Nettozuwanderung auf 0 sinken – oder auch wieder auf 100'000 Personen steigen.

Erstellt: 27.08.2019, 21:32 Uhr

Die Bevölkerung der Schweiz wächst – aber langsamer

In der Schweiz hat die Bevölkerung im letzten Jahr die 8,5-Millionen-Grenze überschritten. Wie das Bundesamt für Statistik am Dienstag mitteilte, lebten Ende 2018 genau 8 544 500 Personen im Land. Im Vergleich zum Vorjahr ist das eine Zunahme um 0,7 Prozent. Das ist das schwächste Bevölkerungswachstum der letzten zehn Jahre. Am stärksten gewachsen sind unter anderem die Kantone Zürich, Schwyz und Freiburg. Einzig in den Kantonen Neuenburg und Tessin ging die Zahl der Einwohner zurück.

Der Grund für das verlangsamte Bevölkerungswachstum liegt vor allem bei der Zuwanderung aus dem Ausland. Der Wanderungssaldo, also die Differenz zwischen Ein- und Auswanderungen, ist kleiner geworden. Die Zahl der Auswanderungen (plus 4,2 Prozent) hat 2018 klar zugenommen, die Zahl der Einwanderungen (minus 0,5 Prozent) hingegen abgenommen. Der Ausländer­anteil betrug Ende Jahr 25,1 Prozent. Ebenfalls zum Bevölkerungswachstum beigetragen hat der Geburtenüberschuss, darunter versteht man die Differenz zwischen Geburten und Todesfällen.

Die Zahl von 9 Millionen Einwohnern dürfte aufgrund der geringeren Zuwanderung erst 2026 erreicht werden statt wie bisher angenommen 2023. (red)

Artikel zum Thema

Schweizer Bevölkerung überschreitet 8,5-Millionen-Grenze

Ausser in zwei Kantonen ist die Einwohnerzahl überall im Land angestiegen. Mehr...

«Wo Frauen schlecht behandelt werden, ist die Geburtenrate hoch»

Interview Demografie-Experte Reiner Klingholz erklärt, weshalb Machos ein Land in der Entwicklung behindern und was das mit der Migration zu tun hat. Mehr...

Weltbevölkerung könnte 2100 elf Milliarden erreichen

Gemäss der UNO sinken die Geburtsraten. Dafür leben mehr und mehr ältere Menschen auf der Erde. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Blog

Kommentare

Paid Post

Mehr Freizeit dank iRobot

Diese intelligenten Alleskönner übernehmen das Reinigen für Sie: gründlich, zuverlässig und vollautomatisch.

Die Welt in Bildern

Klimawand: Andres Petreselli bemalt in San Francisco eine Hausfassade mit einem Porträt von Greta Thunberg. (8. November 2019)
(Bild: Ben Margot) Mehr...