Bambi nimmts mit Banksy auf

Brad Pitt kauft ihre Bilder, Rihanna auch: Die Londoner Graffiti-Künstlerin Bambi gilt als neuer Star der Street-Art-Szene. Ihre Anonymität ist zur Obsession der Briten geworden.

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Am Anfang war da ein Porträt von Amy Winehouse an einer Mauer in Camden. Kurz nach dem Tod der Sängerin 2011 war das Graffito im Londoner Stadtteil aufgetaucht: Winehouse, mit Turmfrisur und bunten Kleidern, schaute mit herausforderndem Blick vom hellen Verputz, als sei sie nie zerbrochen, an den Drogen, am Medienrummel. Ein schablonengesprayter Nachruf war das, unaufgeregt und würdevoll; angebracht von einem bis dato unbekannten Street-Art-Künstler namens Bambi.

Bambi, so stellte sich bald heraus, ist eine Frau. Die anonyme Künstlerin ist seither zum neuen Star der Street-Art geworden. Brad Pitt, Rihanna, die Beckhams und Kanye West zählen zu ihren Fans – sollen schon Tausende von britischen Pfund für Bambis Werke ausgegeben haben.

Kein weiblicher Banksy

Wegen der Machart ihrer Graffiti wurde sie von der britischen Presse kurzerhand zum «weiblichen Banksy» erklärt: Bambi arbeitet mit Schablonen, der kritische Unterton in Teilen ihres Werkes erinnert ebenfalls an den berühmten Künstler aus Bristol. Da ist zum Beispiel das Porträt eines Afghanistanveteranen, den Bambi im Camouflage-Traineranzug und mit Kampfhund zeigt. Der Ex-Soldat als Proletenklischee – lässt sich das lesen: Der Kriegsheld hat ausgedient und wird von der konservativen Regierung links liegen gelassen wie die verachtete Arbeiterklasse.

Es sei für sie unmöglich, die Ungerechtigkeiten in der heutigen Welt zu ignorieren, sagte Bambi kürzlich in einem ihrer raren Interviews gegenüber dem «Guardian». Und machte sogleich auch ihrem Unmut über das Label «weiblicher Banksy» Luft: «Das ist wieder ein perfektes Beispiel dafür, dass wir in einer männerdominierten Gesellschaft leben. Männer setzen den Richtwert, nach welchem man dann die Frau bewertet.»

Es sind denn auch weibliche Ikonen, die im Werk von Bambi besonders viel Raum erhalten. Kate Moss, Beyoncé und Kim Kardashian wurden so schon zum Stencil-Graffito. Einen feministischen Kommentar will die Künstlerin damit abgeben, lässt den Betrachter über die Aussage ihrer Bilder aber bisweilen rätseln. Ein Porträt von Angelina Jolie zierte Bambi mit dem Schriftzug «Superhero». Eine Würdigung der Schauspielerin und Aktivistin? Ein kritischer Kommentar auf Jolies wohltätiges Engagement? Beides?

Paloma Faiths Zweitkarriere?

Ein Verwirrspiel wäre Bambi durchaus zuzutrauen, zumal die Künstlerin auch genüsslich mit ihrer Anonymität kokettiert. Essenziell sei diese für ihre Arbeit als Street-Art-Künstlerin, betont sie gerne in Interviews. Um dann im nächsten Augenblick vermeintliche Hinweise auf ihre Identität zu deponieren. Zu einer Zeitung sagte sie, Kunst sei ihre Zweitkarriere, hauptsächlich sei sie Musikerin mit Chart-Erfolgen.

Mit dieser und ähnlichen Aussagen hat sich Bambi gekonnt zur Obsession der Briten gemacht. Man rätselt und rätselt und vermutet abwechselnd Paloma Faith, MIA und Adele hinter der Sprayerin. Aus ihren zahlreichen (falschen?) Fährten ist längst eine Art Comicfigur entstanden: Eine Zeitung porträtierte die Künstlerin als Aston Martin fahrende und Karate kämpfende Liebhaberin von Luxuslabels, die ihre Stencils in klandestinen Manövern und mit der Geschwindigkeit einer Spezialeinheit anbringt. Eine Art James Bond mit der Sprühdose. Ob sich Bambi über diesen Vergleich freut? (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 20.10.2015, 11:18 Uhr

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