Banken stehen beim Klimatest des Bundes unter Zugzwang

Der Bund untersucht die Klimaverträglichkeit der Finanzbranche. Die Finanzinstitute sind am Test interessiert. Aber nicht ganz freiwillig.

Protest: Klimastreikende fordern die Banken auf, keine neuen Investitionen in fossile Energieträger mehr zu tätigen. Foto: Keystone

Protest: Klimastreikende fordern die Banken auf, keine neuen Investitionen in fossile Energieträger mehr zu tätigen. Foto: Keystone

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Wie klimaschädlich ist die Schweizer Finanzbranche?Heuer kommt es zur zweiten Auflage eines Tests, den das Bundesamt für Umwelt (Bafu) in Zusammenarbeit mit dem Staatssekretariat für internationale Finanzfragen (SIF) initiiert hat. Anders als bei der Premiere vor drei Jahren können nebst Pensionskassen und Versicherungen neu auch Vermögensverwalter und Banken mittun.

Das bestehende Modell wird erweitert, etwa für globale Kredite oder Schweizer Immobilienanlagen. Auch soll der Test neu qualitative Aspekte wie den Dialog von Investoren mit Firmen berücksichtigen. Unter dem Titel «Pacta Initiative 2020» wird er international koordiniert. Auch die Finanzakteure anderer europäischer Länder sind mit von der Partie, etwa in Italien oder Österreich.

«Die Testresultate werden uns helfen, uns weiterzuentwickeln.»Monika Dunant, Basellandschaftliche Kantonalbank

Eine Umfrage dieser Zeitung zeigt, dass unter Schweizer Banken verbreitet Bereitschaft für eine Teilnahme besteht. «Wir sind interessiert», heisst es zum Beispiel bei Raiffeisen Schweiz. Ähnlich tönt es bei den Kantonalbanken. Die Zürcher Kantonalbank zum Beispiel begrüsst die Initiative und prüft derzeit eine Teilnahme. Die Berner, Basler und Zuger Kantonalbank beabsichtigen, mitzuwirken. Bereits entschieden hat sich die Basellandschaftliche Kantonalbank. «Die Resultate helfen uns, uns weiterzuentwickeln», sagt Sprecherin Monika Dunant.

Mit im Boot wird wohl auch die Credit Suisse sein, wie Insider sagen. Offiziell bestätigen will das die Bank nicht. Sie hält aber fest, mit den Bundesbehörden in Kontakt zu stehen. Die CS anerkennt, «dass die Finanzströme mit den Zielen des Klimaabkommens von Paris in Einklang gebracht werden müssen». Sie beteilige sich an der Entwicklung branchenweiter Standards zur Messung, Offenlegung und zum Management von Klimarisiken. Die UBS ihrerseits gehört – wie die CS – zu jenem Kreis internationaler Pilotbanken, die das neue Pactamodul für globale Kreditportfolien bereits getestet haben. Die Auswertungen laufen. Gemäss Insidern wartet die UBS nun auf weitere Informationen des Bafu und Klarheit in der Frage, «ob es eine zweite Runde auch für die Tests mit diesem Modul braucht».

Branchenverband empfiehlt Teilnahme

Wie viele Banken mitmachen werden, ist noch unklar. Die Schweizerische Bankiervereinigung jedenfalls empfiehlt ihren Mitgliedern die Teilnahme – desgleichen der Schweizer Pensionskassenverband und der Schweizerische Versicherungsverband. «Nachhaltige Finanzen – das ist ein Zukunftsthema und eine Chance für unseren Finanzplatz», sagt Serge Steiner von der Bankiervereinigung.

Der zweite Klimatest wird im Frühjahr stattfinden. Das Bafu erhält – anonymisiert – die Daten aller Teilnehmer und wird die Klimabilanz der Branche voraussichtlich im September publizieren. Am ersten Test 2017 nahmen 79 Pensionskassen und Versicherer teil, sie deckten rund zwei Drittel der verwalteten Vermögen ab.

Klimaaktivisten blockieren im Sommer 2019 den Eingang der Bank Credit Suisse am Paradeplatz. Foto: Keystone

Das Resultat: Sie leisten heute einer Klimaerwärmung von 4 bis 6 Grad Vorschub, befinden sich also im globalen Schnitt der Finanzbranche. Als klimaverträglich gelten dagegen bloss jene Investitionen und Finanzierungen, die dazu beitragen die globale Erwärmung deutlich unter 2 Grad zuhalten. «Der zweite Test soll helfen, Fortschritte zu messen und wertvolle Informationen für die Politik zu liefern», sagt Silvia Ruprecht vom Bafu.

Die Teilnahme ist erneut freiwillig. Allerdings stehen die Finanzakteure stärker unter Zugzwang als auch schon. So hat der Bundesrat eine verwaltungsinterne Arbeitsgruppe eingesetzt, die auf einen Abschluss von Branchenvereinbarungen mit den Finanzakteuren hinwirken soll. Diese Selbstverpflichtungen zur Umsetzung des Pariser Abkommens sollen die Transparenz sowie die Zahl der Teilnehmer an den Klimaverträglichkeitstests steigern. Zudem prüft der Ständerat, ob weitergehende Massnahmen nötig sind; dazu hat er drei Postulate überwiesen. Je nachdem, wie sich die Branche nun verhält, wird das Bundesparlament mehr oder weniger geneigt sein, sie mit neuen Regulierungen auf Klimaverträglichkeit zu trimmen.

Klimastreikende geben Banken mehr Zeit

Mit Forderungen sieht sich die Finanzbranche auch vonseiten der Klimastreikenden konfrontiert. Unter anderem sollen sie ihre direkten und indirekten Treibhausgasemissionen bis 2030 oder zumindest bis 2050 auf netto null bringen und ab sofort keine neuen Investitionen in fossile Energieträger mehr tätigen, also zum Beispiel den Bau von Kohlekraftwerken oder Erdölförderanlagen nicht mehr zu unterstützen.

Erste Finanzinstitute haben die Klimastreikenden zu einem Gespräch eingeladen, wie Stephanie Wyss von Klimastreik Schweiz erklärt. Welche es sind, sagt sie nicht. Die Finanzinstitute müssen laut Wyss nun glaubhaft darlegen, dass sie die Vorgaben tatsächlich erfüllen wollen. Ansonsten landen sie auf einer – vorerst provisorischen – schwarzen Liste. Entgegen der Ankündigung im November räumen die Klimastreikenden den Finanzinstituten etwas mehr Zeit ein, sich zu positionieren: Statt 1. März soll der Stichtag nun der 1. Juni sein.

Erstellt: 27.01.2020, 22:43 Uhr

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