Er zahlt Eltern 3000 Franken für ein Baby

Paolo Beltraminelli, der Tessiner Gesundheitsdirektor, führt zu Neujahr eine Prämie für neugeborene Kinder ein.

Möchte, dass die Tessinerinnen mehr Kinder zur Welt bringen: Gesundheitsminister Paolo Beltraminelli. Foto: PD

Möchte, dass die Tessinerinnen mehr Kinder zur Welt bringen: Gesundheitsminister Paolo Beltraminelli. Foto: PD

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Ab 1. Januar 2019 zahlt der Kanton Tessin 3000 Franken Prämie für jedes neugeborene Kind. Das soll Familien «etwas Druck nehmen», sagt Gesundheitsdirektor Paolo Beltraminelli per Telefon aus den Weihnachtsferien. Auch wer ein minderjähriges Kind adoptiert, hat Anspruch auf das Geld. Kind ist Kind.

Ziel der Aktion: Die Tessiner sollen mehr Kinder zeugen. Die Geburtenziffer ist mit 1,37 Kindern pro Frau sehr tief, der nationale Wert liegt bei 1,52. Nur 13 Prozent der Tessiner Bevölkerung sind Kinder unter 13 Jahren. Das Durchschnittsalter ist mit 44 Jahren das höchste aller Kantone. Nicht gut, sagt Paolo Beltraminelli, Vater dreier Töchter, Ingenieur, CVP-Politiker. Ohne Nachwuchs keine neuen Steuerzahler, Rentenfinanzierer, Fachkräfte. «Die Überalterung bringt uns wirtschaftliche und kulturelle Probleme.» Um das Problem anzugehen, hat der Kanton in Umfragen die Bedürfnisse der Eltern erkundet. Immer wieder wurde der Wunsch nach mehr Zeit mit dem Kind laut. Die neue Prämie wird nun sechs Monate nach Geburt ausbezahlt, nach Ablauf des Mutterschaftsurlaubs. «Die 3000 Franken sollen es finanziell möglich machen, das Arbeitspensum leicht zu reduzieren und mehr bei den Kindern zu sein», sagt Beltraminelli. Berechtigt sind Eltern mit Brutto-Jahreseinkommen bis 110'000 Franken.

Zugleich wird die Kinderbetreuung im Kanton verbilligt. Leichter daheimbleiben, leichter hüten lassen. «Wir tun wirklich alles», sagt Beltraminelli. Finanziert wird das 20-Millionen-Franken-Programm durch die Tessiner Wirtschaft. Arbeitgeber entrichten eine kleine Abgabe auf die Lohnsumme – als Gegenleistung dafür, dass sie nebst vermögenden Personen vom Kanton steuerlich entlastet werden.

Die Idee, die Kinderproduktion mit Geld anzukurbeln, ist nicht neu. Australien zahlte bis 2014 den «Baby Bonus», der einstige Finanzminister empfahl australischen Paaren, drei Kinder zu machen: «Eins für Mama, eins für Papa und eins fürs Land.» Frankreich kannte diverse Kinderprämien, muss seit der Finanzkrise 2008 aber zurückfahren. In Portugal versuchen Bürgermeister, ihre vergreisenden Dörfer mit Babygeld attraktiv zu machen. Und in der Schweiz zahlen Neuenburg, Jura, Freiburg, Uri, Schwyz und Luzern einmalige Prämien von etwa 1000 Franken, im Wallis und in der Waadt gibt es mehr, in Genf erhöht sich die Zulage ab dem dritten Kind von 2000 auf 3000 Franken. Die Wirksamkeit solcher Massnahmen ist umstritten, aber nicht widerlegt.

Politiker preisen das Kinderzeugen gern als patriotischen Akt, sogar als Engagement gegen die Zuwanderung: mehr Eigene, weniger Fremde. In Deutschland hatte ein CDU-Politiker einst «Kinder statt Inder» gefordert. Im Tessin dagegen scheint die Babyprämie ein erfrischend offenes Projekt. Natürlich sei es wünschenswert, unabhängiger von ausländischer Arbeitskraft zu werden, von den vielen Grenzgängern, sagt Beltraminelli. Doch Ausländer haben nach fünf Jahren Wohnsitz im Tessin ebenfalls Anrecht auf die Babyprämie. Schweizer nach drei Jahren. Gute Nachrichten: Jeder kann Tessiner Babys machen.

Dieser Text wurde korrigiert, der Begriff «Geburtenrate» wurde durch «Geburtenziffer» ersetzt.

Erstellt: 28.12.2018, 22:45 Uhr

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