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Bauern wollen Hanf für legale Abgabe anbauen

Bundesrat Alain Berset zeigt sich offen für Forschungsprojekte zu Cannabis. Schweizer Bauern hoffen nun auf eine neue Einnahmequelle.

«Keine lohnende Erfahrung»: Bundesrat Alain Berset über sein erstes Mal Kiffen.
«Keine lohnende Erfahrung»: Bundesrat Alain Berset über sein erstes Mal Kiffen.
Peter Klaunzer, Keystone

Bundesrat Alain Berset begrüsst, dass mehrere Schweizer Städte die testweise Abgabe von Cannabis ins Auge fassen wollen. Gleichzeitig verneint er, dass mit solchen Pilotprojekten eine Legalisierung durch die Hintertür eingeführt wird.

Interesse an Versuchen zur legalen Abgabe von Cannabis bekundeten etwa Zürich, Bern, Basel und Genf. Sobald eine Stadt ein Projekt erarbeitet habe und ein Gesuch einreiche, werde sein Departement prüfen, ob es eine Bewilligung erteilen könne, sagte Innenminister Berset im Interview mit der «NZZ am Sonntag».

Ob er dazu auch Hand bieten werde, sagt Berset nicht explizit. Er steckt aber die Grenzen ab: Klar sei, dass es «nur um befristete Versuche gehen kann, die wissenschaftlich begleitet werden und klare Fragen beantworten sollen». Eine generelle Legalisierung erlaube das Gesetz nicht.

Keine Legalisierung, aber...

Berset räumt ein, dass sich das Volk 2008 gegen eine Cannabis-Legalisierung aussprach. Gleichzeitig habe es aber ein Gesetz gutgeheissen, das Ausnahmebewilligungen für wissenschaftliche Forschungsprojekte ermöglicht. «Das Signal war eindeutig: keine Legalisierung, aber auch keine Denkverbote. Diesen Rahmen werden wir einhalten.»

Der Freiburger Bundesrat will die Versuche auch keineswegs als Signal verstanden wissen, dass der Cannabis-Konsum unproblematisch sei. «Fakt ist, dass mehr als ein Fünftel der Bevölkerung Erfahrung mit Cannabis hat. Also können wir nicht einfach wegschauen, sondern müssen ohne Scheuklappen auch neue Ideen prüfen.»

Vage zu Minderjährigen

Als «heikel» bezeichnet Berset die Frage, ob auch Minderjährige legal Cannabis beziehen können sollen. Weil sie eine «sehr verletzliche Konsumentengruppe» seien, wäre eine Begleitung besonders wichtig, sagte er. Gleichzeitig sei ihm bewusst, dass spezielle Vorsicht geboten sei, da für sie der Konsum besonders gesundheitsgefährdend sei.

Schliesslich gibt Berset auch Auskunft zu seinen persönlichen Erfahrungen mit Kiffen: «Einmal» habe er es probiert, mit etwa 23 Jahren. «Mir ist dabei schlecht geworden. Es war keine lohnende Erfahrung», sagte er.

Die Stadt Bern will in der zweiten Jahreshälfte ein Gesuch beim Bund einreichen für die kontrollierte Cannabis-Abgabe in Apotheken. Bis zu 1000 Berner Kiffer über 18 Jahre sollen am Forschungsprojekt teilnehmen können. Bern koordiniert sich dabei eng mit Basel, Genf und Zürich.

Bauern wollen Hanf anbauen

Die Forschungsprojekte eröffnen ein neues Geschäftsfeld für die Schweizer Bauern. Für das Projekt in Bern werde mehrheitlich Hanf aus dem Ausland, etwa aus Holland, importiert, schreibt die «Schweiz am Sonntag». Allerdings würden sich auch die Schweizer Berggebiete laut dem Drogenexperten Thomas Kessler sehr gut für den Anbau von Hanf eignen. Der Basler Agronom hat ein Regulierungskonzept erstellt, um den Hanfhandel unter staatliche Kontrolle zu bringen.

Im Kanton Graubünden wird Hanf beispielsweise traditionell als Faser- und Medizinalpflanze angebaut. Mit nur 20 Hektaren Anbaufläche ist er aber noch ein Nischenprodukt. Dutzende Bauern hätten sich nun für die Mitarbeit am Projekt in Bern interessiert. Man müsse anschauen, wie rasch die Landwirte die Pflanzen ziehen könnten und unter welchen Voraussetzungen, sagt Franziska Teuscher, Sozialdirektorin in Bern.

Marktvolumen von einer Milliarde Franken

Die Landwirte könnten die Nachfrage decken, wenn es vom Gesetzgeber erlaubt werde, heisst es beim Bauernverband. Auch die Verantwortlichen sehen das Potenzial. «Zwar fokussieren wir uns auf die kontrollierte Abgabe von Cannabis, doch idealerweise stammt der Hanf aus der Schweiz», so Teuscher weiter.

Laut der «Schweiz am Sonntag» steckt ein Marktvolumen von bis zu einer Milliarde Franken im Hanfanbau. Demnach konsumieren zwischen 300'000 und 500'000 Schweizer regelmässig Cannabis.

(SDA)

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