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Behörden drehen jeden Stein nach Asylunterkünften um

Viele Kantone und Gemeinden in der Schweiz suchen derzeit Unterkünfte für Asylsuchende. Obwohl um die 2000 Plätze in den vergangenen Monaten neu eingerichtet wurden, ist der Bedarf nicht überall gedeckt.

Meist sind Asylsuchende mit Widerstand in den Gemeinden konfrontiert: Zwei Kinder im Aufenthaltsraum des neuen Flüchtlingszentrums in Vernamiège im Wallis. (1. Dezember 2011)
Meist sind Asylsuchende mit Widerstand in den Gemeinden konfrontiert: Zwei Kinder im Aufenthaltsraum des neuen Flüchtlingszentrums in Vernamiège im Wallis. (1. Dezember 2011)
Keystone

Die Zahl der Asylgesuche steigt. Nicht nur beim Bund, sondern auch in mehreren Kantonen gibt es zu wenig Unterkünfte für Flüchtlinge, wie eine Umfrage der Nachrichtenagentur sda bei den Kantonen zeigt. Doch weggeschickt werde niemand, hiess es überall. Die meisten Kantone geben an, nach zusätzlichen Plätzen zu suchen. Widerstand gibt es zwar gegen Projekte, aber längst nicht überall.

Vollständige Zahlen waren nicht in allen Kantonen erhältlich. Insgesamt haben Kantone und Gemeinden mehr als 24'000 Plätze zur Verfügung, neben den 1600 bis 1800 Plätzen in den Empfangszentren des Bundes. Bis Ende November wurden landesweit 20'016 Asylgesuche eingereicht; im ganzen 2010 waren es 15'567 gewesen.

Suchen und zusammenrücken

Suchen und verhandeln lautet die Devise für die Schaffung neuer Asylunterkünfte. Gruppenunterkünfte, Hotels, Zivilschutzanlagen, Wohnungen und selbst Abbruchhäuser werden genutzt. Mancherorts werden in bestehenden Unterkünften zusätzliche Betten aufgestellt. Bern zum Beispiel hat seit Juli 484 neue Plätze eingerichtet, wie es beim Kantonalen Amt für Migration hiess. Die Problematik um Plätze spitze sich zu. Der Migrationsdienst arbeite mit «lösungsorientierten Gemeindevertretern zusammen», damit im ersten Quartal 2012 weitere Plätze angeboten werden könnten.

In Basel-Stadt reiche das Platzangebot nicht, sagte Renata Gäumann, zuständig für die Koordination des Asyl- und Flüchtlingswesens. Die 90 zusätzlichen Plätze in einer Zivilschutzanlage seien nur eine Notlösung. Die von der SVP zur Diskussion gestellte Asylunterkunft in einem Hotelschiff auf dem Rhein lehnte der Grosse Rat ab.

Der Stadtkanton bräuchte laut Gäumann 80 bis 100 weitere Plätze. Vor der Realisierung steht ein Projekt mit 50 Plätzen. Keine Engpässe hat Basel-Landschaft. Zürich hat ehemalige Unterkünfte für Asylsuchende wieder eröffnet und dort 200 Plätze eingerichtet. Ob der absehbare Bedarf gedeckt ist, konnte der Kanton nicht sagen.

St. Gallen: Früher in die Gemeinden

St. Gallen hat in einer Jugendherberge 58 befristete Plätze neu geschaffen. Wegen Platznot könnten Asylsuchende in den fünf kantonalen Zentren weniger lang bleiben als die vorgesehenen sechs Monate. Sie würden früher auf die Gemeinden verteilt, sagte Roger Hochreutener, Geschäftsführer der Vereinigung der St. Galler Gemeindepräsidenten.

Von Schwierigkeiten berichten die Sozialen Dienste im Kanton Zug: Wegen der enormen Bautätigkeit im Kanton gebe es fast keine Abbruchliegenschaften mehr. Asylsuchende beziehen in Zug meist solche Gebäude, bevor diese niedergerissen werden.

Widerstand gegen Projekte

Obwalden hat seine Gemeinden beauftragt, Standorte für Notunterkünfte respektive Wohncontainer zu suchen. Auch Zivilschutzanlagen werden geprüft. Auf solche Anlagen greifen auch mehrere Westschweizer Kantone zurück. In der Waadt wurden einige Menschen wegen Platzmangels in Hotelzimmern einquartiert. In Luzern, wo die seit Anfang Jahr 186 neu geschaffenen Plätze für den absehbaren Bedarf nicht ausreichen, sind weitere Objekte in Abklärung. Sobald die betroffenen Gemeinden begrüsst würden, gebe es Widerstand, hiess es bei der zuständigen Stelle des Kantons.

Politischen Widerstand gibt es im Kanton Wallis. Im November unterstützte das Kantonsparlament eine Motion der Freisinnigen für eine Totalrevision des Asyl- und Ausländergesetzes. Die SVP und ihre regionalen Sektionen haben Unterschriften gesammelt gegen geplante Unterkünfte in mehreren Gemeinden.

SDA/rub

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